Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Christoph Hemmerich INTERVIEW Marcel Lähn und Heinz-Werner Rapp 86 3/2026 | institutional-money.com ERWARTUNGSMANAGEMENT und blinde Flecken: Das sind zwei wesentliche Aspekte, die aus Sicht vonMarcel Lähn, seit KurzemCEOundCIOderFeriAGinPerso- nalunion,undHeinz-WernerRapp,Gründer von Feris Cognitive Finance Institute, den Umbruch an den Kapitalmärkten prägen. ImGespräch geht es unter anderemum die DominanzChinasundderKIineinermulti­ polaren Weltordnung, um Grönland, die Arktis und Taiwan als unterschätzte Krisen- herdesowieumdieGrenzezwischenliquide und illiquide bei Private Markets und nicht zuletztumdieFrage,obeineaußerKontrolle geratene künstliche Intelligenz nicht längst reale Gefahr statt Marketingversprechen ist. HerrDr.Lähn,SiesindseitKurzemCEO und CIO der Feri AG in Personalunion. Was muss man sich unter dem Stich- wort „Feri 3.0“ vorstellen? MARCEL LÄHN: Feri wurde 1987 nach einem Börsencrash in Bad Homburg gegründet, der Name stand ursprünglich für Financial Economic Research Inter- national. Der Auftrag war von Anfang an klar: Vermögen schützen und dabei trotz- dem eine marktführende, risikoadjustierte Performance erzielen, orientiert an großen US-amerikanischen Stiftungen und Univer- sitäten.AusdemreinenResearchhauswurde ein Multi-Family-Office, daraus entwickelte sich Feri 1.0 mit Fokus auf die Manager­ selektion, späterFeri 2.0mit kostengünstiger Beta-Replikationüber ETFs und einemakti- ven flankierenden Satellitenansatz. Bei Feri 3.0 stellt sich die Frage, ob dieser Instru- mentenbaukasten noch ausreicht. Wenn ein Emerging-Markets-ETF plötzlich zu 25 Prozent aus drei Einzelwerten besteht, wird Diversifikationschwierig.Deshalbrückenwir dieEinzeltitelselektionstärkerindenVorder- grund.Seitunserer2023entwickeltenVision „Strategie2030“ruhtunserGeschäftsmodell auf zwei Säulen, dem Asset Management undder Beratung fürUnternehmerfamilien ebenso wie für institutionelle Kunden mit demAnspruch, erste Adresse für große Ver- mögen zu sein. KönnenSiedasmitZahlenunterlegen? MARCEL LÄHN: Gern. Wir verwalten aktuellüber68MilliardenEuroAssetsunder ManagementinderGruppe.Davonentfallen mehr als 18 Milliarden auf den alternativen Bereich, rund zehn Milliarden auf Private Markets, die übrigen acht Milliarden auf Hedgefonds, Volatilitätsstrategien und wei- tere nicht traditionelle Anlagen. Unsere Multi-Asset-Philosophiebildenwirüberneun Anlageklassen ab: die traditionellen Aktien und Renten, dazu Private Markets, Hedge- fonds, Volatilität als eigene Klasse, Rohstoffe undEdelmetalle,Immobilienund–seiteini- gen Jahren – auchDigital Assets, die wir für unsere Kunden investierbar machen. Herr Dr. Rapp, warum braucht ein gut aufgestellterAssetManagerüberhaupt einen eigenen Thinktank? Wie kam es zur Gründung des Cognitive Finance Institute? HEINZ-WERNERRAPP: Dashat vielmit meiner eigenen früheren Rolle als CIO der FeriAGzu tun. Ichbin seit über 30 Jahren in der Branche und immer wieder auf dasselbe Problem gestoßen. Das Research, das man täglichbekommt,istanentscheidendenStel- len zu kurz gedacht. Es konzentriert sich auf dienächstensechsMonate,aufZinsentschei- dungen,Wachstum,Unternehmensgewinne. Die großen Trends aber, die wirkliche Para- digmenwechsel auslösen können, liegen in der Breite, im Big Picture aus Gesellschaft, Politik,UmweltundTechnologie.DerName „CognitiveFinanceInstitute“verweistdarauf, wiemenschlicheGehirneInformationenver- arbeiten und dabei systematisch bestimmte Dinge unterschätzen oder ausblenden; wir nennen das Blind Spots. Quantencomputer etwa konnte vor drei Jahren kaum jemand seriöseinordnen.NachzehnJahrenInstituts- arbeit könnenwir heute sagen: Der Proof of Concept ist erbracht, jetzt gehen wir in eine Art Erntephase über, auch mit stärkerer KI-Unterstützung. Geraten Institut und Asset Manage- mentdabeinichtregelmäßiganeinander, wenn der lange Blick anders urteilt als das Tagesgeschäft? HEINZ-WERNER RAPP: Ich kenne die- senscheinbarenKonfliktsehrgutausmeiner aktivenZeit als CIO.Man holt auf der einen Seite einThema aus demInstitut heraus und mussimselbenMomententscheiden,obman schondarininvestiertoderesnocheineWeile liegenlässt,weileszufrühist.AmEndeistdas aberwirklichnur ein theoretischerKonflikt. EsgehtumJudgement,darum,dieDingeauf derZeitachserichtigabzuschichtenundstän- digeinzuschätzen,inwelcherPhasemansich gerade bewegt. Marcel Lähn versteht dieses Timing sehr genau. MARCEL LÄHN: Darin liegt im Grunde unsereDNA. EingutesBeispiel dafür ist eine frühe Studie zur Blockchain-Technologie. Nachdem wir zu dem Schluss gekommen waren, dass sie nachhaltig Bestand haben wird, waren wir vermutlich einer der ersten Vermögensverwalter,derDigitalAssetsaktiv in die Vermögensverwaltung integriert hat, ohne selbst Wallet-Lösungen anzubieten. Ähnlich verhält es sich bei unserer These zu einer langfristigen Dollarschwäche. Wenn wirüberzeugtsind,dassderDollarseineLeit- währungsfunktionperspektivischverliert,hat das direkte Konsequenzen etwa für zehn- bis 14-jährige Private-Markets-Investments, die überwiegend dollarbasiert sind. Oder nehmenSieunsereStudiezugrünemWasser- stoff.Kaumwarsiepubliziert,standenBerater und Kunden da und fragten, wo sie das im Portfoliofinden. Genaudort beginnt unsere Übersetzungsarbeit. Unsere Prognosegüte liegt typischerweise 18bis 30Monate voraus, und mein Job ist dann das Erwartungsma- nagementzurBeantwortungderFrage:Istein Thema schon liquide investierbar, odermüs- senwir erst das richtige Instrument finden? Viele Häuser sprechen inzwischen von einer neuen Regimewelt. Wie bringen Sie das für institutionelle Investoren auf den Punkt? » Das sogenannte Unknown Unknown, also das, was selbst die fortschrittlichste künstliche Intelligenz heute noch nicht erklären kann, lässt sich derzeit nicht automatisieren. « Marcel Lähn, CEO und CIO Feri AG

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