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Nagel will ‘robusten’ Zinsschritt der EZB und ab 2023 "Bilanzdiät"

Der Chef der Deutschen Bundesbank legte dieser Tage vor versammelter Presse seine Sicht der Dinge dar und bestätigt seinen Ruf als geldpolitischer Falke.

Dr. Joachim Nagel, Deutsche Bundesbank
Dr. Joachim Nagel, Deutsche Bundesbank
© Alex Kraus / Bloomberg News

Die Europäische Zentralbank wird laut Bundesbankpräsident Joachim Nagel im nächsten Monat eine weitere “robuste“ Zinserhöhung vornehmen. Gleichwohl sei es jetzt noch zu früh, sich auf den Umfang festzulegen.

Die vor der EZB-Ratssitzung am 14. und 15. Dezember anstehenden Inflationsdaten und die neuen Wirtschaftsprognosen bis 2025 werden ausschlaggebend dafür sein, ob eine dritte Zinserhöhung um 75 Basispunkte in Folge erforderlich ist, um die Rekordinflation in den Griff zu bekommen, oder ob ein Schritt von einem halben Punkt ausreicht, sagte Nagel vor Journalisten in Frankfurt.

In jedem Fall sollten die Anstrengungen der EZB in Bezug auf die Zinsen durch eine Verringerung der Anleihebestände, die sie während der jüngsten Krisen zur Konjunkturankurbelung aufgehäuft hat, ab Anfang nächsten Jahres ergänzt werden, sagte er laut einem Bloomberg-Bericht.

“Ich muss mir die Dezemberzahlen anschauen - es wäre zu voreilig, mich jetzt festzulegen, wie der nächste Zinsschritt ausfallen könnte”, so Nagel. “Wir sind robust vorangegangen und werden im Dezember noch einmal robust sein müssen, immer datenabhängig.”

Debatten über den genauen Umfang des nächsten Schritts der EZB seien zu diesem Zeitpunkt “nicht wirklich hilfreich”, sagte er und bezeichnete Schritte von 50 Basispunkten als ebenfalls “stark.”

Komplexe Situation
Nach der aggressivsten geldpolitischen Straffung in ihrer Geschichte - 200 Basispunkte in vier Monaten - tritt die EZB in eine neue Phase ein, die sich als komplexer erweist. Die Währungshüter müssen ihre Maßnahmen abwägen, da der Eurozone eine Rezession droht. Sie werden auch die Auswirkungen der jüngsten Atempause bei den Energiepreisen bewerten und sich mit der Reduzierung der Bilanzsumme der Notenbank befassen müssen.

Präsidentin Christine Lagarde hat bereits versprochen, dass die EZB dann die “wichtigsten Grundsätze” für die Rückführung ihres größten Anleiheprogramms, des APP, festlegen wird. Nagel sagte, er werde auf eine Entscheidung zum Beginn des Prozesses - bekannt als quantitative Straffung - Anfang nächsten Jahres drängen.

Es sei wichtig, “dass dieser Bilanzabbau in einer Art und Weise erfolgt, der für die Märkte einschätzbar ist”, sagte er. “Ich könnte mir vorstellen, dass man die Papiere, die im APP-Programm fällig werden, einfach nicht ersetzt. Aber die Diskussion werden wir in der Dezember-Sitzung führen. Im EZB-Rat gibt es da auch gute Unterstützung.”

Auf die Frage, ob die Geschwindigkeit von QT bei der Entscheidung über den Umfang kommender Zinserhöhungen zur Verhandlungsmasse werden könnte, sagte Nagel: “Für mich ist wichtig, dass der Bilanzabbau beginnt.”

EZB-Bilanz unter der Lupe

Hohe Inflation zwingt zu Zinserhöhungen
Zugleich wollte er sich nicht dazu äußern, wo die Zinssätze im derzeitigen Zyklus ihren Höhepunkt erreichen werden. Mit 10,6 Prozent sei die Inflation im Euroraum dafür zu weit vom Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank entfernt und der Ausblick zu unsicher, so Nagel.

Neue Projektionen von den Experten der Zentralbanken des Euroraums und der EZB dürften interessante Analysen liefern, obgleich die aktuellen Marktindikatoren bessere Anhaltspunkte bieten könnten, so Nagel.

Prognosen für “2025 muss man sicherlich mit Vorsicht genießen”, sagte er. “Was natürlich interessant ist in der Dezemberprognose ist das nächste Jahr und 2024 - vor allem wie die Abweichung zur Septemberprognose ausfällt. Das ist für mich das Entscheidende.”

Die Inflation in Deutschland wird nach Nagels Einschätzung in diesem Jahr im Durchschnitt bei über 8,5 und 2023 immer noch über 7,0 Prozent liegen. Während die Wirtschaft im nächsten Jahr wahrscheinlich eine “milde” Rezession durchlaufen wird, gebe es aus heutiger Sicht keine Anzeichen dafür, “dass es eine harte Landung werden wird.”

Die jüngsten Lohnabschlüsse “passen ins Bild” und geben keinen Anlass zur Sorge, dass eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt wird, sagte er.

Die Bundesbank werde zwar auf ihre Rückstellungen zurückgreifen müssen, um die Verluste im Zusammenhang mit dem Kurswechsel der EZB zu begrenzen, doch gebe es keine Anzeichen dafür, dass sie rekapitalisiert werden müsse, so Nagel. (aa)

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