Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

mehr als aktuell, da liegen wir eher bei einem Prozent. Und wir dürfen nicht den gleichen Fehler machen wie beim ersten Sondervermögen, als 95 Prozent für klassische bemannte Systeme ausgegeben wurden. Das war extrem rückwärtsgewandt.Denn die Verteidigung der Zukunft ist autonom und digital. Da muss noch viel passieren. Mit „Dual Use“ meinen Sie die Nutzung und den Einsatz von militärischer Technologie in Bereichen des zivilen Sek- tors, der zivilen Wirtschaft, korrekt? Prof. Moritz Schularick: Ganz klar. Wenn wir das richtig angehen, können technologische Impulse aus dem Rüs- tungsbereich wie ein Katalysator für die gesamte Wirt- schaft wirken. Beim Thema Verteidigung geht es doch längst nicht mehr darum, einfach nur mehr Panzer zu bauen. Forschung und Entwicklung, besonders bei Schlüsseltechnologien wie etwa der künstlichen Intelli- genz, können der zivilen Wirtschaft starke Innovationen liefern. Deshalb dürfen wir nicht den Fehler machen, weiterhin fast alles in konventionelle Systeme zu stecken, sondern müssen den Strukturwandel wirklich mutig an- gehen. Die Briten haben das erkannt und geben künf- tig 80 Prozent ihres Geldes für autonome Systeme aus. Deutschland ist davon noch weit entfernt – und damit drohen wir, die Technologien von gestern zu fördern, statt Lösungen für morgen zu entwickeln. Wenn man mit dem Präsidenten des Kiel Instituts für Welt- wirtschaft sprechen kann, muss man den Immobilienmarkt ansprechen. Manche sagen, die Preisentwicklung bewege sich erkennbar nach oben. Teilen Sie diesen Optimismus? Prof. Moritz Schularick: Wir arbeiten in Kiel gemeinsam mit den Gutachterausschüssen an einem sehr präzisen Preisindex, basierend auf tatsächlich realisierten Verkaufs- transaktionen – keine Fantasie-Angebotspreise, sondern echte Marktpreise. Unsere aktuellen Daten zeigen ganz klar: Die Lage hat sich zuletzt entspannt, vielerorts dre- hen die Preise langsam wieder nach oben, wenn auch nicht überall gleich stark. Der Mietmarkt bleibt extrem angespannt, die Nachfrage nach Wohnraum ist weiterhin riesig,während der Neubau fast zum Erliegen gekommen ist. Das sorgt für kräftigen Rückenwind bei den Verkaufs- preisen, und steigende Mieten befeuern das zusätzlich. Dämpfend wirken eigentlich nur die anhaltend hohen Zinskosten für Käufer. Für viele Haushalte entscheidet der Unterschied zwischen zwei und drei Prozent Zinsen durchaus, ob man sich eine Wohnung leisten kann oder nicht. Daher sehe ich keinen neuen Boom imWohnungs- markt, allenfalls eine gewisse Stabilisierung. Solange das Zinsniveau hoch bleibt und die Unsicherheit fortbesteht, wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Haben Sie denn die Hoffnung, dass der chronische Woh- nungsmangel in Deutschland irgendwann behoben wird? Prof. Moritz Schularick: Das ist eine Frage nach der Reformfähigkeit unseres Staatswesens. Flächen gäbe es genug, und Infrastruktur ließe sich durchaus schaffen, damit sind eigentlich alle notwendigen Grundlagen vor- handen. Aber Planung, Bürokratie und eine Vielzahl von Vorschriften sorgen dafür, dass Bauvorhaben Jahrzehn- te brauchen und immer noch viel zu teuer werden. Die Tatsache, dass kaum gebaut wird, signalisiert schlicht: Es lohnt sich nicht. Entweder weil die Kosten zu hoch, die regulatorischen Auflagen zu streng oder die Bauflächen zu rar sind – oder weil sich die Verantwortlichen nicht einig werden. Die Kommunen weisen das Bauland aus, die Länder regeln den Wohnungsbau und der Bund sitzt auf dem Geld. In diesem in Teilen dysfunktionalen Sys- tem werkeln wir mit 17 verschiedenen Bauordnungen herum. So wird das nichts. Entscheidend wäre, dass wir endlich einen handlungsfähigen Staat bekommen, der Lösungsbereitschaft und Geschwindigkeit hinbekommt. Ich fürchte, das wird noch dauern. Wir danken für das Gespräch! HANS HEUSER » Entscheidend wäre, dass wir endlich einen handlungsfähigen Staat bekommen, der Lösungs­ bereitschaft und Geschwindigkeit hinbekommt. « Prof. Moritz Schularick, Präsident Kiel Institut für Weltwirtschaft 54 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Prof. Moritz Schularick I Kiel Institut für Weltwirtschaft FOTO: © TIM FLAVOR I INSTITUTIONAL MONEY

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