Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
und rutscht bis 2030 auf minus 57 Prozent ab – ein deut- liches Anzeichen für erheblich zunehmende Insolvenzrisi- ken. Selbst imMedian verschlechtert sich die Eigenkapital- ausstattung von 32 auf nur noch sieben Prozent. Und die Profitabilität zeigt einen noch dramatischeren Verlauf: Der Median der Gewinnmarge sinkt von bereits schwachen 1,8 Prozent 2024 auf nur noch 0,4 Prozent im Jahr 2030. Und die schwächsten zehn Prozent der Unternehmen verhar- ren durchgehend bei null Prozent Profitabilität. Das alles sind Tendenzen, die Anlass zu erheblicher Sorge geben. Die Insolvenzen sind in den letzten Jahren schon deutlich gestiegen, und ein Ende dieses Trends ist ganz und gar nicht absehbar. Ich kenne persönlich niemanden, der aktu- ell einen Rückgang erwarten würde, solange sich die Rah- menbedingungen nicht klar bessern. Christian Jost: Insgesamt führt die Kombination aus schwa- cher Eigenkapitalausstattung und sinkender Profitabili- tät allerdings zu steigenden Ausfallwahrscheinlichkeiten. Im Basisszenario verdoppelt sich die Ausfallwahrschein- lichkeit der schwächsten zehn Prozent der Unternehmen von 1,92 Prozent (2024) auf 4,06 Prozent (2030). 2024 hat- ten noch 54 Prozent aller Firmen eine Ausfallwahrschein- lichkeit unter einem Prozent pro Jahr – 2030 sind es nur noch 32 Prozent. Im 20-Prozent-Zoll-Szenario steigen die Ausfallwahrscheinlichkeiten entlang aller Quantile sogar noch weiter: auf 4,61 Prozent (statt 4,06 Prozent) bei den schwächsten Unternehmen und 1,89 Prozent (statt 1,64 Prozent) imMedian. Dr. Roland Demmel: Und ein 20-Prozent-Zoll-Szenario hätte die Entwicklung sogar noch erheblich verschärft. In einer 15-Prozent-Zoll-Umgebung sieht das zwar nicht mehr ganz so dramatisch aus, aber die Auswirkungen werden natür- lich auch dabei die Lage insgesamt weiter verschlechtern. Im 15-Prozent-Szenario bedeutet das: Das deutsche BIP schrumpft 2025 um 0,2 Prozent, und die Inflation steigt um 2,2 Prozent. Bis 2030 bleibt das Wachstum um einen Prozentpunkt schwächer als im Basisszenario. Ein starker Inflationsanstieg umgut einen Prozentpunkt 2025 baut sich zwar auf 0,2 Prozent pro Jahr ab, verschwindet aber bis 2030 nicht vollständig und wirkt somit permanent. Wobei die Auswirkungen ja offenbar nicht alle Branchen gleich stark treffen? Christian Jost: Besonders betroffen sind naturgemäß export- orientierte Sektoren wie Automobil, Maschinenbau, Che- mie/Pharma und Logistik. Bei der Profitabilität zeigen nur die Branchen „Energie“ und „Andere“ mehr Firmen mit steigender als mit fallender Profitabilität – alle anderen Industrien kämpfenmit Gewinnrückgängen. Und selbst in den besten Branchenwerden nur 26 Prozent der Unterneh- men, in erster Linie der Bereich langfristige Konsumgüter, eine steigende Eigenkapitalquote aufweisen. Am schlechtes ten schneiden Energie (sechs Prozent), Grundstoffe (acht Prozent) und Chemie/Pharma (zehn Prozent) ab. Ein uner warteter Befund der Studie: Die Liquiditätssituation deut- scher Unternehmen erweist sich als vergleichsweise stabil. Die Liquiditätsquote, also kurzfristige Aktiva zu kurzfristi- gen Passiva, geht zwar zurück, aber deutlich weniger scharf als Eigenkapital und Profitabilität. Auch im15-Prozent-Zoll- Szenario zeigt sich die Liquidität sogar überraschend stabil. So etwas wie ein Lichtblick? Dr. Roland Demmel: Ich würde sogar sagen, dass die Liquidi tätslagemomentan der einzige wirkliche Lichtblick für viele Firmen ist. Allerdings muss man auch sagen: Die Ausgangs- lage ist oft schon sehr schwach, sodass selbst zusätzliche Belastungen – wie etwa neue Zölle oder äußere Schocks – kaum noch ins Gewicht fallen. Es ist, wenn man so will, » Ein unerwarteter Befund der Studie: Die Liquiditätssituation deutscher Unternehmen erweist sich als vergleichsweise stabil. « Christian Jost, Quantic Financial Solutions 76 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Christian Jost + Roland Demmel I Quantic Financial Solutions FOTO: © GÜNTER MENZL I | EXKLUSIV FÜR INSTITUTIONAL MONEY
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