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3/2022 | Steuer & Recht
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Unerwünschte Nebenwirkungen

Asset Manager werden in Hinkunft nicht nur über ihre ESG-Erfolge berichten, spätestens ab 30. Dezember 2022 müssen sie gemäß Artikel 7 der SFDR auch über die nachteiligen ­Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Fonds informieren.

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Demnächst muss für Fonds auch über die Principle Adverse Impacts berichtet werden. Es geht um den Umgang mit nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren. Wurden die wichtigsten Auswirkungen in der Anlageentscheidung berücksichtigt? 

© Marcus Schlaf, Triodos IM, dusanpetkovic1 | stoc
Manchmal ist es unvermeidlich: Man bemüht sich darum, etwas Positives zu bewirken, macht aber im gleichen Atemzug etwas anderes kaputt. Genau über solche Effekte, nämlich über nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen, muss spätestens ab 30. Dezember 2022 auf Fondsebene berichtet werden. Das sieht Artikel 7 der EU-Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) vor.
 
Auffällig ist, dass es bisher überwiegend Artikel 6, 8 und 9 der EU-Offenlegungsverordnung ins Rampenlicht der Medien geschafft haben und Artikel 7 in dieser Reihe fehlt. Vermutlich liegt das daran, dass sich Fonds je nach ihrem Bemühen um ökologische oder soziale Ziele besonders klassifizieren können, seit die SFDR am 10. März 2021 in Kraft getreten ist. So lässt sich die Klassifizierung eines Fonds nach Artikel 8 oder 9 auch im Marketing positiv herausstellen. Das fehlende Element in dieser Reihe ist Artikel 7 der SFDR, aber am 30. Dezember 2022 kommt sein großer Tag.
 
Principal Adverse Impact – PAI
Ab diesem Tag müssen Unternehmen auch auf Fondsebene über ihre „Principal Adverse Impact“-Indikatoren (PAIs) berichten. Auf Unternehmensebene gilt diese ­Berichtspflicht bereits seit 30. Juni 2021, und zwar für Unternehmen, die Finanzprodukte in der EU vertreiben, ebenso wie für sonstige große Unternehmen (über 500 Mitarbeiter), die unter die nicht finanzielle ­Berichterstattung fallen. Sowohl in den Berichten als auch auf der Website müssen die Unternehmen folgende Informationen bereitstellen:
 
• Wie sie die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen von Anlageentscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen  inklusive einer Erklärung über die Sorgfaltspflichten in Bezug auf diese Auswirkungen. Dabei muss auch über Art und Umfang der Bemühungen berichtet werden.
 
• Wenn ein Unternehmen die nachteiligen Auswirkungen seiner Anlageentschei­dungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren nicht berücksichtigt, muss es klar begründen, warum es dies nicht tut.
 
Statt um die positiven Auswirkungen geht es bei den „Principal Adverse Impact“-Indikatoren also um die wesentlichen nachteiligen Auswirkungen, die Portfolioinvestments in Bezug auf die Nachhaltigkeit ­haben. Vergleichbar sind die Angaben mit dem Abschnitt über „Risiken und Nebenwirkungen“ in einer Medikamentenbeschreibung.
 
Dass man bislang relativ wenig über Artikel 7 liest und hört, heißt nicht, dass Asset Manager und ihre Portfoliounternehmen nicht bereits intensiv daran arbeiten, zumal auf Unternehmensebene bereits jetzt über die PAIs zu berichten ist. „Bei uns im Hause haben wir für unseren neuen Fonds KGAL ESPF 6 im Bereich Sustainable Infrastructure eine Scorecard-Modellierung aufgebaut. Dabei legen wir genau fest, wie wir unseren Impact messen und überwachen. Das gilt sowohl für unsere positiven ­Umwelteinflüsse, wo wir einen Impact ­erzielen wollen, als auch für unsere negativen Einflüsse, die es ebenfalls gibt“, erklärt Thomas Engelmann, Head of Energy Transition beim Real-Asset-Spezialisten KGAL Investment Management in Grünwald bei München.
 
Stewardship-Struktur
Beim KGAL ESPF 6 geht es schwerpunktmäßig um die Erzeugung von grünem Wasserstoff. „Dieser Fonds trägt mit seinen Investments zur Dekarbonisierung bei, deshalb haben wir ihn als Artikel-9-konformen Fonds klassifiziert“, erklärt Engelmann. „Mit unserem Fondsthema grüner Wasserstoff sind wir sehr nah an der EU-Taxonomie dran, was die Sache erleichtert“, ist er froh. „Wäre das nicht der Fall, wenn wir beispielsweise ein anderes, auch nachhaltiges Ziel verfolgen würden, das aber bisher noch nicht explizit in der Taxonomie aufgeführt ist, wären die Nachweise gegenüber dem Wirtschaftsprüfer und der Aufsicht wahrscheinlich deutlich aufwendiger.“
 
Aber auch so ist der Berichtsaufwand nicht zu unterschätzen. Um den Status eines Artikel-9-Fonds zu erhalten, sind ab der Berichtssaison 2023 sowohl die positiven als auch die nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen offenzu­legen. Engelmann gibt ein Beispiel: „Wenn wir einen Solarpark betreiben, hilft das auf jeden Fall dem Ziel der CO2-Reduktion. Wenn für die Errichtung des Solarfeldes aber ein Wald ­abgeholzt, die dort lebenden Menschen umgesiedelt und ein Brunnen hätte ­trockengelegt werden müssen, wären diese negativen Effekte neuerdings ebenfalls zu messen. Wir müssten da­rüber berichten und die Thematik in den Investmententscheidungsprozess mit einbeziehen.“ 
 
18 Standard-PAIs
Beides zusammen muss hinterlegt und laufend überwacht werden, und ein Wirtschaftsprüfer muss das Jahr für Jahr prüfen. „Da möchte man nicht in der Haut eines Wirtschaftsprüfers stecken, der muss für solche Betrachtungen ja etwas rausgehen aus seinem normalen Kompetenzrahmen“, bemerkt Engelmann. Vom Regulator gebe es dazu ein sogenanntes Pre-Conctractual Disclosure Template. „Das wurde offiziell im März 2022 verabschiedet, aber es gab verschiedene Rückfragen von Interessen­verbänden. Offiziell wird das Template erst im Januar 2023 scharfgeschaltet, und für unsere Nachhaltigkeitsprodukte müssen wir es der BaFin ausgefüllt zur Verfügung stellen“, so Engelmann. Ein Zertifikat, dass der Fonds Artikel-9-konform ist, gibt es dann aber nicht, bedauert er. „Bei der Einreichung des Fonds ist der BaFin das ausgefüllte Template zu übermitteln. Jahr für Jahr ist dem Wirtschaftsprüfer anschließend darzulegen, wie wir die positiven Beiträge und die PAIs gemessen haben und gegebenenfalls auf negative Veränderungen reagieren.“
 
Im Berichtswesen sind dann Planabweichungen darzulegen, sodass die Artikel-9-Konformität des Fonds laufend nachgewiesen werden kann. „Um an diese Daten zu kommen, müssen Sie als Asset Manager ein entsprechend automatisiertes System auf­gebaut haben. Ansonsten kann Ihnen im Worst Case der Wirtschaftsprüfer die Artikel-9-Konformität aberkennen“, warnt er. Es versteht sich, dass alle Anbieter darauf achten, dass das nicht passiert. „Damit ­würden Sie sich als Asset Manager den Ruf ruinieren“, so Engelmann.
 
In den Level-2-Maßnahmen der SFDR wurde eine Liste von 18 Standard-PAIs definiert, die von einem Investment ausgehen können. „Davon betreffen 14 PAIs Unternehmensinvestments, und je zwei gelten für Investitionen in staatsnahe Emittenten (etwa bei Staatsanleihen, Kommunalobligationen oder Anleihen staatlicher Unternehmen) und Immobilien“, schreibt Fidelity International in einer Erklärung über die SFDR. 
 
Die Balance sollte stimmen
In welchem Verhältnis die positiven und negativen Auswirkungen eines Fonds mindestens stehen müssen, dafür gibt es keine Regelung. Aktuell geht es lediglich um die Messung und das Reporten des Impacts. „Die eine oder andere negative Auswirkung unseres Fonds wird sich nicht vermeiden lassen; das akzeptiert auch die Aufsicht“, meint Engelmann, „aber wir müssen uns mit den negativen Auswirkungen beschäf­tigen, sie messen, und darüber berichten.“ Das sei durchaus eine Herausforderung, weil diese Art der Betrachtung eben neu und die Anzahl der Datenfelder hoch sei.
 
Eine gewisse Balance muss allerdings auch heute schon eingehalten werden, sodass nicht die negativen Auswirkungen die positiven übersteigen. Welches Verhältnis aber gerade noch akzeptiert wird, ist nicht klar definiert und vermutlich auch ein ­„Moving Target“. Schließlich werden sowohl die technische Entwicklung bei der Gewinnung und beim Transport grüner Energie als auch die Messtechniken für Faktoren, die derzeit noch schwer zu messen sind, voranschreiten.
 
Als einer der Pioniere nachhaltigen Investierens setzt sich auch Triodos Investment Management mit den PAIs auseinander. Auch dort sieht man, dass die SFDR gewisse Belastungen mit sich bringt. „Viele nachhaltige Asset Manager sind relativ klein. Für sie stellen die Reporting-Anforderungen eine hohe Belastung dar. Gerechter wäre es, wenn Mainstream-Investoren ­genauso reporten müssten wie nachhaltige Investoren. Dann hätten wir ein Level ­Playing Field“, meint Nikkie Pelzer, Impact ­Managerin bei Triodos Investment Management in Utrecht. Sie führt ins Feld, dass es nachhaltige Asset Manager gibt, die ihre Fonds nur deswegen niedriger klassifiziert haben, weil sie nicht die Ressourcen hatten, um die hohen Reporting-­Anforderungen für die höhere Klassifizierung zu erfüllen. „Meiner Meinung nach sollte es neben der grünen Taxonomie auch eine braune Taxonomie ­geben, und es sollten auch alle Artikel-6-Fonds über ihre Principal Adverse Impacts reporten. Erst dann könnte man als Anleger eine wohlüberlegte Entscheidung auf Basis vollständiger Trans­parenz treffen“, findet Nikkie Pelzer.
 
Noch sei die Datenlage zu den PAIs schwierig, unter anderem weil die Unternehmen die Daten noch nicht selbst melden müssten. „Manchmal ist es eine Herausforderung, welche Daten für Projektfinan­zierungen, Anleihen und Kleinunternehmer beziehungsweise Unternehmen außerhalb der EU zu nutzen sind“, sagt Pelzer. Ein Projekt ist kein Unternehmen, und oft sind mehrere Partner involviert. Es erfordere Zeit, qualitativ hochwertige Daten zu ent­wickeln und bereitzustellen. „Es gibt feste Vorlagen für die Berichterstattung, aber die Interpretation der Auswirkungen wird vor­erst noch subjektiv sein. Beispielsweise lässt das Gesetz offen, was ein sogenannter erheblicher Schaden ist“, sagt Pelzer.
 
Trotzdem ist sie froh über die Nachhaltigkeitsregulierung: „Positiv ist daran insbesondere, dass die Finanzbranche insgesamt mehr Anstrengungen unternehmen muss, um die Transparenz in diesem Bereich zu erhöhen. Das verhindert Greenwashing und fördert das Angebot nachhaltiger Anlageprodukte.“
 
Herausforderung Immobilien
Auch ihre Kollegin Melanie Linke von Commerz Real kann der Sache trotz des ­hohen Aufwands etwas Positives abgewinnen. Linke verantwortet dort seit Juli 2021 die Nachhaltigkeitsthemen im Bereich Real Estate und war vorher bei Volkswagen ­Immobilien beschäftigt, wo sie den ersten Green Bond einer deutschen Immobilien­gesellschaft und des Volkswagen-Konzerns begleitete. Sie erklärt, dass die Betrachtung der Nachhaltigkeitskriterien dazu führt, dass man seine Assets und seine Geschäftspartner am Ende besser kennt. „Nach der Analyse wissen wir beispielsweise, was in zwölf Jahren mit dem Windrad, das wir im Portfolio haben, passiert. Kann es ertüchtigt werden? Ist es recycelbar? Muss es teuer entsorgt werden? Das sind wichtige Risikothemen“, so Linke.
 
Commerz Real hat für Privatanleger mit dem HausInvest einen Artikel-8-Fonds und mit dem Klimavest einen Artikel-9-Fonds im Angebot und verwaltet zudem mehrere Fonds und Mandate in den Bereichen Immobilien und erneuerbare Energien. „Beim Hausinvest haben wir uns entschieden, die höchste Anforderungsstufe an ökologisch nachhaltige Investitionen zu erfüllen und ­eine Mindestquote von fünf Prozent nach EU-Taxonomie vorzuhalten. Solche Investitionen müssen a) einen signifikanten Beitrag zu einem der sechs Umweltziele der EU-Taxonomie leisten, b) die „Do no significant harm“-Regel erfüllen und c) die Mindeststandards auf sozialer und auf Governance-Ebene erreichen.“ 
 
Für Immobilien hat Commerz Real den Betrachtungszeitraum aufgrund der langen Lebensdauer von Gebäuden ausgeweitet. „Wir schauen mindestens, welches Potenzial eine Immobilie bis 2050 hat“, so Linke. Jeder Bestand, den man ertüchtigen könne, sollte einem Neubau vorgezogen werden. „Ein großer Teil der Emissionen einer ­Immobilie entsteht beim Bau. Auch wenn neue Immobilien später im Betrieb sehr energieeffizient sind, wird durch die Neubauten zunächst einmal viel CO2 freigesetzt.“
 
Anke Dembowski

Anhang:

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