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Europäische Banken: Intransparente Level-3-Aktiva machen Angst

​Acht Jahre nach der Finanzkrise halten Europas größte Investmentbanken illiquide Aktiva, die mehr als die Hälfte ihres gemeinsamen Eigenkapitals ausmachen. Das unterstreicht Sorgen mit Blick auf ihre Kapitalausstattung, vermeldet Bloomberg News.

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© Fotolia

Deutsche Bank, Credit Suisse und Barclays teilten mit, dass ihre am schwersten zu bewertenden Wertpapiere - auch bekannt als Level-3-Aktiva - mit Stand Ende Juni etwa 102,5 Milliarden US-Dollar wert sind. Dazu zählen Investments, die während der Finanzkrise traurige Berühmtheit erlangt hatten, etwa maßgeschneiderte Kredit-Derivate bis hin zu Anleihen, die mit Hypotheken unterlegt sind. 

Über 100 Milliarden US-Dollar an intransparenten Aktiva 

"Das Ausmaß der Level-3-Aktiva ist wesentlich, wenn es um die Kapitalausstattung der Banken geht", sagt Simon Chester, der bei American Century Investment Management in London 39 Milliarden US- Dollar in festverzinslichen Papieren managt. "Sollte es einen erheblichen Irrtum oder eine Fehlberechnung geben, bei der sie mit den Bewertungen falsch liegen, könnte das problematisch sein." 

Schleppender Abbau dieser Black Boxes

Zwar sind derartige Aktiva nicht die einzigen Probleme für Europas größte Investmentbanken, doch sie tragen zu bleibenden Bedenken zu ihrer Gesundheit bei. Die Finanzkonzerne zahlen noch immer Strafen und legen Klagen bei - oft für Fehlverhalten, das mit den Exzessen vor der Finanzkrise in Zusammenhang steht. Die Handelserträge sinken, während die negativen Zinsen die Kredit-Margen und Investment-Erträge belasten. Olaf Struckmeier, der bei der Union Investment 268,5 Milliarden Euro managt, sagte gegegenüber Bloomberg, er würde gerne mehr Fortschritte beim Abbau der kompliziertesten Wertpapiere und Derivate sehen. Es helfe nicht, wenn die Banken das weiter mit sich rumschleppen würden. 

Alle drei Investmentbanken unter Buchwert gehandelt

Das signalisiert, dass die Investoren ihre Zweifel daran haben, dass die Aktiva der Unternehmen so viel wert sind wie in den Bilanzen der Unternehmen ausgewiesen. Die europäischen Banken hinken ihren US-Konkurrenten beim Abbau riskanter Aktiva hinterher, um strengere Kapitalanforderungen zu erfüllen. Fortschritte haben ihren Preis. In der ersten Jahreshälfte hatten die Sparten, in denen zum Verkauf vorgesehenen Aktiva und damit auch einige Level-3-Bestände liegen, zusammen einen Vorsteuerverlust von 5,89 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Im selben Zeitraum erzielten die drei Banken insgesamt jedoch einen Vorsteuergewinn von 3,55 Milliarden US-Dollar. 

Banken unterteilen ihre Aktiva in drei Kategorien

Unter Level 1 fallen jene mit transparenten Preisen wie etwa Aktien. Level 2 ist für Aktiva vorgesehen, bei denen einige externe Daten verfügbar sind. Dazu zählen außerbörsliche (OTC-) Derivate wie Zins-Swaps. Level 3 umfasst die illiquidesten Aktiva. Banken bewerten diese mit eigenen Modellen, die auf historischen Daten und Risiko-Annahmen beruhen. Deutsche Bank, Credit Suisse und Barclays haben ihre Level-3-Bestände seit Ende 2008 im Durchschnitt um 62 Prozent reduziert. Zum Vergleich: Die fünf größten US-Investmentbanken (J.P. Morgan, Citigroup, Goldman Sachs, Bank of America und Morgan Stanley) senkten die entsprechenden Aktiva um 76 Prozent. Die Banken haben zuletzt ihre Bemühungen verstärkt, diese nicht gewollten Bestände loszuwerden. Credit Suisse beispielsweise verkaufte ein Portfolio an Kreditausfall-Versicherungen (Credit-Default Swaps), bestehend aus rund 54.000 Positionen, an Citigroup, wie zwei Informanten Bloomberg berichteten.  

US-Banken bauten diese Positionen schneller ab

Barclays hat eine "starke Pipeline an bekanntgegebenen Transaktionen", erklärte Finanzdirektor Tushar Morzaria vergangenen Monat. Die Deutsche Bank wickelte eine langlaufende strukturierte Transaktion im Juli ab und plant für dieses Jahr die Schließung der Sparte, in der nicht Nicht-Kern-Bestände liegen, wie Vorstandschef John Cryan sagte. 

Europas Banken fehlen Käufer für Level-3-Assets

Große Wertpapierhäuser werden immer einige Aktiva besitzen, deren Bewertung für Außenstehende unmöglich ist, und sie haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie damit richtig umgehen können, sagt Chester. Investoren könnten sich auch darauf verlassen, dass Aufseher bei Stresstests die Level-3-Aktiva genau unter die Lupe nehmen würden. Bank of America-CEO Brian Moynihan erklärte gegenüber Bloomberg TV, dass europäische Banken beim Abbau riskanter Assets langsam seien, weil es weniger Investoren-Nachfrage in der Region als in den USA gebe. Die europäischen Banken nähmen sich der Dinge in einem Tempo an, das langsamer sei, was Investoren kritisch beobachteten. Aber man müsse verstehen, dass das schwer sei, so Moynihan. (kb)

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