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AXA IM: Haben die Zentralbanken noch Pfeile im Köcher?

Wie es an der geldpolitische Front weitergehen könnte, beleuchtet Dr. Franz Wenzel von AXA Investment Managers. Für den Strategen hat zumindest die Fed ihr Pulver noch nicht verschossen. Weniger Spielraum hat die hingegen die EZB.

Dr. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers
Dr. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers
 

Die US-Notenbank Fed hat die Zinsen erneut gesenkt, Europa navigiert schon lange im Negativbereich. Die Fed hat noch Spielraum, aber vor allem die EZB muss bei einer weiteren Konjunkturabkühlung noch tiefer in ihre Werkzeugkiste greifen. Investoren sollten sich daher nach dem Motto „Never bet against the Fed“ nicht gegen die Zentralbanken stellen, empfiehlt Dr. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers, in einem „Institutional Money“ exklusiv für den deutschen und österreichischen Markt vorliegenden Kommentar: (aa)


„Der Weltwirtschaft werden schwierigere Zeiten prophezeit. Der Internationale Währungsfonds (IWF), OECD, Weltbank und Konjunkturforschungsinstitute passen ihre Prognosen reihum schrittweise nach unten an, von Deutschland bis China dürften die diesjährigen Wachstumszahlen enttäuschen. Die Gründe dafür sind vielfältig, sie reichen vom Brexit über den Handelskrieg zwischen den USA und China bis hin zu geopolitischen Spannungen und strukturellen Schwächen verschiedener Volkswirtschaften. Und weil viele Notenbanken in den letzten Jahren einerseits zum verlängerten Arm ihrer jeweiligen Regierungen und andererseits zum Heilbringer für Aktienanleger weltweit mutiert sind, befinden sie sich in den Schlagzeilen wie kaum zuvor.

Doch haben die Notenbanken überhaupt noch Spielraum, um einer weiteren konjunkturellen Abschwächung zu begegnen? Ja und Nein, denn es gibt tiefgreifende regionale Unterschiede, und die Notenbanken können nicht über einen Kamm geschert werden. Nach der erneuten Zinssenkung von 25 Basispunkten liegt der Leitzins in den USA nun in der Spanne von 1,75 bis 2 Prozent. Die Fed könnte die Zinsen also noch um 150 Basispunkte senken; dass die US-Notenbank die Geldmarktzinsen unter die Nulllinie führt, ist unwahrscheinlich. Ebenso könnte sich die Fed wieder für eine neue Runde quantitativer Lockerung entscheiden – dies in äquivalentem Umfang zu einer Zinssenkung von 150 Basispunkten, was einem Volumen von rund 1.000 Milliarden Dollar an Wertschriftenkäufen entsprechen würde. Sollte es nötig werden, könnte die Fed sogar in noch größerem Ausmaß aktiv werden.

Die US-Notenbank würde sich damit zwar der Grenze zur Staatsfinanzierung gefährlich nähern, aber die amerikanische Wirtschaftspolitik hat sich schon seit langem den Sinn fürs Pragmatische zu Eigen gemacht. Sollte mehr Liquidität notwendig werden, würde die Fed sich dem nicht verschließen. Im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) hat sie keine „Shareholderprobleme“ und unterliegt keinen technischen Restriktionen. Die US-Notenbank hat also noch verschiedene Pfeile im Köcher, und sie wird diese bei Bedarf auch zweifelsohne nutzen.  

Die EZB stößt an ihre Grenzen
Für Europas Währungshüter sieht die Situation anders aus. Die Geldpolitik der EZB zeigt nicht mehr die gewünschte Wirkung. Der Funke der Konjunkturstimulierung zündet nicht mehr, oder wie Keynes es beschrieben hat: „It‘s like pushing on a string.“ Die EZB, deren Führung Christine Lagarde im November von Mario Draghi übernimmt, hat Mitte September ihre Geldpolitik weiter gelockert und ihren Einlagezins erneut um zehn Basispunkte gesenkt, von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent. Mit der Verschärfung der Strafzinsen ging die Ankündigung eines ganzen Bündels an Stimuli einher, wie das neue Anleihekaufprogramm in der Höhe von 20 Milliarden Euro pro Monat – auf unabsehbare Zeit. Am Erfolg dieser Maßnahmen darf gezweifelt werden, zumal sich die EZB den selbstauferlegten technischen Hürden nähert, denn sie darf nur einen Drittel des ausstehenden Volumens an Staatsanleihen eines Landes aufkaufen.

Mit dem sogenannten „Tiering“ entlastet sie zudem die Banken. Sie könnte dort sicherlich noch einen Schritt weiter gehen und direkt Bankanleihen kaufen. Dass sich die EZB hin zu einer Wechselkurspolitik bewegt, darf angezweifelt werden, zumal sie damit ein „Race to the Bottom“ mit den USA lostreten würde, dessen Geister sie nur schwer wieder loswerden würde.

Trotz der konjunkturellen Eintrübungen tun institutionelle Investoren in diesem Umfeld gut daran, Sachwerte wie Aktien und Immobilien, die eine deutlich bessere Rendite versprechen als festverzinsliche Anlagen, zu bevorzugen. Denn die Rechnung sollte nie ohne den Wirt gemacht werden. Die Zentralbanken werden immer eine Möglichkeit finden, das ihnen zur Verfügung stehende Instrumentarium äußerst kreativ zu nutzen, um die Konjunktur und die Märkte stabil zu halten. Wenn nötig, werden sie auch ihre Statuten kreativ interpretieren. „Never bet against the Fed“ hat auch in Europa seine Richtigkeit.“

 

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