Institutional Money, Ausgabe 3/2026
144 3/2026 | institutional-money.com INTERVIEW Jeffrey Dissmann und Tilo Kraus Kosten-Nutzen-Rechnung. Es gibt Berei- che wie Infrastruktur, in die wir viel Zeit investieren, und anderewie globaleAktien, wo wir bewusst auf zusätzlichen Zeitauf- wand verzichten. Die Priorität liegt klar bei der Cashflow-Sicherung für die nächsten drei Jahre und dem langfristigen Aufbau von Puffern gegen Langlebigkeit und Infla- tion. Ein Prozent Alpha würde Mehrwert bringen, das nehmen auch wir jederzeit gern mit. Aber man muss schauen, wo es sinnvoller ist, Zeit zu investieren – in die Cashflow-Steuerung oder in eine langfris- tige attraktive Rendite. Wie stellen Sie in der Kapitalanlage sicher, dass Diversifikation nicht nur auf dem Papier existiert, etwa wenn verschiedene Anlageklassen letztlich am selben Risikotreiber hängen? TILOKRAUS: AnlegerdenkenoftinBoxen wiePrivateEquity,Aktien,Unternehmensan- leihen und so weiter. Doch am Ende kann eben in all diesen Boxen derselbe Risikotrei- ber stecken. Bin ich etwa in Private Equity investiert und gleichzeitig in Unterneh- mensanleihen desselben Sektors, ist das eine Scheinsicherheit, weil ich nur vermeintlich diversifiziert bin. Deshalb gehen wir intern zunehmend dazu über, die Welt zuerst in Industrien und Sektoren aufzuteilen – Real Estate, Infrastrukturundsoweiter–underst danach zu entscheiden, ob wir über Equity oder Debt investieren. Das größte Thema in der Neuanlage ist für mich, dass eine neue Kapitalanlage möglichst wenig korreliert zu dem ist, was bereits imPortfolio existiert. Die zehnjährige Nachhaftung nach § 133 Umwandlungsgesetz bleibt bestehen.Wie kommunizierenSie das gegenüberUnternehmen, die sicheine vollständige Enthaftung erhoffen? TILO KRAUS: Ökonomisch bezieht sich die Nachhaftung nur auf die ersten zehn Pensionszahlungen,nichtaufzehnKalender- jahre.Nach einemJahr sind es entsprechend nur noch neun verbleibende Zahlungen und damit neun Jahre Haftung. Bei einem 50-jährigen Pensionsplan ist das Vermögen vonAnfangangegenüber diesemHaftungs- risiko stark übersichert. Schließlich muss Kapital für 50 Jahre Zahlungen vorhanden sein, während dieNachhaftung sich nur auf die ersten zehn Jahre erstreckt. Die Diskus- sion verlagert sich dannmeist von der Frage „Wie werde ich die Nachhaftung los?“ hin zu „Welche laufenden Informationen, etwa überdenWertvonFondsvermögenundPen- sionsverpflichtung, bekomme ich während der Haftungsperiode?“. Große Konzerne lehnen Pension Buy- outs noch bewusst ab und verweisen auf verbleibende juristische Risiken sowie die emotionale Bindung zu den eigenen Rentnern. Was entgegnen Sie? TILO KRAUS: Bei sehr großen Pensions- vermögen mit vielen tausend Mitarbeitern in Deutschland ist die Ausgangslage natur- gemäß anders als bei kleineren Volumina ohne deutsche Belegschaft. Wir haben aber durchaus Transaktionen mit Verkäufern umgesetzt, die, wären sie in Deutschland ansässig, DAX-Niveau hätten. Das Feed- back von Großunternehmen reduziert sich mittlerweile weniger auf Rechts- oder Governance-Fragen, sondern vor allem auf die Frage, wieman das gegenüber Rentnern undBetriebsratkommuniziert.Inetablierte- renMärktenwieGroßbritannienistdasnicht anders.DeutscheUnternehmenakzeptieren solcheTransaktionendortbereits,inDeutsch- land braucht es dafür noch etwas Zeit. Im Insolvenzfall einer Rentnergesell- schaft haftet letztlich der PSVaG. Wird aus einem Einzelrisiko nicht ein kollektives Risiko, das der Markt zu wenig diskutiert? TILO KRAUS: Man muss differenzieren: Eine solidefinanzierte, diversifizierte, liqui- ditätsgeplanteundgovernanceseitig sauber aufgesetzte Rentnergesellschaft kann eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit haben als ein Industrieunternehmen, da die Pensionsverbindlichkeiten mit einem diversifiziertenAnlageportfoliobelegt sind und nicht wie bei bilanziell abgedeckten Pensionsverbindlichkeiten ein idiosynkra- tisches Risiko haben. Was sollten Unternehmen konkret prüfen, bevor sie sich für einenAnbie- ter entscheiden? JEFFREY DISSMANN: Jedes einzelne Investment beziehungsweise jeder Mana- germuss eine entsprechendeDueDiligence durchlaufen, sowohl was die Investment- VEDRA UND MARSH – DIE PARTNERSCHAFT IN ZAHLEN 10 Jahre operative Erfahrung in Deutschland mit 12 Transaktionen und mehr als 5.000 Begünstigten Global 16,2 Billionen USD Assets under Advisory Validiert durch Banken und staatliche Partner Robustes ALM durch die Kombination beider Partner Eigenkapitalinvestment für eine klare Interessenharmonisierung
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