Institutional Money, Ausgabe 4 | 2017

246 N o. 4/2017 | www.institutional-money.com P R O D U K T E & S T R A T E G I E N : DE POT A D ie für den Bankensektor zu- ständige oberste Aufseherin der EZB, Daniele Nouy, prophezeit den Banken eine Schrumpfkur. Auf einer Tagung am 27. September in Madrid erklärte sie, dass alle Geldinstitute „ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen“ sollten. Einige Finanz- institute würden aus diesem Prozess schlan- ker hervorgehen, andere dürften sich zu- sammenschließen. „Und andere wiederum könnten dennoch scheitern.“ Am Ende werde es einen „auf das rechte Maß zu- rechtgestutzten Bankensektor“ geben, der weiterhin verlässlich der Wirtschaft diene. Immer weniger Banken Tatsächlich sind Bankenfusionen an der Tagesordnung. „Im Jahr 2017 werden von der Fiducia & GAD voraussichtlich rund 60 Verschmelzungen von Volks- und Raiffeisenbanken technisch begleitet und unterstützt“, erklärt eine Sprecherin des Systemanbieters Fiducia & GAD IT AG. Das ist aber noch nicht das Ende der Fah- nenstange: „Für 2018 wird nach derzeiti- gem Stand eine ähnliche Größenordnung erwartet“, fährt sie fort. Im Sparkassensek- tor sieht es ähnlich aus, wobei die Einheiten dort im Schnitt größer sind. So gab es Ende 2016 nur noch 403 Spar- kassen und 970 Volks- und Raiffeisenban- ken, und per Ende 2017 werden auch diese Zahlen wieder niedriger sein. Insofern ha- ben die Regulatoren erreicht, was sie woll- ten: dass die hohe Zahl der Kreditinstitute in Deutschland sinkt und die Einheiten grö- ßer werden. Ob das den europäischen Ban- kensektor tatsächlich sicherer macht, ist eine andere Frage, die von vielen Control- lern der kleineren Kreditinstitute verneint wird. Immerhin musste keines der kleineren Institute nach der Finanzkrise 2007/2008 mit staatlichen Mitteln gerettet werden. EZB und Regulatoren haben sich nach der Finanzkrise darangemacht, den Banken- markt zu stabilisieren und der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Die EZB hat die Zinsen nach unten geschraubt, und der Bas- ler Ausschuss für Bankenaufsicht hat dem Bankensektor stabilitätsfördernde Regulie- rungsmaßnahmen gegeben. Warum erst jetzt? Während das niedrige Zinsniveau für Ver- sicherungsunternehmen und Pensionskassen schon lange für Kopfzerbrechen sorgt, ge- winnt die Problematik bei den Banken erst seit etwa zwei bis drei Jahren an Dynamik. Der Grund: Banken haben ihre Kredite über- wiegend über zehn, teilweise auch über mehr Jahre vergeben und verdienten daher mit ihrem Kreditbestand noch vergleichs- weise gut. Allerdings müssen Kredite, die jetzt auslaufen, zu den aktuell niedrigen Zin- sen erneuert werden. „Zum Glück sind wir vor rund 16 Jahren dazu übergegangen, auch 15-jährige Kredite zu vergeben. Daher liegt der durchschnittliche Zins, den wir verdie- nen, immer noch deutlich über dem Zins- satz, den wir unseren Kunden im Passiv- geschäft geben“, erklärt Carsten Goettel, Risiko-Controller der Volksbank Esslingen. „Das Risiko der Kündigung des Darlehens- vertrags durch den Kunden nach zehn Jah- ren haben wir über kündbare Festzinsemp- fänger-Swaps abgesichert.“ Depot-A-Management: Banken leiden später unter den niedrigen Zinsen als die Altersvorsorgeeinrichtungen. Nun suchen auch die Bank-Treasurer nach Lösungen. Zinsspanne im Zeitverlauf Die derzeitigen Ergebnisse der Banken werden noch in erheblichem Maße aus den Reserven gespeist. Dargestellt sind die Zinssätze von Banken für Wohnungsbaukredite und Sichteinlagen. Während die Zinskonditionen für Neugeschäfte von Wohnungsbaukrediten das Niedrigzinsniveau abbilden, liegt der Durchschnittszinssatz im Bestand noch um rund einen Prozentpunkt darüber. Dies wird sich aber in den nächsten Jahren ändern. Der Zinssatz des Bestan- des von Wohnbaukrediten wird sich den Neugeschäftskonditionen für Wohnbaukredite annähern. Quelle: Daten von der Bundesbank 0 % 1 % 2 % 3 % 4 % 5 % 6 % 7 % 8 % 2015 2014 2013 2018 2017 2020 2019 2016 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 n Wohnungsbaukredite mit Ursprungslaufzeit über 5 Jahre (Bestand) n Wohnungsbaukredite, anfängliche Zinsbindung über 5 bis 10 Jahre (Neugeschäft) n Einlagen, täglich fällig ? ? ? FOTO : © FOTOL I A | K AT EDE R R , V B E S S L I NGEN » Das Risiko der Darlehenskündigung haben wir über kündbare Festzins- empfänger-Swaps abgesichert. « Carsten Goettel, Risiko-Controller der Volksbank Esslingen Der Niedrigzins nagt sich durch

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