Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

ESG ist nach wie vor ein wichtiges Thema im institutionellen Anlageuniversum, hat aber aktuell an Bedeutung verloren und befindet sich gewissermaßen in einem Standby-Modus. Nach dem Pariser Abkommen 2015 wurde es zu einem Top- thema am Kapitalmarkt. Mit dem Beginn des Ukrainekriegs jedoch haben Anlageklassen an Rele- vanz gewonnen, die im ESG-Kontext üblicherweise ausgeschlossen werden. Dazu zählen etwa Rüs- tungsunternehmen wie Rheinmetall oder klassische Energieversorger aus dem Öl- und Gassektor. Diese Sektoren boomten, was zu erheblichen Gewinnen führte. Wir investieren im Bereich der Sachwerte gezielt in erneuerbare Energien und erwirtschaften stabile Renditen, die mit klassischen Immobilienanlagen vergleichbar sind. Unsere Investitionen sind breit gestreut: Wir halten Windkraft- und Solaranlagen u. a. in Deutschland, Skandinavien, Frankreich, Spa- nien, Italien und Großbritannien. Derzeit schauen wir uns auch Wasserkraft als weitere Komponente an. Mittelfristig können Speichertechnologien an Bedeu- tung gewinnen, auch wenn dieser Markt noch in der Entwicklung ist. Im Rentenbereich bleiben Green Bonds ein relevantes Instrument zur Finanzierung nachhaltiger Projekte. Die Transformation zur Klimaneutralität erfordert massive Investitionen, geschätzt rund fünf Billionen Euro bis 2045. Drei Bil- lionen entfallen auf ohnehin notwendige Ersatzin- vestitionen. Die verbleibenden zwei Billionen bilden die eigentliche Herausforderung, was einem jährli- chen Finanzierungsbedarf von etwa 100 Milliarden Euro entspricht. Private Haushalte in Deutschland mit einem tendenziell niedrig verzinsten Kapitalver- mögen von etwa neun Billionen Euro ließen sich über staatlich flankierte Maßnahmen für nachhaltige Investments aktivieren. Michael Dittrich, Deutsche Bundesumweltstiftung Umwelt In der Schweiz verläuft die Entwicklung von ESG-Investments weitgehend stabil, insbeson- dere bei institutionellen Investoren. Während Ban- ken und Versicherungen ESG zwar etwas zurück- haltender behandeln, bleibt das Thema bei den Pensionskassen weiterhin von hoher Bedeutung. Rund 50 Prozent der Pensionskassen integrieren ESG-Aspekte aktiv in ihre Anlagestrategien. Der Pensionskassenverband hat eine freiwillige Repor- ting-Regulation initiiert, die zwar nicht verpflichtend ist, jedoch den Schweizer Finanzplatz in Sachen Nachhaltigkeit maßgeblich stärkt. Insgesamt hat sich an der Relevanz von ESG für Pensionskassen wenig geändert. Aus meiner langjährigen Erfahrung als CIO einer besonders nachhaltigen Pensionskasse weiß ich, dass nachhaltige Investments durchaus realwirtschaftliche Wirkungen entfalten können. Allerdings gehen solche Anlagen langfristig häufig mit einer etwas niedrigeren Rendite im Vergleich zur Benchmark einher. Der politische Gegenwind, insbe- sondere während der Trump-Administration, hat vor allem Banken und Versicherungen unter Druck ge- setzt. Viele Akteure fürchten Reputationsrisiken und negative Folgen für ihre Geschäftsbeziehungen, was sich auf ihre ESG-Aktivitäten auswirkt. Insbesondere Banken hegen diese Sorge. Wer wirklich Einfluss auf die Welt nehmen möchte, sollte verstärkt den Privat- markt ins Auge fassen. Während ESG-Investitionen an den öffentlichen Märkten Wirkung zeigen, sind deren Einflussmöglichkeiten naturgemäß begrenzt. Besonders vielversprechend sind deshalb Direkt- finanzierungen innovativer Projekte, etwa im Bereich der CO 2 -Entnahme, wie sie Climeworks oder Neustart vorantreibt. Dennoch steckt die Branche besonders bei der Datenqualität noch in den Kinderschuhen. Verlässliche und aussagekräf- tige Daten sind weiterhin der größte Engpass. Diego Liechti, PKG Pensionskasse 42 N o . 3/2025 | institutional-money.com THEORIE & PRAXIS | Institutional Money Meinungsradar FOTO: © IDOPIXBOX, DANIMARCO | STOCK.ADOBE.COM, JOSE DOBLETE I UDB, PKG » « » «

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