Institutional Money, Ausgabe 3 | 2019

USA sowohl zu einem steigenen Goldpreis wie auch zu erhöhtem Druck auf den argen- tinischen Markt führt. Eine Safe-Haven- Funktion würde dann also sehr wohl beste- hen. Sie wäre aber nur mittelbar, weil sie ja nicht von Argentinien, sondern vom welt- weiten Investorenklima ausgelöst wird. Dem Emerging-Markets-Investor wird es nun relativ egal sein, ob die Funktion mit- telbar oder unmittelbar erfüllt wird – ihn interessiert, wie zuverlässig dieser Mecha- nismus eintritt. Das ist auch Bulut und Rizvanoghlu klar, weshalb die beiden Wissenschafter die Korrelationen für die Aktiensegmente von 34 Emerging Markets mittels 39 verschiedener Copula-Funktionen über 18 Jahre bis einschließlich 2018 sta- tistisch ausgewertet haben. Die Ergebnisse sind, wie es im angelsächsischen wissen- schaftlichen Jargon so schön heißt, „mixed“. Denn von den 34 Ländern weisen nur 20 in Zeiten von Finanztumulten nicht vorhandene oder negative Korrelationen zu Gold auf. Für diese 20 Länder haben die Autoren die Korrelationen der Tail-Risiken ausgewertet. Waren diese negativ, so fiel der betreffende Markt in die Kategorie „Strong Safe Haven“, lag die Korrelation über null wurde der Markt als „Not a Strong Safe Haven“ bezeichnet ( Siehe Tabelle „Nicht immer sicher“) . Das Resultat – zumindest auszugsweise: Ausgerechnet für wichtige Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Mexiko, Taiwan oder die Türkei weist Gold keine statistische Signifikanz als sicherer Hafen auf. Gegen Unsicherheiten bezüglich des russischen Marktes kann man sich mit dem Edelmetall zumindest teilweise absi- chern – es geht als schwacher sicherer Hafen aus dem Test hervor. Von den pro- minenten Emerging Marktes weist Gold eigentlich einzig bei Argentinien das Attri- but „starker sicherer Hafen“ auf. Auslöser für Goldschwäche Das sind an sich schon verblüffende, wenn auch nicht besonders befriedigende Erkenntnisse, verkomplizieren sie das Leben des Investors doch zusätzlich. Da das Paper von Bulut und Rizvanoghlu außer- dem rein statistisch agiert, werden auch kei- ne Antworten in Bezug auf die Gründe die- ser „mixed results“ gegeben. Etwas mehr Licht in die Funktionsweise von Gold als vermeintlich sicheren Hafen werfen Darien Huang, der für die Cornell University forscht, und Mete Kilic von der University of Southern California. Die bei- den Wissenschaftler haben in ihrer 2015 entstandenen und kürzlich neu aufgelegten Arbeit „Gold, Platinum and Expected Stock Wenn alles fällt, bleibt Gold dann wirklich als Einziges stehen? Das ist eine weitläufig und gern geglaubte Annahme, die jedoch bei Weitem nicht immer stimmt. Zwar verliert Gold in Krisenzeiten tendenziell weniger an Wert als beispielsweise Aktien, dass Gold aber jedes Mal von Rezessionen profitiert, also an Wert gewinnt, ist ein Irrglaube. » Das höhere aggregierte Risiko führt zu starken Zinseffekten und lässt zinsfreie Assetklassen als relativ uninteressant erscheinen. « Darien Huang, MCornell University N o. 3/2019 | www.institutional-money.com 171 P R O D U K T E & S T R A T E G I E N : S CHWE RPUNK T GOLD I | S T RAT EG I E

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