Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
fehlers (Absolute Forecast Error, AFE) zu erkennen. In Über- einstimmung mit anderen Regressionsergebnissen deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass Buchhalter die Informations- umgebung verbessern, wenn sie mit der Berichterstattung über Aktien beginnen. Die Autoren prüfen außerdem, ob sich Buchhalter hin- sichtlich der Rentabilität ihrer Empfehlungen von anderen Analysten unterscheiden.Während sich die Prognosegenau- igkeit im Allgemeinen in der Empfehlungsrentabilität nie- derschlägt, basieren Empfehlungen auf zusätzlichen Inputs und Fähigkeiten, die nicht unbedingt im Rechnungswesen erworben oder gefördert werden. Anhand der risikoadjus- tierten Renditen von Portfolios zur Bewertung der Renta- bilität von Aktienempfehlungen von Analysten stellt die Studie fest, dass die Empfehlungen von Buchhaltern nicht profitabler sind als die ihrer Kollegen, und dies gilt noch weniger für Verkaufsempfehlungen. Wenn man jedoch erneut zwischen Ausbildung, Zerti- fizierung und Berufserfahrung im Rechnungswesen trennt, stellt man fest, dass ehemalige Buchhalter mit Be- rufserfahrung profitablere Verkaufsempfehlungen abge- ben, was sich in einer beträchtlichen risikoadjustierten Outperformance von 3,45 Prozentpunkten über sechs Monate niederschlägt. Im Gegensatz dazu geben Analys- ten, die bloß eine theoretische Ausbildung oder Zertifizie- rung auf diesem Gebiet aufzuweisen haben, weniger pro- fitable Verkaufsempfehlungen ab. Auch unterscheidet sich keine Untergruppe hinsichtlich der Rentabilität von Kauf- empfehlungen vom durchschnittlichen Analysten. Dies al- les illustriert die Tabelle „Profitabilität von Kauf- und Ver- kaufsempfehlungen “. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ehema- lige Buchhalter andere Analysten hinsichtlich der Genauig- keit der Gewinnprognose und der Genauigkeit von Ver- kaufsempfehlungen übertreffen. Eine Erklärung für die asymmetrische Outperformance ehemaliger Buchhalter bei Empfehlungen könnte sein, dass sich ihre Fähigkeiten besser zum Erkennen schlechter als guter Nachrichten eig- nen. Die Autoren weisen nach, dass die Prognosen von Analysten mit Berufserfahrung im Rechnungswesen relativ weniger zeitnah erstellt werden und weniger „mutig“ sind. Darüber hinaus sind die Empfehlungen der Rechnungs- wesen-Erfahrenen sowohl weniger optimistisch als auch weniger extrem. Tests bestätigen Resultate Um die spezifischen Mechanismen, die den Hauptergebnis- sen zugrunde liegen, besser zu verstehen, führen die Autoren eingehende Tests durch. Zunächst trennen sie die Berufser- fahrung im Rechnungswesen zwischen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensbuchhaltung sowie die Buchhaltungs- kenntnisse zwischen Hochschulbildung im Rechnungswe- sen und CPA-Zertifikaten. Dabei stellen sie fest, dass ehema- lige Buchhalter – die den Großteil der Analysten mit Berufs- erfahrung im Rechnungswesen ausmachen – die wichtigs- ten Ergebnisse beeinflussen. Zweitens stellt sich heraus, dass die bessere Prognosefähigkeit und die Rentabilität von Ver- kaufsempfehlungen ehemaliger Buchhalter mit größerer Berufserfahrung im Rechnungswesen zunehmen. Dokumentiert wird außerdem, dass Analysten mit Wirt- schaftsprüfungserfahrung nicht wesentlich davon profitieren, Unternehmen zu beobachten, die von ihrem ehemaligen Arbeitgeber geprüft werden. Diese Analysten werden als „verbundene ehemalige Buchhalter“ bezeichnet. Tatsächlich geben sowohl verbundene als auch nicht verbundene ehe- malige Buchhalter genauere EPS-Prognosen und profitablere Verkaufsempfehlungen ab. Fachspezifischere Fragen Die Autoren untersuchen zusätzlich die Monitoring-Rolle ehemaliger Buchhalter und ihre Informationsbeschaffungs- praktiken in Telefonkonferenzen zu den Ergebnissen als mögliche Erklärung für ihre bessere Prognose- und Empfeh- lungsleistung. Aufbauend auf der bisherigen Literatur zur Monitoring-Funktion von Analysten untersuchen Andres, Brochet, Limbach und Schumacher die Ergebnisqualität Aufnahme der Aktien-Coverage Der absolute Prognosefehler verringert sich nach Aufnahme der Researchabdeckung. Wie man erkennen kann, führt die Übernahme der Abdeckung von Aktien durch Analysten mit Buchhaltungshintergrund in den drei Folgejahren zu einer Abnahme des absoluten Performance- fehlers. Diese stellt sich als signifikant heraus. Quelle: Studie Durchschn. abs. Prognosefehler Jahre relativ zur Aufnahme der Researchabdeckung .1 .05 0 -.05 –.1 –.15 –3 –2 –1 0 1 2 3 N o . 3/2025 | institutional-money.com 99 FOTO: © WHU – OTTO BEISHEIM SCHOOL OF MANAGEMENT Sell-Side-Analysten | THEORIE & PRAXIS » Analysten mit Buchhaltungserfahrung haben eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit, als ›All- Star‹-Analysten ausgezeichnet zu werden. « Nicola Schumacher, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Empirical Corporate Finance an der WHU – Otto Beisheim School of Management, Vallendar bei Koblenz
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