Institutional Money, Ausgabe 3/2026

Foto: © Swisscanto PRODUKTE & STRATEGIEN Longevity 126 3/2026 | institutional-money.com „HUNDE, WOLLT IHR ewig leben?“, soll Friedrich der Große seinen flüchtenden Sol- daten einmal nachgerufen haben. Damals wie heute lautete die Antwort wahrschein- lich: „Ewig nicht, abermöglichst lang.“ Und nachdem wir das erste Viertel des 21. Jahr- hunderts hinter uns gebracht haben, gibt es für das Streben nach einem möglichst langen Leben einen schönen englischen Begriff: Longevity. Der Terminus umfasst natürlich nicht nur denWunsch nach einer höheren Lebensspanne, er steht auch für die Frage, wie sich eine Gesellschaft verändert, in der immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen – und wie lange diese Men- schen gesund, selbstständig, konsumfähig und produktiv bleiben. Swisscanto spricht deshalb bewusst von „Healthy Longevity“: Nicht die bloße Verlängerung des Lebens steht im Vordergrund, sondern die Ver- längerung der gesunden Lebensspanne. Damit wird aus einem rein demografischen Thema ein ökonomisches, das weit vor dem Pensionsalter beginnt. Die Größenordnung des mit Longevity verbundenen Geschäftsfelds ist jedenfalls beachtlich. Nach den von Swisscanto auf Basis von UN-Daten zusammengetragenen Zahlen lebten 2020 weltweit rund 737 Mil- lionen Menschen im Alter von mindestens 65 Jahren. Bis 2050 sollen es knapp 1,6 Mil- liarden sein. Besonders stark fällt der Anstieg in China aus, wo deren Zahl von 178 auf 389 Millionen wachsen soll, und in Indien, wo sie sich von 93 auf 250 Millionen bei- nahe verdreifacht. Selbst inder Europäischen Union, deren Bevölkerungswachstum weit weniger dynamisch ist, steigt die Zahl der über 65-Jährigen den Projektionen zufolge von 93 auf 129Millionen. Umfassendes Geschäftsfeld Für Clément Maclou, Lead PortfolioMana- ger des Swisscanto Equity Fund Sustainable Healthy Longevity, beginnt das Thema deshalb deutlich früher als bei Pflegehei- men und Medikation im hohen Alter. Swisscanto baut es auf drei Säulen auf: die Alterung der Bevölkerung, intensi- vere Prävention und Diagnostik sowie ein gesünderer Lebensstil. Wie groß der Umsatz dieses Universums werden kann, hat UBS zu beziffern ver- sucht. Das Global Wealth Management der Schweizer Großbank zählt Longevity zu seinen Transformational Innovation Opportunities und schätzt allein dasMarkt- potenzial des globalen Gesundheitssektors bis 2030 auf 2,2 Billionen US-Dollar. Bei GLP-1-Medikamenten gegen Stoffwechsel­ erkrankungen könnten die jährlichen Umsätze nach UBS-Schätzung schon bald 200 Milliarden US-Dollar erreichen. Nimmt man jene Branchen hinzu, die von den veränderten Konsum- und Lebens- gewohnheiten einer älteren Bevölkerung profitieren – von Ernährung und Kosme- tik über Freizeit und Tourismus bis hin zu Finanzdienstleistungen und Immobilien –, taxiert UBS die jährlichen Umsätze der gesamten Longevity Economy bis Ende des Jahrzehnts auf acht Billionen Dollar. Dabei entsteht ein Rückkopplungseffekt. „Indem Therapien altersbedingte Erkran- kungen zurückdrängen, trägt der Gesundheitssektor selbst zur Alterung der Weltbevölkerung bei“, schreibt UBS-Autor Michael Bolliger. Eine längere Lebens- spanne erhöht wiederum die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und altersge- rechten Produkten. Kaufkräftiges Alter Die reine Zahl älterer Menschen macht daraus freilich noch keinen Markt. Ent- scheidend ist auch, über welche Kaufkraft diese Generation verfügt. Gerade in den Industriestaaten spricht einiges dafür, dass die heutigen und kommenden Ruhe- ständler besser aufgestellt sind als frühere Generationen. Swisscanto verweist etwa auf Daten der US-Notenbank, wonach die über 55-Jährigen Ende 2023 fast drei Viertel des gesamten Vermögens der US-Bevölkerung halten. Hinzu kommt eine Verschiebung der Ausgaben: Mit zunehmendem Alter gewinnen Gesundheitsleistungen, Woh- nen, gesunde Ernährung, altersgerechte Konsumgüter sowie Finanz- und Vor- sorgeprodukte gegenüber anderen Ausgabenkategorien an Gewicht. Auf der anderen Seite sinken mit der Pen- sionierung üblicherweise die laufenden Einkommen, gleichzeitig wächst mit dem Anteil älterer Menschen die Belastung der Sozial- und Gesundheitssysteme. Swiss­ canto bezeichnet deshalb die künftige Kaufkraft der älteren Bevölkerung und Population der über 65-Jährigen weltweit Weltweit und nach Regionen in Millionen Der Zahl der 65-jährigen nimmt weltweit zu. Bewahrheitet sich die Prognose, wächst auch das Longevity-Geschäft. Quelle: Swisscanto » Unser Anlageuniversum umfasst mehr als 1.000 Aktien. Innerhalb eines Subthemas können wir etwa zwischen Medtech, Life-Science-Tools, Pharma und Biotech wechseln – und ebenso von einem Subthema in ein anderes rotieren, wenn Bewertungen zu weit gelaufen sind. « Clement Maclou, Swisscanto 2000 2010 2020 2030 2040 2050 Welt 423 533 737 1.005 1.321 1.591 USA 35 40 54 71 81 87 China 87 115 178 255 356 389 EU 68 78 93 108 122 129 Indien 48 63 93 133 186 250

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