Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

ellen Marktbewegungen kann man angesichts einer un- wägbaren US-Zollpolitik, immer noch ungelöster Kriegs- und Krisensituationen und einer nach dem Scheitern der Regierung in Frankreich wieder aufgekommenen Furcht vor einer neuen Euro-Schuldenkrise nicht irgendwie pla- nen. Man kann nur versuchen, sich so widerstandsfähig wie möglich aufzustellen. Denn immerhin reicht unser Zeithorizont bei unserer strategischen Allokation bis ins Jahr 2035 und darüber hinaus. Und mit dieser langfristi- gen Perspektive wollen wir für unsere Versicherten ein stabiles Anlageergebnis erzielen und können das meiner Erwartung nach auch. Aber noch einmal kurz zumAktiensegment Ihres Portfolios. Vom MSCI World sind Sie dann offenbar ziemlich weit entfernt, oder? Tobias Bockholt: Das kann man auf jeden Fall so sagen. Zumal ein sehr US-lastiger Index wie der MSCI World kein Maßstab für uns sein kann. Wir sind sogar bewusst stark untergewichtet im US-Markt. Das war eine strate- gische Entscheidung, die uns durchaus Performance im Vergleich zum Weltindex gekostet hat. Aber wir setzen lieber auf ein robustes, solide diversifiziertes Portfolio, statt uns eventuell riskante Klumpenrisiken einzukaufen – gerade weil wir sehen, wie volatil die Märkte aktuell sind. Sagen Sie noch etwas zur übrigen Aufteilung Ihres Port­ folios außerhalb des Aktiensegments? Tobias Bockholt: Rund 18 Prozent sind in den Immobi- liensektor investiert. Mit zirka 21 Prozent liegt die Grö- ßenordnung in den Privatmärkten etwas höher, wo wir sowohl in Private Equity und Private Debt als auch in Infrastrukturinvestments engagiert sind. Neben einer erwähnten Aktienquote von etwa 20 Prozent bleiben damit noch gut zwei Fünftel unserer Anlagen, die in Staats- sowie Unternehmensanleihen, größtenteils mit Investment-Grade-Rating, investiert sind. Geht es noch etwas konkreter in Bezug auf den Bereich Real Estate? Tobias Bockholt: Inzwischen halten sich in diesem Be- reich der Anteil direkt gehaltener Immobilien und indi- rekt über entsprechende Fondslösungen investierte Real-Estate-Anlagen in etwa die Waage. Das war nicht immer so. Von ehemals 11.000 direkt gehaltenen Wohnungen sind heute nur noch 8.300 in unserem Bestand. Wir ha- ben diesen Anteil bewusst strategisch abgebaut, um das Portfolio zum einen gezielt zu internationalisieren und zum anderen stärker nach Assetklassen zu diversifizieren. Wir sind heute in Bezug auf unsere Immobilieninvest- ments zu einem wesentlich höheren Anteil global auf- gestellt und über ganz unterschiedliche Fondslösungen investiert in Logistikparks in Asien, aber auch in Gewer- betürme, Hotels und Wohnkonzepte – im Grunde das gesamte Spektrum. Haben Sie eigentlich durch Ihre Nähe zur Bauindustrie einen gewissen Vorteil, gerade wenn es um direkte Immo­ bilieninvestments geht? Tobias Bockholt: Ich würde schon sagen, dass wir in die- ser Hinsicht profitieren. Zum einen sind wir in der Bran- che als verlässlicher langfristiger Partner bekannt. Gerade auch bei Städten und Kommunen, denen es ja oft dar- um geht, bezahlbaren, nicht unbedingt exklusiv sozialen Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig haben wir oft einen frühen Zugang zu Projekten. Zum anderen verfügen wir über die nötige Expertise im eigenen Haus: Wir beschäf- tigen Spezialisten für Planung, Verwaltung und Entwick- lung von Immobilien, das reicht von klassischen Immo- bilienkaufleuten, Architekten und Bauingenieuren bis hin zu Fachleuten fürs Facility und Asset Management. Das hat den Vorteil kurzer Wege und entscheidet manch- mal mit darüber, ob wir beim Thema Due Diligence eventuell schneller vorankommen als andere Investoren THEORIE & PRAXIS | Tobias Bockholt | SOKA-BAU FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH | FÜR INSTITUTIONAL MONEY 62 N o . 3/2025 | institutional-money.com » Von ehemals 11.000 direkt gehaltenen Wohnungen sind heute nur noch 8.300 in unserem Bestand. « Tobias Bockholt, Bereichsleiter Asset Management, SOKA-BAU

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=