Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
V ermutlich stellen sich dieser Tage gar nicht so we- nige institutionelle Investoren die Frage: Soll man auf den Bitcoin-Zug aufspringen oder nicht? Lange Zeit war dies für Großanleger kein Thema, weil sie mangels regulatorisch akzeptierter Instrumente nicht in Bitcoin und andere Kryptowährungen investieren konnten. Das hat sich nun aber geändert. Dank entsprechender ETFs und einer wachsenden Anzahl von börsennotierten Bitcoin-Treasury- Unternehmen ist diese Anlageklasse auch für Institutionelle investierbar. Und Berichten der Finanzpresse zufolge wächst die Zahl der Pensionsfonds, Versicherungen und Family Offices, die diesen Weg gehen. Die weiter wachsenden Schuldenberge nagen am Vertrauen in die langfristigen Aus- sichten für Fiat-Währungen, was sich deutlich an der Ent- wicklung des Goldpreises ablesen lässt.Und wer „Gold“sagt, könnte – so scheint es jedenfalls – auch „Bitcoin“ sagen. Oberflächlich betrachtet weisen die beiden Anlagealternati- ven durchaus Ähnlichkeiten auf, und betrachtet man die Be- wertung der Kryptowährung in Gold, sieht man, dass beide Anlageklassen seit 2021 etwa gleichauf liegen. Mit der jun- gen Aktienkategorie der Bitcoin-Treasury-Unternehmen gibt es heute sogar eine Art Äquivalent zu Goldminenaktien. So wie bei den Bergbauunternehmen kommt es bei ihnen zu einem Hebeleffekt – hier jedoch, weil zum Teil mit Fremd- kapital gearbeitet wird. Der Zulauf, den diese Firmen erle- ben, ist beeindruckend, sie entwickeln sich langsam zu einem Faktor im Bitcoin-Markt. Statistiken von bitcointrea- sury.net zeigen: Rund 1,1 der insgesamt 21 Millionen Bit- coin liegen bei den mehr als 100 notierten Unternehmen, Gegenwert: 125 Milliarden US-Dollar oder etwa fünf Pro- zent der Bitcoin-Kapitalisierung. Dass das Halten von Bit- coin als Geschäftsmodell betrachtet wird, erscheint kurios und kann nur funktionieren, wenn der Wert der Krypto- währung tatsächlich langfristig steigt. Die Gretchenfrage lau- tet daher: Werden eine weiterhin steigende institutionelle Nachfrage und anhaltende Zuflüsse in ETFs den Preis der Kryptowährung bei sehr langsam steigendem Angebot in neue Höhen treiben, oder wird der Hype um Krypto-Trea- sury-Unternehmen in eine Katastrophe münden – einzelne Warnungen liegen bereits vor. Institutionelle Anleger muss man auf diese Risiken nicht hinweisen, sie liegen auf der Hand. Sie stellen wohl eher die Frage, ob die Risiken von Diversifikationseffekten begleitet werden.Dankenswerterwei- se hat TMC Research – es gehört zum US-Investmenthaus The Milwaukee Company – entsprechende Berechnungen angestellt. Untersucht wurden die Auswirkungen der Beimi- schung von Gold und Bitcoin (ab 2014) zu traditionellen 60/40-Portfolios aus Aktien und Anleihen.Die Analyse zeigt, dass Bitcoin-Beimischungen die Performance deutlich stei- gern, aber leider auch das Gesamtrisiko. Mit zehn Prozent Bitcoin verdoppelt sich der maximale Drawdown auf 41 Prozent. Gold hingegen senkt das Portfoliorisiko, steigert die Rendite aber nur moderat. Risikoadjustierte Portfoliokenn- zahlen (Sharpe, Sortino Ratio) verbessern sich bei der Bei- mischung beider Assets, stagnieren jedoch bei der Allokati- on von Gold oder Bitcoin ab jeweils mehr als zehn Prozent. Das Fazit der Amerikaner: Bitcoin steht noch am Anfang und muss erst beweisen, wozu es unter verschiedenen ma- kroökonomischen Bedingungen fähig ist – oder eben nicht. Wir starten in diesen Tagen die Anmeldefrist für den Institutional Money Kongress 2026 in Frankfurt und würden uns sehr freuen, wenn Sie auch im kommenden Jahr wieder mit dabei wären, um über dieses und viele andere Themen zu diskutieren. Gerhard Führing und Mamdouh El-Morsi Gerhard Führing Mamdouh El-Morsi Wer Gold sagt, … BRIEF DER HERAUSGEBER 4 N o . 3/2025 | institutional-money.com
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