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Institutional Money Kongress 2019

26. und 27. Februar 2019
Congress Center, Frankfurt
Ludwig-Erhard-Anlage 1

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Ex-UK-Premier: Diese Entwicklungen müssen Institutionelle antizipieren

Der ehemalige Premierminister und Finanzminister Großbritanniens, Gordon Brown, eröffnete den 12. Institutional Money Kongress 2019 mit einer rhetorisch brillant vorgetragenen Tour d`Horizon über jene geo- und wirtschaftspolitischen Faktoren, die Investoren unbedingt auf der Rechnung haben müssen.

Gordon Brown am 12. Institutional Money Kongress 2019
Gordon Brown zeigte am 12. Institutional Money Kongress 2019 im Frankfurter Congress Center vor dicht besetzten Reihen sein rhetorisches Talent und zog die Zuhörer in seinen Bann.
 
© Christoph Hemmerich

„Ich bin froh, ein paar Tage außerhalb Großbritanniens und hier am Institutional Money Kongress in Frankfurt sein zu können“, erklärte Gordon Brown anlässlich der Eröffnungsrede des ersten Kongresstages vor dem Hintergrund, dass Großbritannien aus politischer Sicht bis zur Klärung der endgültigen Brexit-Bedingungen derzeit eine unruhige Phase durchlebt. In seinem Vortrag „Europa, Brexit und die Zukunft der globalen Wirtschaft“, präsentierte der Starreferent seine Einsichten und Erwartungen an das Jahr 2019 und darüber hinaus.

Für Brown stehe, unabhängig wie das Brexit-Dilemma schlussendlich ausgeht, ein lange Phase der Unsicherheit bevor. Der Brexit sei seiner Ansicht nach nur der erste Akt eines längeren Dramas, dem noch viele, weitere Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU folgen würden.

Angesichts des derzeitigen politischen Dilemmas in Europa stellte der ehemalige Schatzkanzler die Frage in den Raum, woran es wohl liegen könnte, warum zehn Jahre nach der großen Finanzkrise so viele Unsicherheiten und Risiken bestünden.

Populismus statt seriöse Politik
Das zeigt beispielweise in den USA, wo sich Republikaner und Demokraten unversöhnlich wie schon lange nicht mehr gegenüber stehen. Aber auch in Europa, wo die saturierte, politische Mitte durch neue, dynamische Bewegungen am linken und rechten Rand des politischen Meinungsspektrums an Bedeutung verliert. Das werde sich in den kommenden Monaten erneut zeigen, wenn das europäische Volk bei der Europawahl seinen Unmut über die derzeitige Politik äußert. „Der alte Konsens im Europa-Parlament könnte im Mai 2019 enden“, erklärte Brown angesichts drohender Stimmverluste der großen, europäischen Volksparteien aus dem bürgerlichen und sozialdemokratischen Lager.

Der Referent äußerte Kritik an den langen Entscheidungswegen innerhalb der EU. Er erinnerte daran, dass kurz nach der Finanzkrise 2008 die USA, China, aber auch das damals von ihm regierte Großbritannien, zügig und entschlossen auf die Krise reagierten und diese in Folge rasch meisterten. Die EU hingegen verlor wertvolle Zeit, da die unterschiedlichen Länder keine Kompromisse fanden und rutschte mangels entschlossenem Vorgehen ein paar Jahre später in die europäische Staatsschuldenkrise, die noch bis heute nachwirkt – Stichwort Italien.

Neue Medien, neue Risiken
Kritik äußerte der brillante Redner auch an den Eliten, die den Aufstieg der der sozialen Medien lange Zeit unterschätzten. Bürger nutzen diese Kommunikationskanäle, um ihren Unmut zu äußern und erachten dies als eine Form der „direkten“ Demokratie. Dabei vergessen die Bürger, dass die westlichen Demokratien „repräsentative“ Demokratien seien, in denen Politiker mit entsprechender Expertise und moralischer Integrität die für das Volk „besten“ Entscheidungen zu treffen haben. Durch die neuen Medien würden nun aber populistische Politiker stärker Gehör finden, die aber keine mittel- bis langfristigen Lösungen zum Wohle des Volkes zu bieten hätten, wie das wohl unüberlegte und voreilige Ausstiegsvotum Großbritanniens aus der EU zeigt.

Brown forderte die Politiker auf, sich volksnaher zu zeigen und mehr den direkten Diskurs mit seinem Souverän, dem Bürger, zu suchen. Aber auch Bürger müssten mehr in den Diskurs treten und mit guten Argumenten punkten, statt mit unsachlicher und populistischer Kritik den Weg für Populisten zu ebnen.

Aufstieg der Schwellenländer
Aber nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft ändert sich vieles. Der Aufstieg Asiens und anderer Schwellenländer lässt den Westen an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung verlieren. „Der Großteil der zukünftigen Wirtschaftsleistung erfolgt zukünftig außerhalb des Westens“, erklärte Brown anhand einer langfristigen BIP-Prognose, die er dem Publikum zeigte. „Das ist eine massive Veränderung.“

Auch wenn China seinen Wohlstand zum Teil auch dem Diebstahl geistigen Eigentums des Westens verdankt, sei dessen Aufstieg sehr ernst zu nehmen. Aber auch andere Länder Asiens oder Südamerikas entrinnen der Armut. Es entsteht eine neue globale Mittelschicht mit entsprechenden Konsumbedürfnissen. „Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wird die Mittelschicht größer als die Unterschicht sein. Der Motor zukünftigen Wachstums ist der Aufstieg der Mittelschicht“, erklärte Brown. „Das verschafft Investoren Opportunitäten“. Zu den Gewinnerbranchen zählt Brown Tourismus, Bau oder Konsum.

Der Aufstieg Chinas ist für Europa Chance und Risiko zugleich. Denn zukünftig könnte gelten: „Eine Welt – zwei Systeme“. Darunter versteht Brown den Gegensatz westliche Demokratien versus autoritär geführte Markwirtschaften. Europa ist damit im Zwiespalt: Einerseits fühlt man sich den westlichen Idealen wie Freiheit und Menschenrechten verpflichtet und ist damit der logische Bündnispartner der USA. Auf der anderen Seite führen gerade die wirtschaftsfeindliche Politik Trumps und die geografischen Voraussetzungen „Eurasiens“ dazu, dass Europa mit dem Osten mehr Geschäfte machen möchte und sollte.

Brown betonte die Bedeutung des freien Welthandels, um mehr Wohlstand zu generieren: „Unternehmen brauchen offene, globale Märkte, um von neuen Opportunitäten zu profitieren.“ Daher sei es extrem wichtig, dass alle Länder miteinander sprechen und kooperieren, um einen Rückfall in düstere, Vergangene Zeiten wie beispielsweise die 1930er-Jahre zu vermeiden. „Protektionismus und Populismus müssen der Vergangenheit angehören“, forderte Brown am Ende seines vielbeachteten, da sehr gut besuchten Vortrages. (aa)

 

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