Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Fotos: © Saibarakova Ilona / Adobe Stock, NBIM, François Daburon 14 3/2026 | institutional-money.com NACHRICHTEN & NAMEN Der weltweitgrößte Staatsfonds ist in der Branche nicht nur bei­ spielhaft, was seine langfristig ausgerichtete,mutigeAnlagestra­ tegie mit hohen Aktienquoten anbelangt, sondern nunmehr auch, was die Steuerung der Erwartungshaltung seiner Stake­ holder betrifft. Dafür sorgte vor kurzem Nicolai Tangen, CEO von Norges Bank Investment Management, der das Manage­ ment des 2,3BillionenUS-Dollar schweren Fonds verantwortet. Tangen, der 2020 die Führung des Fonds übernahm, warnte die norwegische Öffentlichkeit, dass der Fonds „irgendwann“ von einem Einbruch getrof­ fen oder im schlimmsten Fall sogar vollständig verschwinden werde. „Das Management von Erwartungen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit – und genau das tun wir jetzt“, betonte er. Tangen hat zunehmend Sorgen, dass unter anderem zirkuläre Finanzierungen eine KI-Blase aufblähen könnten. „Es erhöht das Risiko im System, wenn etwas schiefgeht.“ Laut Schätzungen von Norges Bank IM könnte ein Platzen der KI-Blase den weltgrößten Staats­ fonds potenziell 35 Prozent seines Werts kosten. Falls zusätz­ lich geopolitische Risiken oder neue Handelskriege inklusive Zölle schlagend werden, könn­ ten die Kursverluste noch höher ausfallen. Das liegt auch an den mittlerweilehohen Indexgewich­ tungen der in den letzten Jahren sehr stark gestiegenen Aktien aus dem Technologiesektor. In der Folgemachen die zehn größ­ tenBeteiligungen fast 25Prozent des Fondsvermögens aus. Tan­ gen warnt: „Wir haben noch nie ein solches Konzentrationsrisiko gesehen.“ Zu den Topaktienwer­ ten im Fondsportfolio per Ende erstes Halbjahr 2026 gehörten unter anderem Nvidia, Apple, Alphabet,Microsoft oderTSMC. Deren Kurszuwächse trugen dazu bei, dass der Staatsfonds im erstenHalbjahr eineRendite von 9,4 Prozent erzielte. Der norwegische Staatsfonds hält rund 1,5 Prozent aller bör­ sennotierten Aktien der Welt überwiegend im Direktbestand undorientiert sichaneinemvom norwegischen Finanzministe­ riumfestgelegtenReferenzindex. Damit sind größere Abweichun­ gen bei der Allokation oder die Schaffung höherer Cashquoten zur Reduzierung von Draw­ downs im Fall von größeren Marktkorrekturenbegrenzt.Was Tangen jedoch als Anlageprofi tun kann, ist, die Stakeholder, bestehend aus Politik und der norwegischen Bevölkerung, auf möglicherweise zukünftig schlechtere Börsenzeiten vorzu­ bereitenundderenErwartungen bezüglichder generiertenRendi­ ten zu reduzieren. Tungens Warnung wurde kurz darauf untermauert von einer Analyse der Europäischen Wertpapier- undMarktaufsichts­ behörde ESMA. Diese sieht eine zunehmende Diskrepanz zwischen einem sich verschlech­ ternden makrofinanziellen Umfeld und optimistischen Marktbewertungen, die das Risiko plötzlicher Kurskorrek­ turen erhöht. INFO: nbim.no Massive Verluste befürchtet NORWEGISCHER STAATSFONDS Verena Ross, ESMA: „Der Optimismus der Anleger stützt weiterhin hohe Bewertungen, obwohl die geopolitischen Spannungen zunehmen und sich dieWirtschafts- aussichten verschlechtern. Nicolai Tangen, Norges Bank Investment Management: „Das Management von Erwartungen ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit – und genau das tun wir jetzt.“

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