Das Fachmagazin für institutionelle Investoren

Geben Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich an der Website anzumelden:

Bringt ESG wirklich etwas? Kritische Fragen von unerwarteter Seite!

Ad

Drei Manger von NN Investment Partners stellen sich den schwierigen Fragen der nächsten Generation und geben unerwartete und persönliche Antworten zum Thema ESG und verantwortungsbewusster Geldanlage.

Anzeige
Advertisement
| Märkte
twitterlinkedInXING

EY-Analyse zur Nachhaltigkeitsberichterstattung: Trend weist nach oben

Der Anteil der österreichischen Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichten ist deutlich angestiegen, die gesetzliche Vorgaben wie das NaDiVeG (Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz) zeigen Wirkung.

rogl_georg_klein_quer.jpg
Georg Rogl, Leiter des Bereichs Climate Change and Sustainability Services bei EY Österreich
© EY

Mit Inkrafttreten des NaDiVeG müssen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die im öffentlichen Interesse stehen (sogenannte „Public Interest Entities“, PIEs) – das sind im Regelfall kapitalmarktorientierte Unternehmen, Unternehmen aus dem Finanz- und Versicherungssektor, sowie Unternehmen von erheblicher öffentlicher Bedeutung laut einzelnen Mitgliedstaaten – seit dem Geschäftsjahr 2017 über ihre Aktivitäten und Auswirkungen im ökologischen und sozialen Bereich berichten. Die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY hat in einer umfangreichen Analyse das  Nachhaltigkeitsreporting der wichtigsten Unternehmen Österreichs für  2017 – also nach dem Inkrafttreten des NaDiVeG – unter die Lupe genommen, um aktuelle Entwicklungen in der österreichischen und internationalen Nachhaltigkeitsberichterstattung abzubilden.

Gesetzliche Vorgaben treiben Nachhaltigkeitsberichterstattung voran 
Die Analyse zeigt, dass in Österreich 76 Unternehmen vom NaDiVeG betroffen sind. Bis zum Stichtag 22. November 2018 haben 70 Unternehmen (92 Prozent) die nichtfinanziellen Informationen (NFIs) veröffentlicht. Die restlichen sechs Gesellschaften haben sich entweder im Konzernlagebericht mit ausländischer Muttergesellschaft befreien lassen oder sind aufgrund eines abweichenden Wirtschaftsjahres noch nicht zur Veröffentlichung verpflichtet gewesen. Beim bevorzugten Berichtsformat zeigt sich ein klarer Trend: Die Hälfte der Unternehmen hat die nichtfinanziellen Informationen als eigenständigen Bericht außerhalb des Lageberichts veröffentlicht. Knapp 20 weitere Prozent veröffentlichten die Angaben ebenfalls außerhalb des Lageberichts, jedoch in einem gesonderten Teil des Geschäftsberichts. In der Regel werden die NFIs gleichzeitig im Geschäftsbericht bzw. vor der Hauptversammlung veröffentlicht.

Zusätzliches Entscheidungskriterium für Investoren 
„Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist nicht zuletzt durch das NaDiVeG zu einem wichtigen zusätzlichen Entscheidungskriterium für Investoren geworden. Während Finanzergebnisse oft nur eine Momentaufnahme sind, lassen nichtfinanzielle Kennzahlen langfristigere und ergänzende Rückschlüsse auf die Entwicklung eines Unternehmens zu“, so Georg Rogl, Leiter des Bereichs Climate Change and Sustainability Services bei EY Österreich. 
Rogl weiter: „Megatrends wie Globalisierung, Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit, Urbanisierung, Klimawandel, Energiewende, demographischer Wandel oder Migration betreffen alle Unternehmen und sind allesamt Nachhaltigkeitsthemen. Wer Investoren überzeugen möchte, braucht heute eine überzeugende Nachhaltigkeitsberichterstattung.“

GRI als Standard, aber Anteil extern geprüfter NFIs noch gering
Als gängigster Berichtsstandard wurden die Rahmenwerke der Global Reporting Initiative (GRI) herangezogen, diese werden in den Erläuterungen des Gesetzes auch als geeignet hervorgehoben. Die Hälfte der NaDiVeG-Unternehmen hat die GRI-Rahmenwerke als Standard gewählt. Bei NaDiVeG-pflichtigen Unternehmen ist der Anteil mit externer Prüfung mit 26 Prozent sehr gering. „Es besteht Aufholbedarf bei NaDiVeG-pflichtigen Unternehmen: Nicht nur im Vergleich zu österreichischen Top-Unternehmen ist der Anteil der extern geprüften NFIs gering. In unseren Nachbarländern ist der Anteil deutlich höher – in Deutschland unterziehen sich etwa knapp drei Viertel der Unternehmen einer externen Prüfung. In Italien ist eine Prüfung durch einen externen Auditor sogar gesetzlich verpflichtend“, so Rogl.

Unternehmen publizieren auch ohne gesetzliche Verpflichtung Nachhaltigkeitsbericht
Wie in den Vorjahren hat EY im Rahmen dieser Analyse die Nachhaltigkeitsberichterstattung von österreichischen Top-Unternehmen, Unternehmen des Prime Markets und öffentlichen Unternehmen untersucht. Von den 100 umsatzstärksten Unternehmen sowie fünf Top-Kreditinstituten und fünf Top-Versicherungen veröffentlichten für das Geschäftsjahr 2017 insgesamt 39 Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht. Dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozentpunkte gestiegen. 49 Prozent der erstellten Berichte österreichischer Top-Unternehmen, -Banken und -Versicherungen werden durch unabhängige Dritte nach international anerkannten Standards geprüft.

GRI G4 war gestern
Wie erwartet, ist bei Prime-Unternehmen mit dem Inkrafttreten des NaDiVeG die Nachhaltigkeitsberichterstattung gestiegen. 95 Prozent aller Prime-Market-Unternehmen unterliegen dem NaDiVeG und berichten über ihre Nachhaltigkeitsleistungen. Bei der Erstellung der Berichte lässt sich auch eine klare Tendenz zu den GRI-Standards und weg von GRI G4 ablesen. Fast jeder zweite Nachhaltigkeitsbericht wurde durch unabhängige Dritte nach international anerkannten Standards geprüft.

Öffentliche Unternehmen veröffentlichen weniger Nachhaltigkeitsberichte
Im Segment der öffentlichen Unternehmen zeigt sich hingegen erneut ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr: 2018 veröffentlichten von jenen 21 Unternehmen, die einen Umsatz von über 500 Millionen Euro aufweisen und zu mehr als 50 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand sind, sieben Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht, also nur mehr jeder Dritte. Im Vorjahr waren es 44 Prozent. Damit liegen öffentliche Unternehmen in Österreich fast gleichauf mit den Top-Unternehmen, -Banken und -Versicherungen. Alle veröffentlichten Berichte beruhen auf einem GRI-Rahmenwerk. Die Anzahl der Berichte, die extern geprüft wurden, hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert.

Nachhaltigkeitsberichterstattung zu den SDGs hat deutlich zugenommen
Im Rahmen der EY-Analyse wurde auch untersucht, in welchem Ausmaß österreichische Unternehmen die Sustainable Development Goals (SDGs), welche von den vereinten Nationen im Rahmen der „2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung“ definiert wurden, in ihre Berichte einbeziehen. Im Segment der Top-Unternehmen, -Banken und –Versicherungen hat sich die Anzahl der Unternehmen, die sich mit den SDGs näher befassen, mit 21 Unternehmen (54 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Auch bei den öffentlichen Unternehmen sind in fünf von sieben Berichten KPIs und Ziele mit den SDGs verknüpft. Bei Prime-Market Unternehmen befassen sich 14 von 36 (39 Prozent) Unternehmen mit den SDGs.
„Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Maßnahmen zum Klimaschutz und nachhaltiger Konsum sowie Produktion sind die Spitzenreiter unter den berichteten SDGs. Bei der Herangehensweise, wie die SDGs dargestellt und integriert werden, gibt es hingegen noch Aufholbedarf“, so Rogl.

Trend weist nach oben
Der aktuelle Trend hin zur Berichterstattung mit Verknüpfung der SDGs lässt vermuten, dass der Anteil der berichterstattenden Unternehmen in Österreich weiter steigen wird. Darüber hinaus kann erwartet werden, dass das Thema Klimaschutz aufgrund von Abkommen wie dem Pariser Klimaabkommen oder Nachhaltigkeitsrankings sowie der Berichterstattung zu klimabedingten Finanzrisiken noch relevanter wird. „Es weht ein frischer Wind in der Kommunikation von Nachhaltigkeitsberichten. Aufgrund des NaDiVeGs wird der Anteil der Prime-Unternehmen in Österreich mit Nachhaltigkeitsbericht in den kommenden Jahren konstant auf hohem Niveau bleiben. Es bleibt abzuwarten, ob sich weitere Unternehmen, die nicht dem NaDiVeG unterliegen, von dieser Entwicklung überzeugen lassen“, so Georg Rogl abschließend. (kb)

twitterlinkedInXING

News

 Schliessen

Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unserer Datenschutzerklärung zu. Mehr erfahren