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Rothschilds erwägen zusätzlichen deutschen Standort

Rothschild & Co., im Besitz der gleichnamigen Bankiersfamilie, erwägt den Aufbau eines Wealth-Managements-Standorts in Hamburg. Es wäre der dritte in Deutschland nach Frankfurt und Düsseldorf. Im Blick hat das Unternehmen reiche Familien und Startup-Unternehmer.

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© pichetw / stock.adobe.com

"Wir denken über eine weitere Expansion in Deutschland nach. Besonders interessant ist dabei der norddeutsche Markt rund um Hamburg. In den vergangenen Monaten haben wir dort viele Gespräche, unter anderem mit potenziellen Kunden, geführt”, sagte Henrik Herr, der das Wealth Management von Rothschild & Co. in Deutschland leitet, in einem Interview mit Bloomberg. Auch München nannte der ehemalige Credit-Suisse-Banker eine interessante Option. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Hamburg oder München?
Rothschild & Co. ist nicht die erste Firma, die Hamburg als attraktiven Wealth-Management-Standort entdeckt. Eine Reihe von Anbietern hatte zuletzt neue Büros in der norddeutschen Millionenstadt aufgebaut, darunter die Helaba-Tochter Frankfurter Bankgesellschaft, oder bestehende Teams erweitert. Die Bankiersfamilie Rothschild, die beginnend im 18. Jahrhundert das gleichnamige Bankenimperium aufgebaut hatte, hatte dem Stammsitz Frankfurt 1901 den Rücken gekehrt und war erst 1989 mit einer Niederlassung zurückgekehrt.

Einstellungen
Das Wealth Management von Rothschild & Co. in Deutschland ist schon in den letzten Jahren stark gewachsen. Im vergangenen Jahr wurden netto acht neue Mitarbeiter eingestellt, im laufenden Jahr zwei weitere. Insgesamt sind es jetzt 50 Leute in Frankfurt und Düsseldorf. Und das soll noch nicht alles sein. “Bis Ende dieses Jahres wollen wir noch drei bis fünf weitere Leute an Bord holen. Die Zeichen steht klar auf Wachstum”, erklärte Herr. Allein im vergangenen Jahr habe es in Deutschland 1,5 Milliarden Euro an Netto-Zuflüssen gegeben. Wie viel Geld Rothschild & Co. hier insgesamt verwaltet, wollte er nicht sagen.

Auch andere Anbieter hatten zuletzt das Private Banking in Deutschland stark ausgebaut, darunter die DZ Bank, BNP Paribas SA und J.P. Morgan Chase. Die Margen stehen vielerorts unter Druck.

Steigende Kosten
Das zeigt auch eine Studie des Bankenberaters ZEB aus Münster zum deutschen Private-Banking-Markt, die 2021 veröffentlicht wurde. Obwohl in einer Stichprobe von zehn Private-Banking-Anbietern das verwaltete Vermögen von 2015 bis 2019 um jährlich zwölf Prozent gewachsen ist, konnten die Anbieter dieses Wachstum nicht zu Geld machen. Während die Erträge um 1,2 Prozent jährlich wuchsen, stiegen die Kosten um 3,3 Prozent - und entsprechend sanken die Gewinnmargen zwischen 2015 und 2019 von elf auf fünf  Basispunkte.

Startups lassen neue Vermögen entstehen
Herr sieht das gelassen. “Deutschland ist der weltweit viertgrößte Wealth-Management-Markt”, sagte er. Zu den Kunden des deutschen Wealth Managements zählen laut Herr große, vermögende Familien. Zudem würden sich viele Kontakte zu potenziellen Kunden aus dem dem Rothschild-Investmentbanking ergeben. “Auch in der Entstehung neuer Vermögen, beispielsweise im Bereich der Startups, sehen wir viele Chancen”, sagte Herr.

Viele in Privatmarktanlagen noch unterinvestiert 
Lücken hat er in den Portfolien vermögender Deutscher etwa im Bereich Private Equity und Private Debt ausgemacht. Hier seien viele unterinvestiert. Dabei bieten diese Asset-Klassen gute Rendite-Chancen, sagte er. Krypto-Währungen zählen Herr zufolge zwar nicht zu den Kernkompetenzen von Rothschild & Co. “Dennoch kommt die Frage danach in vielen Gesprächen mit unseren Kunden auf”, sagte er. “In solchen Fällen verweisen wir dann an Spezialisten für diese Anlagen.” (kb)

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