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Basler Pensionskassen halten an "böser" Nahrungsmittelspekulation fest (Kommentar)

Finanzen und Ethik sind nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen. Tugendterror linker Medien und entsprechender Proponenten sorgt dafür, dass viele Pensionskassen, Banken und Versicherer aus Investments in Rohstoffe,. speziell in Soft Commodities, ausgestiegen sind. Es gibt aber noch Mutige, die dem Zeitgeist trotzen.

"Nahrungsmittel-Spekulation: Pensionskassen der beiden Basel sehen kein Problem" titelte die Basler "Tages Woche" kürzlich. Die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen sei umstritten, heißt es da weiter, die Basler und Baselbieter Pensionskassen würden dennoch dennoch in Nahrungsmittel investieren, während andere Kantone darauf verzichteten.
 
Tugendterror allerorten
 
Tatsächlich gibt es ja in zirka drei Wochen eine Abstimmung über die umstrittene Spekulationsstop-Initiative. Immer wieder wird behauptet, die "Spekulation mit Nahrungsmitteln" führe dazu, dass die Lebensmittelpreise anstiegen und Menschen in der Dritten Welt deshalb Hunger leiden müssten. Dazu noch ein paar Bilder von Hungeropfern, und das Rennen ist gewonnen. Fest steht: Der Handel mit Agrar-Rohstoff-Derivaten ist heikel. So hat beispielsweise der AHV- und IV-Ausgleichsfonds 2015 alle Investitionen in Agrar-Rohstoffe gestrichen aus Gründen der "politischen Sensibilität", wie der Verwaltungsrat gegenüber der NZZ erklärt, berichtet die "Tages Woche" weiter. Auch die Pensionskasse des Bundes (Publica) sei Ende des letzten Jahrzehnts aus dem Geschäft mit Nahrungsmitteln ausgestiegen – jedoch aus "ökonomischen Überlegungen", wie die Mediensprecherin auf Anfrage mitteilte.
 
Basel teilt diese Bedenken nicht
 
Credit Suisse und J. Safra Sarasin äußerten sich kritisch zur Spekulation mit Nahrungsmitteln, ließen jedoch (noch?) keine Taten folgen, heißt es in dem Artikel weiter. Die beiden Banken zählen nach wie vor zu den größten Schweizer Playern, die in Agrar-Rohstoffe investieren. Das geht aus einer Studie hervor, die die SP in Auftrag gegeben hat.
 
In Basel-Stadt und Baselland teilt man die Sorgen nicht, die andere Institute haben. Beide kantonalen Pensionskassen investieren in Agrar-Rohstoffe: 25 Millionen Franken in Basel-Stadt. Im Verhältnis zum gesamten Anlagevermögen ist das wenig (0,24 Prozent). Dass sie nicht mehr investieren, hat wohl in erster Linie mit Renditeüberlegungen zu tun. Ethische Bedenken hat die Pensionskasse Basel-Stadt keine, wie aus ihrer Antwort hervorgeht.
 
Frage der subjektiven Wahrnehmung
 
Über die Basellandschaftliche Pensionskasse fließen 9 Millionen Franken in Agrar-Rohstoffe oder 0,1 Prozent des Gesamtanlagevermögens. Auch in Liestal zeigt man keine Bedenken. Die Pensionskasse vertraut auf die Ergebnisse eines Positionspapiers, das die Nahrungsmittelspekulation als unbedenklich einstuft. Roland Weiss von der Basellandschaftlichen Pensionskasse sagt, es sei vielmehr eine Frage der politischen beziehungsweise subjektiven Wahrnehmung. Außerdem würden die Investitionen in Rohstoffe periodisch neu beurteilt.
 
Nicht nur ökonomische, auch ethische Grundsätze
 
Die Frage – ethisch korrekt oder problematisch – beantworten andere kantonale Pensionskassen anders. So tätigt die Bernische Pensionskasse zum Beispiel keine Direktanlagen in Rohstoffe laut Anlagereglement. Der Vermögensverwalter sagt, es würden auch keine indirekten Investitionen in Nahrungsmittel fließen.
 
Vier Pensionskassen ohne Agrar-Rohstoffe
 
Neben Bern gibt es mindestens drei weitere kantonale Pensionskassen, die explizit nicht in Agrar-Rohstoffe investieren: Appenzell Innerrhoden, St. Gallen und Uri. Das geht aus den Detailergebnissen der SP-Studie hervor. Nicht alle Kantone haben auf die Anfrage geantwortet, die die Studienautorin verschickte.
 
Frage nicht abschließend geklärt
 
Die Frage, ob Nahrungsmittelspekulation die Hungersnot fördert, bleibt wissenschaftlich nicht abschließend beantwortet. In manchen Kantonen reicht das jedoch, um das Geschäft einzuschränken, in Basel und Baselland nicht. Hier endet der Beitrag in der "Tages Woche". So weit, so gut - und auch im Wesentlichen fair.
 
Die Schweiz ist anders, Gott sei Dank!
 
Gelebte Pluralität scheint es trotz linken Geschreis in der Schweiz also noch zu geben, während man in Deutschland und Österreich letztendlich unbewiesenen Behauptungen und medialem Durck nachgibt und einknickt. Argumentativ redet man sich den verdrießlichen Sachverhalt schön und argumentiert, der Diversifikationsbeitrag der Agrarrohstoffe sei gar nicht so hoch wie vermutet, außerdem befänden sie sich meist im Contango, wodurch man Rollverluste einfahre etc..
 
Wüste Ein- und Auslassungen der Gegner mit oft wenig Substanz und hoher Lautstärke
 
Dass der Maispreis vielleicht durch den gutmenschigen Biosprit gestiegen sein könnte, blenden verblendete Kritiker nur zu gerne aus. Dass Äpfel- und Zwiebelpreise ebenfalls stiegen, als sich die an den Terminbörsen gehandelten Rohstoffe verteuerten, ist Fakt. Hier kann aber wohl die "böse Spekulation" nicht Schuld getragen haben. Vielmehr ist es wohl so, dass Spekulanten für Liquidität an den Rohstoff-Terminbörsen sorgen und damit den Produzenten oft eine Absicherung der Preise ermöglichen. Zudem zahlen die sogenannten passiven Index-Spekulanten mit den Rollverlusten oft einen stolzen Preis für ihr Engagement.
 
Nachlesen hilft, sich eine objektive Meinung zu bilden
 
Wer sich noch ein mal ein unvoreingenommenes Bild zum Thema machen möchte, dem sei der Artikel "Rohstoffmärkte: Geschäfte mit dem Hunger?" zum Nachlesen empfohlen, der auf tiefschürfenden Analysen von Dimitri Speck basiert. Mehr ist zu Thema auch heute nicht zu sagen. (kb)
 
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