Institutional Money, Ausgabe 3/2026
INTERVIEW Anja Mikus | KENFO 54 3/2026 | institutional-money.com WiehatsichdieSAAseitderGründung verändert – und warum? ANJA MIKUS: Unsere Aktienquote haben wir zugunsten von Zinsprodukten ein wenig reduziert. Es gibt inzwischen wieder höhere Renditen als noch vor fünf Jahren. Aber die Änderungen erfolgen nur in kleinen Schritten und bisher nie abrupt. Eher so, dass die neue SAA in einzelnen Assetklassen 0,5 oder 1,0 Pro zent mehr oder weniger hat, also nichts Dramatisches. Hat Ihnen das Kuratorium etwas zur Anlagestrategie insBuchgeschrieben? ANJA MIKUS: Das Kuratorium hat einen strategischen Anlagerahmen verab schiedet, der weit gefasst ist. Demnach können wir bis zu 50 Prozent in Aktien gehen, und der Anleihenanteil soll sich zwischen zehn und 60 Prozent bewegen. Illiquide Assets dürfen bis zu 30 Prozent des Portfolios ausmachen. Innerhalb die ses Rahmens können wir uns aber frei bewegen und eigenständig Entscheidun gen treffen – eine wichtige Voraussetzung für unseren bisherigen Erfolg. KI wird auch eingesetzt? ANJA MIKUS: Ja, wir verwenden KI in vielenBereichen, zumBeispiel inderMana gerselektion. Dort gibt es umfangreiche Fragebögen, in denen es unter anderem um operationelle und Reputationsrisiken, Performance und Volatilität geht. Bei der Auswertung setzen wir in großen Teilen KI ein. Auch bei der Risikostreuung nutzen wir KI. Das war zuletzt bei High- Momentum-WerteneinThema,weil deren Gewichtung inwichtigen Indizes immens gestiegen ist. Wie sieht die aktuelle SAA 2026 aus inklusiveZielquotenundBandbreiten? ANJA MIKUS: Die Zielquote für Aktien beträgt 31,5 Prozent. Aktuell liegen wir mit gut 40 Prozent etwas darüber, da wir derzeit noch das illiquide Portfolio aufbauen; dort sind noch nicht alle Kapi talzusagen abgerufen worden. Anleihen haben wir aktuell etwa 39,4 Prozent; die Zielquote liegt bei rund 38,5 Prozent. Nach Rendite und Risiko zur Nachhaltigkeit: Welches Nachhaltig- keitskonzeptverfolgtderKENFO–und wie hat es sich weiterentwickelt? ANJA MIKUS: Nach unserer Gründung 2017 haben wir ziemlich bald einen Nachhaltigkeitsansatz entwickelt. Er unter scheidet sich für die Anlagesegmente Private und Public Markets und orientiert sich an international anerkannten ESG-Normen und Standards. Weil wir ein breit diversifi ziertes Portfolio haben und keinen Sektor per se ausschließenwollen, verfolgenwir für Aktien und Unternehmensanleihen einen Best-in-Class-Ansatz: Wir schauen in jedem Sektor, wer nach ESG-Kriterien zu den Bes ten gehört, und schließen die schlechtesten 25Prozent aus. Daneben verfolgenwir einen Best-in-Transition-Ansatz, umUnternehmen zu berücksichtigen, die einen positiven Ent wicklungspfad beschreiten. Atomkraft ist bei uns schon vor demHintergrund unserer Historie ein Ausschlusskriterium. Außer dem engagieren wir uns in internationalen Zusammenschlüssenwie etwa der Net-Zero Asset Owner Alliance der UN. Haben nicht einige Capital Owner bereits ihre Mitgliedschaft in der Net-Zero-Owner-Allianceaufgegeben? ANJA MIKUS: Die NZAOA hat im Ver gleich zu anderenNet-Zero-Initiativen eine relativ stabile Mitgliedschaft. Es gab bisher nur wenige Austritte. Begründet wurde der Rückzug unter anderem mit rechtli chenUnsicherheiten. Aus Deutschland sind aber etwa die Allianz, die Bayerische Versor gungskammer und die R+V Versicherung weiterhin dabei. Große US-Investoren wie zum Beispiel CalPERS, der größte öffentli che Pensionsfonds in den USA, sind auch noch dabei. Insgesamt sind 85 Asset Owner mit Assets under Management von 9,2 Bil lionen US-Dollar Mitglied der Net-Zero Asset Owner Alliance. DerNachhaltigkeitsbegriffhat jaeinige Änderungen durchlaufen. Wie hat sich der KENFO zu diesen Änderungen gestellt? ANJA MIKUS: Die Einordnung von Atomkraft und bestimmten Gaskraftwer ken als nachhaltig haben wir nicht mitgemacht. Atomkraft ist bei uns ohnehin ein Ausschlusskriterium. Bei Rüstungs unternehmen unterscheiden wir sehr klar: Waffen sind für uns nicht nachhaltig, aber DATEN UND FAKTEN KENFO: Gründung: 2017 Stiftungsvermögen 2017: 23,8 Mrd. Euro (24,1 Mrd. Euro einschließlich Auszahlungen) Stiftungsvermögen 2025: 25,6 Mrd. Euro (30,9 Mrd. Euro einschließlich Auszahlungen) Summe der Auszahlungen 2017 bis 2025: 5,3 Mrd. Euro
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