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Morningstar schießt sich auf Rentenfondsmanager ein

Viele Manager von Euro-Bond-Fonds haben in den vergangenen acht Jahren offenbar unter einer gewissen ideologischen Verblendung gelitten, erklärt die Fondsratingagentur Morningstar. Das habe die Entwicklung negativ beeinflusst.

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Die Fonds-Ratingagentur Morningstar feuert eine Salve nach der anderen auf das traditionelle Renten-Management ab.
© alphaspirit / stock.adobe.com

Vor wenigen Wochen erklärte Morningstar in einer vielbeachteten Analyse, dass viele Anleihefonds schon allein unter Kostengesichtspunkten renditemäßig "geborene Versager" seien. Nun hat das Unternehmen nachgelegt und Ursachenforschung betrieben. Das Ergebnis: "Es spricht einiges dafür, dass viele Vermögensverwalter seit dem Jahr 2009 zudem schwere gedankliche Fehler gemacht haben – mit negativen Folgen für die Anleger-Performance", sagt Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah.

Aktiv verwaltete Rentenfonds haben in den vergangenen Jahren in großem Stil ihre Benchmarks verfehlt, heißt es in dem Bericht. Dafür gebe es verschiedene Gründe, sagt Masarwah. Da sei etwa das Problem, dass die Fonds an ihrem Index klebten und so de facto verkappte Indexfonds seien. "Sie müssen relativ hohe Transaktionskosten berappen, weil Bond-Indizes häufig neu berechnet werden", erklärt der Analyst.

Das Hauptproblem seien jedoch die Fondsmanager der Produkte selbst beziehungsweise die "Psychofallen", in die viele Bondprofis tappen. Ihre Fehleinschätzungen hätten dazu geführt, dass die von ihnen verwalteten Fonds derart unterirdisch abgeschnitten haben.

Behavioral Finance erklärt das Problem
Insbesondere zwei Fehleinschätzungen hätten zum schlechten Abschneiden vieler Bond-Fonds geführt: Erstens die Annahme, das typische Marktportfolios angesichts des Niedrigzinsumfelds erhöhte Durationsrisiken aufweisen, weshalb es unverantwortlich sei, eine marktkonforme Fonds-Duration zu fahren. Und zweitens die Einschätzung, dass Euro-Peripherie-Bonds überdurchschnittliche Risiken aufwiesen, solange die Eurokrise nicht nachhaltig gelöst sei – weshalb insbesondere lukrativere südeuropäische Schuldentitel untergewichtet oder erst gar nicht gekauft wurden.

"Never fight the ECB"
Vor allem sei die Rolle der EZB als "Anleihenstaubsauger" völlig fehleingeschätzt worden, mutmaßt Masarwah. Dabei hätten gerade die Kaufprogramme der Notenbanken nach 2009 eine neue Ära am Bond-Markt eingeläutet. Viele, vor allem deutsche Vermögensverwalter, hätten das zwar durchaus zur Kenntnis genommen und lautstark gegen diese "Marktmanipulation" polemisiert, erinnert sich der Morningstar-Fachmann. "Aber sie haben offenbar nicht zu Ende gedacht und die Folgen dieses massiven Eingriffs ignoriert."

Viele Manager seien zu der Überzeugung gelangt, dass die Rentenmärkte überbewertet seien. Zu dieser Schlussfolgerung könne man kommen, meint Masarwah. "Doch die Bewertungen basierten nicht auf einem irrationalen Überschwang fehlgeleiteter Investoren, sondern auf einer gezielten Strategie der Notenbanken, die in der Ultima Ratio der massiven Bond-Kaufprogramme einmündete. So lange die Zentralbanken ihre Bond-Kaufprogramme aufrechterhalten, gab es keinen Grund, aus dem Phänomen der tiefen Renditen einen baldigen Renditeanstieg abzuleiten." Dabei habe die EZB, vor allem unter der Führung von Mario Draghi, nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Anleihekäufe durchaus von Dauer sein dürften. "Dass sich viele Fondsmanager weigerten, das 'Oma-Blatt' auszuspielen, das ihnen die EZB austeilte und beleidigt den Spieltisch verließen, darf man rückblickend als schwerwiegenden anlagepolitischen Fehler bezeichnen – ein Fehler, der Anleger viel Performance gekostet hat", kritisiert Masarwah.

Die grundsätzlichen Zweifel an der Schuldentragfähigkeit der Euro-Südstaaten Italien, Spanien und Portugal dürften viele Fondsmanager obendrein in Richtung bonitätsstarker, aber renditearmer Bonds aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden oder Finnland getrieben haben.

"Ideologische Verblendung"
Man dürfe den Managern von Euro-Bond-Fonds, die nach dem Jahr 2010 prinzipiell nur auf solche Titel gesetzt haben, demnach durchaus eine gewisse ideologische Verblendung vorwerfen, findet Masarwah: "Sie haben mit Null-Spread-Nicht-Wetten den von ihnen verwalteten Fonds beziehungsweise ihren Anlegern ein Performance-Problem beschert. Sie hätten es besser wissen müssen." (fp/ps)

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