Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

ESG ist nicht tot, sondern erwachsen gewor- den. Nach Jahren intensiver Überregulierung und hohem Aufwand für Unternehmen und Investo- ren erhoffen wir uns in den kommenden Jahren eine Gegenbewegung bei der bürokratischen Belastung und der Datenschlacht. Denn die bloße Erzeugung großer Datenmengen führt nicht automatisch zu echtem Fortschritt. Für uns bleibt Nachhaltigkeit unverändert zentral und fest in unserer Unter- nehmens-DNA verankert. Politische und gesellschaftliche Gegenwinde, etwa während der neuen Trump-Ära, prägen das Umfeld ebenso wie ein Zielkonflikt: Viele Menschen wün- schen sich nachhaltige Lösungen, doch sobald persönliche Mehrkosten spürbar werden, sinkt die Akzeptanz. Die Folgen der Klimakrise werden immer deutlicher sichtbar, und es müssten auch unpopu- läre politische Maßnahmen erfolgen. Entscheidend wird in diesem Zusammenhang sein, die Menschen mitzunehmen und zu zeigen, dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur notwendig, sondern auch attraktiv und zukunftsfähig ist. Denn fest steht: Der Energiebedarf wird in den kommen- den Jahren massiv steigen. Gleichzeitig stößt die Energiewende an Grenzen, insbesondere bei der Netzstabilität. Ein großes Zukunftsthema ist zudem die Wärmewende. Kommunen und Stadtwerke stehen vor erheblichen Investitionen, um Nah- und Fernwärmenetze auszubauen und veraltete Gas- netze durch neue Technologien zu ersetzen. Das stellt wiederum eine bedeutende Chance für Investoren dar. Wir planen daher, unsere Investi- tionen in die Anlageklasse erneuerbare Energien erheblich auszubauen. Und grundsätzlich gilt weiterhin: Wir haben bislang keinen Rendite- verzicht durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit festgestellt. Johannes Scheier, VGH Versicherungen Für uns als kirchlicher Investor ist ESG kein Trend, sondern ein grundsätzlicher Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber der Schöpfung und den Menschen. Gegentrends wie Greenhushing zeigen jedoch, dass viele Akteure verunsichert sind. Sie verfolgen zwar einerseits ihre Nachhaltigkeits- ziele weiter, vermeiden oder reduzieren anderer- seits aber die Kommunikation darüber, da sie sich vor einem Anti-ESG-Trend sorgen oder das Rechts- risiko von Greenwashing-Vorwürfen fürchten. Wenn dadurch die Häufigkeit von echtem Greenwashing tatsächlich reduziert wird, ist das sogar ein positi- ver Aspekt dieser Entwicklung. Wir erleben zudem, dass ESG zunehmend politisiert wird. So beobachten wir mit Sorge, dass sich Banken und Asset Manager aus Net-Zero-Initiativen zurückziehen. Wir meinen: Gerade jetzt braucht es eine klare ethische Orientie- rung. ESG ist also nicht tot – aber es wird heraus- gefordert. Die Menschheit ist gut beraten, das ESG-Thema weder als Trend noch als Anti-Trend, sondern als existenzielle Aufgabe zu verstehen, die dauerhaft zu bewältigen ist. Zurzeit bietet vor allem der Private-Markets-Bereich attraktive ESG-Investitionsmöglichkeiten. Nennen möchte ich hier Investitionen in die Infrastruktur, denn sie unterliegen einer längerfristigen Sonder- konjunktur und passen daher gut zu den Anforde- rungen einer Pensionskasse. Die Elektrifizierung der deutschen Volkswirtschaft ist ein solches Infrastruk- turinvestment, das zudem ESG-konform ist. Dazu gehören Stromnetze und erneuerbare Energien, aber auch weitere Anlagen wie Batterie- und Pump- speicher. Die Attraktivität von ESG-Investments rein auf Rendite zu verengen, greift jedoch zu kurz. Denn es wird immer wieder Investmentzyklen geben, in denen ESG-Titel höhere Renditen erzielen werden als Nicht-ESG-Titel und andersherum. Volker Heinke, Evangelische ZVK N o . 3/2025 | institutional-money.com 41 Institutional Money Meinungsradar | THEORIE & PRAXIS FOTO: © VGH, CHRISTOPH HEMMERICH » « » «

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