Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
rendite in den nächsten Jahren ohne große Mühe die 20-Milliarden-Marke überschreiten. Und bei der Zielrendite sprechen wir dann über die berühmten vier Prozent, die immer noch gern als eine Art Mindestmaß genannt werden für die Verzinsung, die eine Pensionskasse benötigt? Tobias Bockholt: Ganz offen gesagt: Die vier Prozent – das war einmal. Das ist ein Wert, der sich immer noch aus einer Zeit hält, als es solche Sätze auch für Bundes- anleihen gab, einfach so, risikolos. Das gibt es heute nicht mehr, das ist schlicht Geschichte – mit immer weiter gesunkenen Rechnungszinsen. Daher sind wir mit einer Zielrendite von 3,4 Prozent, wie wir sie in unserem Ge- schäftsbericht ausweisen, durchaus zufrieden. Wobei Sie damit doch im Vergleich zu dem, was man von anderen Pensionskassen hört, sogar recht gut liegen, oder? Tobias Bockholt: Zumal wir die 3,4 Prozent wirklich so- lide und konstant über die vergangenen Jahre erreichen konnten. Das war der Grund dafür, dass wir uns diesen Wert ausdrücklich als Benchmark gesetzt haben.Wir ste- hen damit jedenfalls weit besser da als viele andere regu- lierte Investoren, die zum Teil schon unter drei Prozent angekommen sind. Natürlich ist die aktuelle Situation von besseren Konditionen für risikoärmere Anlagen ge- kennzeichnet. ImMoment sehen wir für europäische In- vestment-Grade-Anleihen eventuell sogar noch 3,5 Pro- zent. Aber niemand weiß, wie lang uns dieses Zeitfenster bleiben wird. Niemand wird das mit Gewissheit sagen können, deshalb muss man solche Zeitfenster taktisch klug nutzen, auch wenn es keine Strategie für die Ewig- keit ist. Zudem sind die Marktteilnehmer an den Kapitalmärkten doch mit weiter zunehmenden Abwärtsrisiken und einer hohen Volatilität konfrontiert. Wie begegnet man dem als Institution, deren Verpflichtungen in der Altersvorsorge klar geregelt und vor allem sehr langfristig angelegt sind? Tobias Bockholt: Das geht nur über absolute Diversifika tion, die unseren Ansatz kennzeichnet. Nur so kann es gelingen, unwägbare negative Effekte möglichst gut auf- zufangen und abzufedern. Im Prinzip geht es darum, ein extrem robustes Portfolio aufzubauen, das nach klassi- schen Wirtschaftsräumen – Asien/Pazifik, Europa, USA – und über verschiedene Assetklassen hinweg breit ge- streut ist. Beispielsweise investieren wir strategisch etwa 20 Prozent in Aktien, und das runtergebrochen auf diese Weltregionen – also eben nicht „all in“USA, sondern mit Bedacht global verteilt. Das gilt genauso für Anleihen wie auch für Private Equity oder Private Debt. Die aktu- Enorm versierter Investmentstratege Tobias Bockholt , Jahrgang 1972, ist seit dem 1. April 2025 Bereichs- leiter Asset Management bei SOKA-BAU. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Frankfurt und Schweden kann er auf mehr als 25 Jahre Erfahrung im Investment Banking und Asset Management zurückblicken. Vor seiner Tätigkeit bei SOKA-BAU war er seit 2015 für die Unternehmensberatung Willis Towers Watson tätig, zuletzt als Vorsitzender der Geschäftsführung der WTW Investments GmbH, wo er das kontinentaleuropäische Investment Consulting verantwortete. Sein beruflicher Fokus lag insbesondere auf der Betreuung und Beratung institutioneller Anleger, speziell regulier- te Einrichtungen wie Pensionskassen und Versorgungswerke. Mit seiner umfassenden Erfahrung im Kapitalmarkt- und Investment umfeld bringt Tobias Bockholt ein breites Know-how in den Bereichen Asset Management und institutionelle Geldanlage in seine Führungsposition bei SOKA-BAU ein. THEORIE & PRAXIS | Tobias Bockholt | SOKA-BAU FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH | FÜR INSTITUTIONAL MONEY 60 N o . 3/2025 | institutional-money.com » Mit einer Zielrendite von 3,4 Prozent, wie wir sie in unserem Geschäftsbericht ausweisen, sind wir durchaus zufrieden. « Tobias Bockholt, Bereichsleiter Asset Management, SOKA-BAU
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