Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

S pätestens seit Draghis „Whatever it takes“-Moment dürfte auch den entschlossensten Skeptikern die Wichtigkeit von Notenbankkommunikation klar ge- worden sein. Ein eigener Jargon hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt, der Hinweise auf die eine oder andere geldpolitische Nuance geben soll. Stellt sich die Frage, ob diese Botschaften tatsächlich messbar imMarkt ankommen, ob es sich um durchgehende Phänomene handelt oder ob diese Art von Kommunikation nur dann relevant ist, wenn es sich um epochale Ereignisse handelt. Um diese Zusam- menhänge klar zu erfassen, haben sich Klodiana Istrefi und Giulia Sestieri von der Banque de France mit Florens Oden- dahl von der Banco de España bereits im Jahr 2021 zusam- mengetan und das Paper „ECB communication and its impact on financial markets“ verfasst. Im August 2025 haben sie eine aktualisierte Version herausgebracht und die 1999 beginnende Zeitreihe bis Februar 2024 ausgeweitet. Sie greifen wie bereits vor vier Jahren auf die von ihnen geschaf- fene Datenbank zurück, die den Titel „Euro Area Commu- nication Event Study Database“ trägt. Drei-Säulen-Modell Grundlage des Datensets sind drei miteinander kombinier- te Quellen: Kommunikationsereignisse des Eurosystems, Kontrollereignisse und hochfrequente Finanzmarktdaten. Ziel ist es, die Wirkung geldpolitischer Kommunikation in der Eurozone mit der gleichen Präzision zu untersuchen, die bislang primär für klassische geldpolitische Beschlüsse angewandt wurde. Das Kernstück der Datenbank stellen die Kommunikationsereignisse der EZB und ausgewählter nationaler Notenbankgouverneure dar. Dazu zählen die Sitzungen des EZB-Rates, die Veröffentlichung der geld- politischen Protokolle, öffentliche Auftritte der Präsidentin und des Direktoriums sowie Interviews, die über Refinitiv Eikon erfasst wurden. Ausgangspunkt der Erfassung war der Bloomberg-Kalender, der minutiös Auftritte wie „Lagar- de speaks in Frankfurt“ verzeichnet, die anschließend auf ih- re Relevanz hin geprüft, klassifiziert und gründlich berei- nigt wurden. Die Interviews, die nicht im Bloomberg-Ka- lender enthalten sind, ergänzen das Bild und stellen einen wichtigen Teil der informellen „Inter-Meeting Communi- cation“ dar. Während die Protokolle des EZB-Rates eine unmittelbare Nähe zu den geldpolitischen Entscheidungen aufweisen, handelt es sich bei Reden und Interviews um Kommunika- tionsakte ohne unmittelbare Beschlussqualität. Sie spiegeln Stimmungen, Debatten und persönliche Akzente wider, die in den offiziellen Gremien zwar nicht bindend sind, aber dennoch in die Wahrnehmung der Märkte einsickern. „Viele Inter-Meeting-Kommunikationen erhalten umfangreiche Medienberichterstattung, was darauf hindeutet, dass sie tat- sächlich nachrichtenwürdige Informationen enthalten“, erklärt Co-Autorin Istrefi. Der zweite Datenblock umfasst Ereignisse, die den Zu- stand der Konjunktur in standardisierter Form widerspie- geln: makroökonomische Veröffentlichungen für die großen Mitgliedsländer und die Eurozone insgesamt, Überraschun- gen bei wichtigen US-Indikatoren sowie Sitzungstage des Federal Open Market Committee. Entscheidend ist, dass nur solche Veröffentlichungen Eingang in die Datenbank fin- den, die eine Abweichung von den Erwartungen erzeugen. Wo Prognose und Realität deckungsgleich waren, wurde das Ereignis verworfen. Als dritte Säule dienen hochfrequente Marktdaten.Minu- tendaten zu Overnight Indexed Swaps unterschiedlicher Laufzeiten, zu Staatsanleihen von Deutschland, Frankreich, Ein spezifisches Datenset hilft dabei, die Auswirkungen von EZB-Kommunikation auf die Märkte und das Makro-Umfeld zu identifizieren. Das wirft auch ein klares Licht auf den Einfluss der unterschiedlichen EZB-Institutionen. EZB, wir müssen reden ... 84 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | EZB-Kommunikation FOTO: © BANQUE DE FRANCE » Wim Duisenberg und Mario Draghi hielten deutlich weniger Reden als Jean-Claude Trichet und Christine Lagarde. « Klodiana Istrefi, Banque de France

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