Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
oder Fonds. Und im Prinzip geben wir der Bauwirtschaft auf diese Weise auch wieder etwas zurück. Und bei den Immobilienfonds: Sind das offene oder eher geschlossene Strukturen? Tobias Bockholt: Beides, ehrlich gesagt. Es gibt ganz klassische Immobilienfonds, in die viele institutionelle Anleger investieren – da trifft man dann quasi die Kolle gen von Ärzteversorgung, kirchlichen Kassen, Versiche rungen und so weiter. Aufgrund unserer Größe können wir aber auch Spezialmandate gemeinsam mit anderen Akteuren auflegen. Aber: Evergreen-Strukturen, wie sie vor allem bei Privatanlegern beliebt sind, bleiben bei uns eigentlich außen vor. Wir bevorzugen in aller Regel geschlossene Vehikel mit klaren Laufzeiten. Aber angesichts eines im Grunde immer noch weltweit schwächelnden Immobilienmarktes: Das spürt doch auch SOKA-BAU, oder? Tobias Bockholt: Natürlich sehen wir auch Wertrückgän ge, global ist das nun mal ein Fakt. Deshalb tun sich ja ei nige internationale Fonds mit Laufzeitende schwer da mit, ihre Assets zum Buchwert zu verkaufen, oder sie müssen unter Wert abgeben. Das ist aus unserer Sicht aber eine temporäre Schwäche. Nicht ohne Grund fah ren auch wir deshalb eine sehr langfristig angelegte Allo kationsstrategie, weil wir wissen: Immobilieninvestments sind ein Geschäft für den langen Atem. Andererseits lag man historisch gesehen mit Immobilien selten daneben, vorausgesetzt, man hat genug Geduld mitgebracht. Und in jüngerer Zeit sehen wir, dass Kauf- und Mietpreise in Deutschland bereits wieder leicht anziehen, das Vertrau en bleibt also hoch. Was sind denn die Gründe dafür, dass im Wohnungsbau aktuell so wenig passiert? Liegt das wirklich nur an der Politik? Tobias Bockholt: Die Politik ist tatsächlich ein enorm gro ßer Faktor. Komplexe Bauauflagen, verschiedene Vor schriften von der kommunalen bis hin zur Länderebe ne, energetische und sicherheitstechnische Vorgaben – das alles macht Bauen teuer und langsam. Daran kön nen wir und die Bauwirtschaft allgemein nur bedingt etwas ändern. Hinzu kommen unser Anlagehorizont und die Tatsache, dass wir oft länger als zehn Jahre an unseren Immobilien festhalten müssen – das ist bei Pensionskassen vorgeschrieben. Zudem brauchen wir wie gesagt von jeder Assetklasse im Portfolio eine gewis se Mindestrendite, im Fall der Immobilien mindestens die erwähnten 3,4 Prozent. Daher: Ein gewisses soziales Engagement ist schön, aber am Ende zählt auch hier die Wirtschaftlichkeit. Und im Bereich Infrastruktur? Haben Sie die neuen regu- latorischen Freiräume schon voll ausgeschöpft? Tobias Bockholt: Wir begrüßen jede Veränderung in der Anlageverordnung, die es uns ermöglicht, stärker in Infrastruktur zu investieren.Wir gehen dabei bewusst bis an die Grenzen dessen,was erlaubt ist, und nutzen durch aus die entsprechenden Freiräume. Und das nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Daher sind wir auch in der Infrastruktur sehr breit aufgestellt, setzen nicht nur auf Renewables wie Wind- oder PV-Parks, sondern investieren in ein deutlich breiteres Spektrum. Diversifi kation ist eben auch hier das A und O. Erfolgen solche Investments dann gemeinsam mit anderen Kassen, oder bleiben Sie da lieber autark? THEORIE & PRAXIS | Tobias Bockholt | SOKA-BAU FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH | FÜR INSTITUTIONAL MONEY 64 N o . 3/2025 | institutional-money.com » Wir begrüßen jede Veränderung in der Anlageverordnung, die es uns ermöglicht, stärker in Infrastruktur zu investieren. « Tobias Bockholt, Bereichsleiter Asset Management, SOKA-BAU
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