Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Tim Flavor INTERVIEW Anja Mikus | KENFO 46 3/2026 | institutional-money.com Anja Mikus hat mit dem KENFO gezeigt, dass auch Deutschland Staatsfonds kann. Ursprünglich zur Finanzierung der Atom- müllentsorgung geschaffen, könnte das staatliche Vehikel bei der Implementierung einer möglichen Kapitalrente eingesetzt werden. Institutional Money traf sich mit der Parade-Managerin und erhielt einen profunden Einblick in die Funktionsweise, Historie und Zukunft des Fonds. Frau Mikus, beginnen wir amAnfang – können Sie uns einen Einblick in die Gründung des KENFO geben? ANJA MIKUS: Mit der Gründung des KENFO 2017 hat die damalige Bundes- regierung Neuland beschritten. Er wurde ins Leben gerufen, um eine langfristige Verpflichtung des Bundes kapitalgedeckt sicherzustellen. Dabei handelt es sich um die Finanzierung der Zwischen- und Endla- gerung radioaktiver Abfälle inDeutschland. Die Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) empfahl damals, eine öffentlich-recht- liche Stiftung mit Investmentkompetenz zu errichten. Wichtig dabei war auch, dass ein staatlicher Stiftungsmantel vor allem gegenüber „sachfremden Begehrlichkeiten“ deutlichbesser schützt als ein staatliches Son- dervermögen. Mitglieder der Kommission warenunter anderemJürgenTrittin, Ole von Beust undMatthias Platzek. An der eigentli- chen Gründung des KENFOwaren sowohl das Wirtschaftsministerium, das Finanzmi- nisterium und das Umweltministerium als auch Bundestagsabgeordnete beteiligt. Wann hat der KENFO dann de facto mit der Kapitalanlage begonnen, und welches Anfangsvolumen stand zur Verfügung? ANJA MIKUS: Die Gründung des KENFO war erst möglich, nachdem die Genehmigung aus Brüssel im Bundeswirt- schaftsministerium eingetroffen war. So wurden meine Vorstandskollegen und ich am 19. Juni 2017 ernannt, und danach konnten wir mit den ersten Aufbauarbei- ten beginnen und Verträge abschließen. Zunächst galt es, bei der Deutschen Bun- desbank Konten zu eröffnen, denn schon am 3. Juli 2017 haben die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke das Kapital in Höhe von 24,1Milliarden Euro überwiesen. Wir waren ein Start-upmit über 24Milliar- den Euro in Cash. Es galt zunächst einmal, die Voraussetzungen für ordnungsgemäße Geschäftsprozesse einer so großen Kapital­ anlage zu schaffen. Wir haben bei null angefangen: Das heißt, esmusstenMitarbei- tende mit Portfolioerfahrung gefunden werden, und wir brauchten vor allem juris- tische Unterstützung, um die rechtlichen Anforderungen an eine öffentlich-rechtli- che Institution zu erfüllen. Es ist gelungen, ein hochmotiviertes und sehr kompetentes Teamaufzubauen. Die Erstanlage von zirka zehn Prozent wurde über die Vermögens- verwaltung der Bundesbank in Anleihen umgesetzt. Wie empfanden Sie das Marktumfeld beim Start? ANJA MIKUS: Die Marktbedingungen waren besonders schwierig, da wir in einem Negativzinsumfeld gestartet sind, und um weltweit in Aktien und Anleihen zu investieren, mussten wir erst Ausschrei- bungen für eine Master-KVG und eine Verwahrstelle sowie die Auswahl von Asset Managern für rund 20 Teilsegmente durchführen. Das alleinwar eine komplexe Aufgabe. Dennoch wäre es aus Risiko- überlegungen nicht sinnvoll gewesen, das gesamte Kapital von 24,1 Milliarden Euro in kürzester Zeit zu investieren. Auf stille Reserven konnte man anfangs ja noch nicht zurückgreifen. Damit war eine zeitli- che Streuung unverzichtbar. Erschwerend kam hinzu, dass von Anfang an jährliche Auszahlungen in dreistelliger Millionen- höhe geleistet werden mussten. Deshalb haben wir einen Aufbauplan erstellt, der bis ins Jahr 2019 für Aktien und Anlei- hen mit allen Subassetklassen reichte. Wir haben die Anlagen anteilig mit allen liqui- den Assetklassen systematisch Schritt für Schritt durchgeführt. Ende 2018 kam es aufgrund von Handelskonflikten mit China zu einem Markteinbruch. Genau in dieser Phase hat sich bewährt, dass wir nicht alles auf eine Karte gesetzt haben. Der Kapitalstock zeigte sich robust und konnte sich problemlos weiterentwickeln. Mit nicht -börsennotierten Anlagen wie Private Equity, Infrastruktur, Private Debt und Immobilien wurde 2019 begonnen. Sie haben mit rund 20 Teilsegmenten angefangen. Wie sieht das jetzt aus, und welche Rollenverteilung gibt es zwischen aktiv und passiv? ANJA MIKUS: Heute sind es deutlich mehr als zu Beginn. Allein durch den Ausbau der Private Markets und die zunehmende Spezialisierung einzelner Anlagesegmente ist die Zahl der Man- date spürbar gewachsen. Dabei verfolgen wir keinen ideologischen Ansatz nach dem Motto „Aktiv oder passiv“, sondern schauen, wo wir für unser Mandat den bes- ten Nutzen erwarten. In sehr effizienten Märkten setzen wir teilweise kostengüns- tige passive Strategien ein. In Bereichen, in denen spezialisierte Expertise einen Mehrwert schaffen kann, arbeiten wir mit aktiven Managern. Insgesamt überwiegen bei uns die aktiven Mandate. Aber auch bei den passiven Mandaten haben wir natürlich ein Auge auf die Manager und Anlagen, überwachen und steuern Risiko und Performance. » Wir waren ein Start-up mit über 24 Milliarden Euro in Cash. Es galt zunächst einmal, die Voraussetzungen für ordnungsgemäße Geschäftsprozesse einer so großen Kapitalanlage zu schaffen. Wir haben bei null angefangen. « Anja Mikus, Vorstandsvorsitzende und Chief Investment Officer des KENFO

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