Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
H edgefonds gelten allgemein als informierte Marktteilnehmer. Während zahlreiche Studien den Informationsvorsprung von Hedgefonds aus der Perspektive der Aktienmärkte – sowohl Long- als auch Short-Positionen – untersuchen, ist das Verständnis der Informationen, die in den Optionspositionen von Hedge- fonds enthalten sind, noch begrenzt. Diese Forschungslücke veranlasste drei Wissenschaftler zu einer umfassenden Un- tersuchung: Amber Anand (Syracuse University), Jian Hua (Baruch College) und Andy Puckett (University of Tennes- see) analysierten erstmals systematisch die Informationen in Hedgefonds-Optionspositionen. Die Forschung zur Beteiligung von Hedgefonds an Opti- onsmärkten stößt auf das Problem, dass Optionsbeteiligun- gen nicht in gängigen wissenschaftlichen Datenbanken (Thomson/Reuters-13f-Daten zu institutionellen Beteiligun- gen) erfasst sind. Um dieses Problem zu lösen, verwenden die Autoren 156.340 13f-Anmeldungen aus der EDGAR- Datenbank der SEC für den Zeitraum von 2004 bis 2015 und extrahieren aus diesen Anmeldungen alle Options- positionen. Anschließend identifizieren sie Hedgefonds in den Daten anhand proprietärer Klassifizierungen von Thomson-Reuters und verwenden Kriterien, die denen von Brunnermeier und Ben-David aus älteren Arbeiten ähneln, um ihre Identifizierung anhand von Anmeldungen im ADV-Format von SEC EDGAR zu verfeinern. Die Forscher entwickeln eine „Nettooptionen“-Kennzahl: Anzahl der Hedgefonds mit Call-Positionen minus jene mit Put-Positionen je Aktie und Quartal. Diese Methodik folgt der Theorie koordinierten Handelns bei gemeinsamen Informationsvorteilen. Sie ist empirisch konsistent mit Studien, die untersuchen, ob die Breite des institutionellen Aktienbesitzes mit zukünftigen Renditen korreliert. Bis dato wenig untersucht George O. Aragon und J. Spencer Martin lieferten 2012 in „A Unique View of Hedge Fund Derivatives Usage: Safe- guard or Speculation?“, publiziert im Journal of Financial Economics, die erste Analyse und stellten fest, dass die Optionsbestände von Hedgefonds spätere abnormale Ren- diten der zugrunde liegenden Aktie vorhersagten; diese Ren- ditevorhersagbarkeit sei asymmetrisch und konzentriere sich auf die pessimistischen Optionspositionen der Hedgefonds. Informierte Hedgefonds können ihre negativen Informatio- nen jedenfalls durch Optionen oder das Aufsetzen von Leer- verkaufspositionen von Aktien nutzen. Kapitalmarktforscher führen das aggregierte Short-Interesse an Aktien oft auf die Short-Positionen von Hedgefonds zurück. Itzhak Ben-David, Francesco A. Franzoni und Rabih Moussawi vermuteten 2021 in „Hedge Fund Stock Trading in Financial Crisis of 2007–2009“, dass die meisten Leerver- käufe von Hedgefonds getätigt werden. Sie zitierten einen Bericht von Goldman Sachs aus dem Jahr 2010, in dem es hieß, dass „85 Prozent aller über ihr Maklerhaus laufenden Short-Positionen auf Aktien von Hedgefonds getätigt wer- den“. Andere Studien gehen von derselben Annahme aus. Sie liefern Beweise dafür, dass Leerverkaufsaktivitäten, gemes- sen an den Gebühren für die Wertpapierleihe, nach Berück- sichtigung von 102 anderen Anomalien der zuverlässigste Prädiktor künftiger abnormaler Renditen sind. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass die pessimistischen Infor- mationen in den Short-Interessen zu den robustesten Prä- diktoren für spätere abnormale Renditen gehören. Angesichts der Betonung des Informationsgehalts von Short-Positionen in der wissenschaftlichen Literatur stellt Eine Studie aus den USA wollte wissen, ob man als Investor Informationen aus den Optionspositionen von Hedgefonds ableiten kann. Verborgene Signale ? 88 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Hedgefonds-Optionen FOTO: © SYRACUSE UNIVERSITY » Negative Informationen in Hedgefonds-Optionen sind ökonomisch bedeutend und unterscheiden sich von Informationen aus Short Interest. « Amber Anand, Professor of Finance an der Whitman School of Management der Syracuse University in New York
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