Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

schaftlichen Realität in Deutschland. Das hängt allerdings weniger mit den angekündigten US-Zöllen zusammen, schon unser Basisszenario ohne zusätzliche Zölle hat auf- grund grundlegender struktureller Probleme der deutschen Wirtschaft eine dramatische Entwicklung offenbart. Dr. Roland Demmel: Wobei man noch erwähnen sollte, dass wir ursprünglichmit Zollsätzen von 20 Prozent gerechnet haben, die anfangs imGespräch waren. Als sich später her- ausstellte, dass es für Deutschland und Europa wahrschein- lich auf einen Satz von 15 Prozent hinauslaufen würde, habenwir das Ganze noch einmal mit diesemWert durch- gerechnet, wobei die Unterschiede eher gering ausgefal- len sind. Bevor wir näher auf das Zollthema eingehen: Was muss man sich unter Ihrem Basisszenario vorstellen? Christian Jost: Prognosen zur makro- und mikroökonomi- schen Entwicklung sind ja im Prinzip eine Art „ongoing concern“, weil sichDaten undUmstände laufend verändern und weiterentwickeln. Deshalb passen wir unser grundle- gendes makroökonomisches Szenario – das, was wir als Basisszenario bezeichnen – alle drei Monate auf der Basis der jeweils aktuellen öffentlich zugänglichen Daten an. Was genau sind dabei Ihre Quellen? Dr. Roland Demmel: Neben einer Reihe weniger bekannter Quellen nehmen wir die Werte des vom Internationalen Währungsfonds veröffentlichtenWorld Economic Outlook genauso auf wie die regelmäßig aktualisierten Daten der EU-Kommission. Es fließen auch die Informationen von Ratingagenturen wie Moody’s ein. Auf dieser Grundlage errechnet unser DDA-Modell dann die jeweils aktuellen Prognosen – in aller Regel auf Sicht von zehn Jahren. Christian Jost: Wobei wir zunehmend auch die Bepreisung von Anleihen damit abdecken, um die aktuelle Bewer- tung von Bonds aller Art abzubilden, sowohl was deren Rating als auch die jeweilige Restlaufzeit sowie deren aktu- elle Liquiditätssituation angeht. Aus unserer Sicht braucht man einen möglichst fundierten Blick darauf, wie es um die Überlebenswahrscheinlichkeit des jeweiligen Emitten- ten über die gesamte Laufzeit hinweg bestellt ist. Und was kennzeichnet die Stichprobe, die Ihrer Zoll-Studie zugrunde liegt? Christian Jost: In erster Linie, dass unsere Auswahl repräsen- tativ für die deutscheWirtschaftsstruktur insgesamt ist. Am stärksten vertreten sind Handelsunternehmen mit 2.462 Firmen, gefolgt von Dienstleistungen (2.148), Bau (1.556) und Maschinenbau (1.158). Mehr als die Hälfte der analy- sierten Unternehmen, konkret 51,4 Prozent, weisen Jahres- umsätze von bis zu fünf Millionen Euro auf, nur 4,4 Pro- zent der Firmen erzielen einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro. » Man braucht einen möglichst fundierten Blick darauf, wie es um die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Emittenten über die gesamte Laufzeit hinweg bestellt ist. « Christian Jost, Quantic Financial Solutions Weithin anerkannter Branchenkenner Christian Jost ist seit über 25 Jahren in der Investmentbranche tätig und verantwortet als geschäftsführender Partner von Quantic Financial Solutions die Unternehmensentwicklung sowohl im organischen als auch im anorganischen Wachstum. Vor seinem Einstieg bei Quantic war er über viele Jahre hinweg in der C-Quadrat-Gruppe aktiv, zuletzt als Geschäftsführer der C-Quadrat Asset Management. Die eigens entwickelten Risiko- und Prognosemodelle von Quantic Financial Solutions werden inzwischen bei einer Vielzahl von Banken und institutionellen Investoren eingesetzt, nicht nur im Bereich des Risikomanagements, sondern auch bei der Kreditbewertung. 72 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Christian Jost + Roland Demmel I Quantic Financial Solutions FOTO: © GÜNTER MENZL I | EXKLUSIV FÜR INSTITUTIONAL MONEY

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