Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Christoph Hemmerich INTERVIEW Marcel Lähn und Heinz-Werner Rapp 92 3/2026 | institutional-money.com ten über Aktienoptionen anders bilanziert wurden. Das grundlegende KI-Narrativ ist unbestreitbar real und riesig, aber was die Kapitalmärkte imMoment darausmachen, istmeinesErachtens eineNummer zugroß. Wie wirkt sich dieses Risiko auf Ihre Fixed-Income-Positionierung aus? MARCELLÄHN: GenaudasisteinGrund, warum wir auf der Rentenseite aktuell defensiv und untergewichtet sind. Diese Zirkulargeschäfte bedeuten, dass wir plötz- lich eine neue Sorte von Emittenten sehen: Unternehmen, die bislang vor allem durch hohe eigene Cashflows aufgefallen sind, treten nun selbst als Kapitalnehmer auf, umihreInvestitionenzufinanzieren.Dasist amMarkt noch längst nicht überall reflek- tiert. Solangedas starkeGewinnwachstum, das wir aktuell weiterhin sehen, die hohen Bewertungen stützt, geht dieses Spiel gut. Aber sobald die heute noch weitgehend kostenfreien KI-Modelle irgendwann bepreist werden und sich klärt, wer sich am Ende tatsächlich durchsetzt, rechne ichmit einer deutlicheren Korrektur. Deshalb rea- lisieren wir hier lieber frühzeitig Gewinne, als exakt denHöhepunkt treffen zuwollen. IstdieSorgevoreiner „entlaufenen“KI eine reale Gefahr oder eher ein Marke- tingtrick der Anbieter, um das eigene Produkt spannender zu machen? MARCEL LÄHN: Für mich ist das eine realeGefahr,keinMarketinggag.Wennsich eine künstliche Intelligenz tatsächlich wie einklassischerDatendiebverhält, nur eben ohne jedemoralische Schranke, die einem Menschenvielleichtnoch innewohnt, dann sehe ich darin eine echte Gefährdung für die gesamte Sicherheitsarchitektur, gerade auf derCybersecurity-Seite.Hinzukommt etwas, das mich noch mehr beschäftigt: Wenn wir uns anschauen, was künstliche Intelligenz heute imAssetManagement an Performance erzeugen kann, bleibt regel- mäßig ein Teil davon nicht erklärbar. Die Maschine erzielt Ergebnisse auf eineWeise, die mit unserem menschlichen Denken nicht mehr nachzuvollziehen ist. Es zeigt, dass da einnicht erklärbarerRest bleibt,mit demwir uns auseinandersetzen müssen. Wie ernst ist die Gefahr, dass KI dem menschlichenVersteheneinfachenteilt? HEINZ-WERNER RAPP: Das muss man jedenTageinStückernsternehmen,weil sich KIaktuellgeradezuexponentiellweiterentwi- ckelt ineinerForm, diees sovorhernicht gab. ErinnernSiesichanAlphaGo,dasvoreinigen Jahren denweltbestenGo-Spieler geschlagen hat mit einemZug, demberühmtenZug37, denselbstdiebestenmenschlichenProfispieler zunächst nicht nachvollziehen konnten. Das zeigt, dass eine KI in bestimmten Bereichen bereitsklügerseinkannalsderMensch.Heute erleben wir zusätzlich Fälle, in denen KI-Sys- teme aus kontrollierten Laborumgebungen ausgebrochen sind und ins offene Internet gelangten oder in denen eine KI einenMen- schen dazu gebracht hat, für sie zu handeln, weil sie selbst keine Identifikation vorweisen konnte. Ich kenne eine Aussage aus einem hochrangigenBeratergremium,dasRegierun- genzuKI-Risikenberät:Vonzehnmöglichen MARCEL LÄHN Marcel Lähn ist promovierter Volkswirt und seit Mai 2022 Mitglied des Vorstands der Feri AG in Bad Homburg, wo er als Chief Investment Officer (CIO) Investmentstrategie, Asset Allocation, Investmentprozess sowie -research und -management verantwortet. Zum 1. Juli 2026 übernahmerzusätzlichdenVorstandsvorsitz(CEO) undführtbeideFunktionenseitherinPersonalunion. Seine Laufbahn begann er als Strategieberater bei RolandBerger.DanachwechselteerzurBHF-BANK, wo er als CIO und Generalbevollmächtigter das Private Banking geleitet hat. Es folgte eine Station als Managing Director und Chief Operating Officer bei BDT & Company International LLP in Frankfurt, bevor er 2022 zu Feri kam. Als CIO prägt er das aktive Multi-Asset-Management der Gruppe und richtet Strategien konsequent auf geopolitische Risiken, Deglobalisierung und eine strukturell höhere Inflation aus.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=