Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

Tobias Bockholt: Gerade wenn es sich um größere Fonds handelt, schließen wir uns häufig mit anderen großen Pensionseinrichtungen zusammen, sei es mit Versor- gungswerken, Ärztekassen oder kirchlichen Institutio- nen. Da kann man sich in Verhandlungsgesprächen ge- genseitig den Rücken stärken und zudem Expertise bündeln und Risiken sinnvoll verteilen. Wie sieht es beim Thema Privatmärkte aus? Was können Sie über Ihren Auswahlprozess bei Anlagen in Private Equity und Private Debt sagen? Tobias Bockholt: Wir achten extrem auf die Erfahrung und die Stabilität der jeweiligen Teams. Uns geht es nicht um Namen, es geht um Kontinuität, Spezialisierung und echtes Know-how. Deshalb ist unser Auswahlpro- zess recht stringent: zuerst die grobe Marktanalyse, dann persönliche Eindrücke vor Ort und schließlich sehr ge- zielte Fragen, bei denen wir wirklich in die Tiefe gehen. Wir haben zum Beispiel erst vor Kurzem mehrere Ta- ge in London mit verschiedenen Private-Market-Teams verbracht, um uns im Vorfeld eines Investments ein eigenes Bild zu verschaffen, und nicht erst, wenn das Mandat bereits vergeben ist. Eine wirklich nicht unwe- sentliche Frage dabei: Ist die Historie, die präsentiert wird, auch tatsächlich von dem jeweiligen Team selbst aufgebaut worden? Setzen Sie eigentlich ein am Markt zunehmend beliebter gewordenes Vehikel wie ETFs ein? Tobias Bockholt: In Ausnahmefällen vielleicht den einen oder anderen aktiv gehandelten ETF. Ansonsten sind bör- sengehandelte Fonds für institutionelle Investoren wie uns in der Regel eher unattraktiv. Wir erhalten für jede passive Strategie das gleiche Exposure auf unserer Platt- form mit Spezialmandaten, ganz ohne die ETF-Kosten. Für uns ergibt sich daher aus dem ETF keinerlei Vorteil, im Gegenteil – Flexibilität und Kosteneffizienz sprechen klar für unsere Lösung: Eine breite passive Basis im Port- folio, um aktives Alpha gezielt obendrauf zu setzen, das ist unser Weg. Wie groß ist die SOKA-BAU selbst eigentlich insgesamt in Zahlen ausgedrückt? Tobias Bockholt: Unsere Gesamtbilanzsumme liegt mitt- lerweile bei mehr als 16 Milliarden Euro, davon zwölf Milliarden Euro bei der ZVK und vier Milliarden Euro bei der ULAK. Wir beschäftigen rund 100 Leute direkt im Asset Management, darunter Immobilienmanager, Kapitalmarktspezialisten und die Kolleginnen und Kol- legen im Backoffice. Davon sind etwa 60 unmittelbar vor Ort hier amHauptsitz in Wiesbaden tätig.Natürlich gibt es dann noch Mitarbeitende, die sich um die Detailarbeit gerade im Immobilienbereich kümmern, etwa Architek- ten und Bauingenieure, Leute, die tatsächlich auf den Baustellen unterwegs sind. Zum Abschluss noch eine Frage, wie es beim Thema Risiko­ management aussieht: Sprechen wir da eigentlich über herkömmliche Overlay-Strategien? Tobias Bockholt: Wir haben früher auf klassische Over- lay-Systeme oder Hedging-Strukturen gesetzt, aber das haben wir nach der Abwägung von Kosten und Nutzen abgeschafft. Die entscheidende Absicherung ist unsere Risikotragfähigkeit, zum Beispiel über 20 Prozent Reserven, die wir vorhalten. Wir könnten so auch ein- mal einen Marktcrash wie Corona ohne Weiteres absor- bieren. Selbst nach so einem Ereignis könnten wir kom- fortabel weiterarbeiten. Das verschafft uns eine enorme Ruhe im Asset Management. Daher bleibt es dabei: Un- ser Portfolio ist „long only“mit einer strategisch gepräg- ten Allokation, einer enorm breiten Diversifikation und einem ausreichend robusten Sicherheitsnetz. Wir danken für das Gespräch! HANS HEUSER THEORIE & PRAXIS | Tobias Bockholt | SOKA-BAU FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH | FÜR INSTITUTIONAL MONEY 66 N o . 3/2025 | institutional-money.com » Wir erhalten für jede passive Strategie das gleiche Exposure auf unserer Plattform mit Spezialmandaten, ganz ohne die ETF-Kosten. « Tobias Bockholt, Bereichsleiter Asset Management, SOKA-BAU

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