Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
Besonders hoch sind die Eigenmittelanforderungen,wenn es sich nicht um eine STS-Verbriefung handelt, während STS-Verbriefungen hier bevorzugt behandelt werden. „Aber auch die bevorzugte Behandlung für den STS-Status ist nicht wirklich attraktiv, daher investieren die Versicherer auch in solche Verbriefungen zu wenig“, meint Davis. Zu umständlich und kostenintensiv Er macht außerdem die enormen Transparenzanforderun- gen in Europa verantwortlich dafür, dass der Verbriefungs- markt nicht in Schwung kommt. „Transparenz ist wichtig, aber nicht in diesem eklatanten Ausmaß. Emittenten einer Verbriefungsstruktur müssen in Europa viele hundert Da- tenfelder befüllen, bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen.Das treibt die Kosten für Verbriefungen“, nennt Davis ein konkretes Beispiel für einen zu engen Regulierungsrah- men. Kleinkauf gibt ihm recht: „Auch wir wollen keine Reform, die zurückgeht auf den Stand vor 2008. Sicherheit soll natürlich im Vordergrund stehen, aber abgestimmt auf das Risiko. Angeblich sollen die Reportinganforderungen um bis zu 35 Prozent reduziert werden, um den Arbeitsauf- wand zu reduzieren. Das begrüßen wir“, sagt Kleinkauf. Risikoretention Kleinkauf spricht auch das Thema Risikoretention an: „Der Sponsor, der in Europa ein ABS erstellt, muss fünf Prozent davon auf dem eigenen Buch behalten. Das dient einer gleichgerichteten Ausrichtung der Interessen“, erklärt Klein- kauf. Auf diese Weise bleibt auch der Emittent noch Risi- koträger. Davis sieht das lockerer: „Risikoretention ist okay, aber auch kein magischer Schlüssel. Man sollte sich lieber darum kümmern, dass die enthaltenen Kredite gut sind.“ Insgesamt ist die bessere Versorgung mit Kapital, die ein breiterer Verbriefungsmarkt verspricht, verlockend. „Es gibt derzeit einen enormen Bedarf an Kapital. Dazu sind die harmonisierte Kapitalmarktunion und eine funktionierende Spar- und Investitionsunion ein wichtiger Lösungsansatz“, meint Davis. Er dürfte damit bei den Mitgliedsstaaten auf Zustimmung stoßen, denn sie alle sind klamm und könnten an allen Ecken und Enden mehr privates Kapital gebrauchen. Erste Erfolge Mit Blick auf die Zielsetzung, verstärkt privates Kapital für die Finanzierung von Infrastruktur, Wachstum, Innovation und Transformation zu mobilisieren, könnte die Not dafür sorgen, dass es zu Lockerungen im europäischen Verbrie- fungsmarkt kommt. Erste kleine Erfolge scheinen sich abzu- zeichnen. Banken verbriefen etwas mehr, und immer mehr Asset Manager befassen sich mit dem Thema. Auch bei Investoren scheint das Interesse an ABS-Investments zu stei- gen, allerdings langsam. Immerhin sehen einige Consultants das Thema positiv und stellen es ihren Investoren vor. ANKE DEMBOWSKI EU könnte Stresstest für Nichtbanken planen Ein Testlauf für die Risiken bei Schattenbanken startet womöglich bereits 2026. S eit einiger Zeit lautet das Credo, dass private Investoren dort ein- springen sollen, wo öffentliche Mittel nicht ausreichen, und wo aufgrund der Bankenregulierung durch Basel III auch die Banken keine Finanzmittel bereit- stellen können. Der riesige Finanzbedarf für die Ver- teidigungsfähigkeit Europas, die Instand- haltung der Infrastruktur und die Umset- zung der europäischen Nachhaltigkeits- strategie sind nur einige Dinge, für die Geld benötigt wird. Da sich aber Risiken selbst durch die sorgfältigste Regulie- rung nicht eliminieren lassen, werden sie lediglich anders verpackt beziehungswei- se in andere Marktsegmente verlagert. Einige landen in Investmentfonds, in die dann wiederum private Investoren inves- tieren. Daher wollen die EU-Gesetzgeber die Risiken in der Fondsbranche besser monitoren und begrenzen (siehe auch Beitrag zum AIFMD Review und zum Fondsrisikobegrenzungsgesetz in die- sem Heft). Da die Risiken aber auch bei anderen Marktakteuren in den Büchern landen, plant die EU offenbar einen Stresstest für Nichtbanken, sogenannte Nicht-Ban- ken-Finanzintermediäre (NBFI). Ähnlich wie bei traditionellen Bankenstresstests soll bei den Testläufen ein Krisenszenario simuliert werden, um festzustellen, wie stark der Einfluss solcher Finanzmarkt- akteure auf die Stabilität des Finanz- systems wäre. Anschließend sollen even- tuelle Schwachstellen im Schattenban- kensystem identifiziert und die daraus erwachsenden Risiken auf das Finanz- system ermittelt werden. Laut Insidern laufen derzeit Gesprä- che zwischen den wichtigsten europäi- schen Aufsichtsbehörden über Ausge- staltung und Umfang des Tests. Ein Start sei bereits im kommenden Jahr möglich, heißt es in einem Bericht der „Financial Times“. An anderer Stelle wird die Pla- nung eines solchen Stresstests demen- tiert. Fest steht: Man will auch den Nicht- Banken-Sektor im Blick haben. So hat Claudia Buch, Vorsitzende der EZB-Ban- kenaufsicht, gesagt, dass es wichtig sei, die Risiken der NBFI besser zu verstehen und adäquat zu regulieren. N o . 3/2025 | institutional-money.com 249 Verbriefungen | STEUER & RECHT FOTO: © RALF-SEEKATZ.EU » Ein stabilerer Verbriefungsmarkt wird dabei helfen die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken. « Ralf Seekatz, Mitglied des EU-Parlaments (CDU/CSU). Berichterstat- ter für das europäische Verbriefungsrahmenwerk
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