Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
B ei Redaktionsschluss war auch Wirtschaftsnobel- preisträger und „New York Times“-Kolumnist Ken- neth Rogoff zurückgerudert.Der Ökonom, der sich bei „This Time is Different“, das er gemeinsammit Carmen Reinhart publiziert hat, bereits einmal massiv verrechnet hat- te und die in Massachusetts wirkende deutsche Ökonomin Isabella Weber via (damals) Twitter so dermaßen attackiert hatte, dass er sich im Nachhinein entschuldigen musste, musste eingestehen, dass seine 2018 vorgebrachte Zehn-Jah- res-Bitcoin-Prognose von 100 Dollar wohl eher nicht halten würde. Er habe unter anderem „nicht damit gerechnet, dass Regulatoren (…) trotz des offensichtlichen Interessenkon- flikts scheinbar ohne Konsequenzen dreist Hunderte Millio- nen (wenn nicht sogar Milliarden) US-Dollar in Kryptowäh- rungen halten können“. Das war nur eines der Argumente, mit denen der Ökonom seine Fehleinschätzung – diesmal auf X, also dem inzwischen neu gebrandeten Twitter – revi- dierte.Die Passage stellt einen kaum verhohlenen Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump dar. Dieser hat wie berich- tet mit seinem Krypto-Engagement, darunter die Emission eines eigenen Meme-Coin, Hunderte Millionen US-Dollar an Gewinn lukriert. Das kann und darf man natürlich kri- tisch sehen – tatsächlich scheinen Bitcoin und andere Wäh- rungen aber nicht nur von Einzelakteuren Rückenwind zu erhalten. So wird etwa die im Frühjahr 2025 gefällte Entscheidung des US-Präsidenten, wonach die Federal Reserve Bitcoin als Teil der Währungsreserven zu verstehen und entsprechend zuzukaufen habe, nicht nur kritisch gesehen. In einem kur- zen, aber sehr ausgewogenen Paper mit dem Titel „Trump’s Crypto Currency Reserve Expansion: A Shift in U.S. Digital Asset Strategy“ beschäftigt sich etwa David Krause, der an der Marquette University in Milwaukee wirkt, mit den Vor- und Nachteilen der Trump-Initiative. Globale Verwerfungen Mit dem Plan, eine strategische Bitcoin-Reserve aufzubauen und weitere Kryptowährungen in die staatliche Bilanz auf- zunehmen, greift Washington jedenfalls tief in die Archi- tektur des globalen Finanzsystems ein. Fachleute warnen vor einer Art „Krypto-Rüstungswettlauf“, sollte dieser Schritt Nachahmer finden. Insbesondere Schwellenländer, die ihre geldpolitische Souveränität gegenüber dem US-Dollar stär- ken wollen, könnten sich veranlasst sehen, eigene Kryptostra- tegien zu entwickeln. Damit rückt die Frage in den Vorder- grund, ob Kryptowährungen künftig nicht nur spekulatives Anlagevehikel, sondern auch geopolitisches Instrument sein werden. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Korre- lationsanalyse, die Krause für den Zeitraum 2020 bis 2024 vorgelegt hat. Sie vergleicht die großen Kryptowährungen mit dem S&P 500 und mit Gold – und offenbart bemer- kenswerte Muster. So zeigt sich, dass Bitcoin und Ethereum nahezu imGleichklang laufen, was ihre Rolle als Leitgrößen im Kryptomarkt bestätigt. Auch Solana bewegt sich eng an der Seite dieser beiden Schwergewichte. Andere Währungen wie Cardano und Litecoin weisen zwar ebenfalls positive Zusammenhänge auf, doch sie sind weniger stark ausge- prägt und deuten auf höhere idiosynkratische Risiken hin. Besonders hervorzuheben ist die enge Verknüpfung von Bitcoin und Ethereum mit dem US-Aktienmarkt. Mit Kor- relationskoeffizienten von 0,90 beziehungsweise 0,83 zum S&P 500 verhalten sie sich weniger wie eine eigenständige Anlageklasse mit entsprechenden Diversifikationseffekten, sondern fast eher wie ein Sentiment-Hebel auf die allgemei- ne Marktstimmung.Wer also von einer klaren Entkopplung Bitcoin soll in den USA zur Reservewährung werden. Zahlreiche ETFs machen das Krypto-Asset immer mehr und immer größeren Investoren zugänglich. Hat Bitcoin das Potenzial, den angeschlagenen Dollar zu verdrängen? Bitback statt Greenback? 80 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Krypto » Ich habe nicht damit gerechnet, dass Regulatoren (…) trotz des offensichtlichen Interessenkonflikts scheinbar ohne Konsequenzen dreist Hunderte Millionen (wenn nicht sogar Milliarden) US-Dollar in Kryptowährungen halten können. « Kenneth Rogoff, Nobelpreisträger zu seinem 100-Dollar-Bitcoin-Zielkurs per 2028
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