Institutional Money, Ausgabe 1 | 2018

262 N o. 1/2018 | www.institutional-money.com P O R T R Ä T : MAURO MEGG I OL ARO W enn Mauro Meggiolaro bei einer Hauptver- sammlung auftaucht, kann das eine ganze Bandbreite an Reaktionen auslösen. Die einen rollen mit den Augen, die anderen machen sich über ihn lustig, wieder andere schreien ihn an. Das liegt an der Hauptbeschäftigung des umtrie- bigen Italieners: Er ist Board- room-Aktivist. Allerdings nicht für einen Hedgefonds, sondern für einen bislang eher unbekann- ten Vorreiter in Sachen nachhal- tiges und ethisches Investieren – der Investorenplattform „Share- holders for Change“ (SFC). Das Netzwerk, dem Meggiolaro als Koordinator vorsteht, wurde im Dezember 2017 ins Leben geru- fen und soll eine Art Task Force für Stiftungen, Pensionsversicherer oder Banken bilden, die ihre ESG-Prinzipien auf sich allein gestellt nicht ganz so effizient durchsetzen können, wie sie das gern wür- den. Über die Plattform werden Interessen gebündelt, Informationen ausgetauscht, und es soll auf Unternehmen Druck ausgeübt werden, nachhaltige Prinzipien in das eige- ne Geschäftsmodell zu implementieren. Das soll in vielen Fällen dort geschehen, wo es – auch medial gesehen – am wirkungsvolls- ten ist: auf den jeweiligen Hauptversamm- lungen. Entschlossenheit Die Plattform befindet sich noch in der Gründungsphase. Doch trotz des frühen Entwicklungsstadiums sollte man die Ent- schlossenheit der Organisation nicht unter- schätzen: Sie umfasst bereits jetzt sieben Mitglieder in vier Ländern (siehe Infokasten „Shareholders for Change“) und repräsen- tiert Assets im Volumen von 22 Milliarden Euro. „Das ist nicht nichts“, meint ein zu- friedener Meggiolaro. „Wir führen derzeit Gespräche mit weiteren potenziellen Mit- gliedern in der Schweiz und in Deutschland. Das würde unsere repräsentierten Assets auf 30 Milliarden steigern und unseren Hebel beim Durchsetzen nachhaltiger Prinzipien natürlich verstärken.“ Meggiolaro entspricht nicht unbedingt dem Klischee des institutionellen Investors. Beruflich pendelt er zwischen Mailand und Berlin hin und her. In der Bundeshauptstadt arbeitet er von seinem Home Office aus. Wir treffen ihn an einem klaren, aber eis- kalten Februartag in der Monti Caffè Bar – einem der Lokale, das den ehemaligen Bür- germeister der Stadt wohl zu dem Spruch „Arm, aber sexy“ verleitet hatte. Hätten wir von unserem Gegenüber Anzug und Kra- watte erwartet, wären wir enttäuscht wor- den. Meggiolaro bevorzugt ita- lienischen Chic mit Hang zum Understatement. Nicht zu unterschätzen Wer den SFC-Koordinator aufgrund seines legeren Auftre- tens unterschätzt, begeht wahr- scheinlich einen Fehler. Der stu- dierte Ökonom geht dem kon- fliktreichen Job eines Board- room-Aktivisten schon lange nach – lange bevor es diese Be- rufsbezeichnung in Europa überhaupt gab. Dabei hat er immer im Bereich ESG und SRI nachgehakt – auch das lange bevor die- se Begriffe in Europa gebräuchlich waren. Konkret war es das Jahr 2005, als Meggio- laro auf der Hauptversammlung des Kü- chengeräteherstellers Merloni auftauchte. Das Management des Unternehmens, das inzwischen zu Whirlpool gehört, war nicht ganz auf die Stoßrichtung seiner Fragen vorbereitet. Nachhaltigkeit im Unterneh- men? Welche Relevanz sollte das haben? Mauro Meggiolaro setzt sich auf Hauptversammlungen seit Jahren für die Durchsetzung nachhaltiger Geschäftsgebarungen ein. Als Koordinator der neuen institutionellen Plattform „Shareholders for Change“ wird er das 2018 europaweit tun – mit vielleicht bald 30 Milliarden Euro im Rücken. FOTO : © T I M F L AVOR „Ethik? Das Wort gefällt mir nicht“ Mauro Meggiolaro frei assoziierend zu … … Rendite: „Muss Sinn machen und sich an der Zukunft orientieren.“ … Hauptversammlung: „Der perfekte Ort, um die Kultur einer Firma kennenzulernen.“ … Ethik: „Ein großes Wort, das mir nicht besonders gefällt. Ist mir zu moralisierend.“ … Feigenblatt: „Wenn ich so etwas wittere, beginne ich zu recherchieren.“ … Waffen: „Das Schlimmste, das man sich vorstellen kann.“ … seinem liebsten Laster: „Wein. Italienischer.“ … Vorbildern: „Habe ich keine richtigen.“ … US-Investments: Die USA sind das Land mit der fortschrittlichsten Firmenkultur. Die Anleihen sind ein anderes Thema.“ » Und dann ist der CEO explodiert. « Mauro Meggiolaro, Koordinator der Investorenplattform Shareholders for Change, über seine Erlebnisse als aktivistischer Aktionär

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