Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

besserer Bonität. „Im Fall eines Kreditausfalls sind die Equi- ty-Investoren diejenigen, die die Verluste zuerst tragen. Im europäischen ABS-Markt haben wir aber seit 2014 keinen einzigen Ausfall gesehen“, beruhigt Kleinkauf. Er ergänzt noch: „ABS-Papiere sind standardisiert und daher relativ gut miteinander vergleichbar. Außerdem gibt es für sie einen liquiden Handel und einen belastbaren Track Record. Das macht sie vorteilhaft gegenüber Private Debt.“Er merkt an: „Vermutlich würden Investoren viel stär- ker in solche Verbriefungen investieren, wenn das Angebot breiter wäre. Das eine beflügelt ja das andere.“ Gut für den europäischen Markt Auch mit Blick auf den gemeinsamen Markt wäre eine bes- sere Entwicklung des Verbriefungsmarktes wünschenswert. Mehrere hochrangige EU-Persönlichkeiten mahnen an, den europäischen Markt wettbewerbsfähig zu machen. Ihr gemeinsames Credo ist: Um die Finanzierung der gemein- samen Ziele bewerkstelligen zu können, sind eine harmoni- sierte Kapitalmarktunion beziehungsweise eine Spar- und Investitionsunion ein wichtiger Lösungsansatz. Private Inves- titionen werden hier dringend benötigt. Die Investoren wie- derum suchen gute Anlagemöglichkeiten – vom Prinzip her scheint es also zu passen! Hochrangige Berichte beschäftigen sich damit, wie man die Wettbewerbsfähigkeit des gemeinsamen europäischen Marktes erhöhen kann: Den Berichten von Mario Draghi, Enrico Letta und von Christian Noyer ist gemeinsam, dass sie eine Entbürokratisierung und Vereinfachung des Rechts- rahmens fordern, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Insbesondere die Noyer Group beschäftigt sich mit der Wiederbelebung des europäischen Verbriefungsmarktes und sieht darin ein wesentliches Instrument zur Finanzie- rung der europäischen Wirtschaft, da sie die Streuung von Risiken ermöglichen. Konkret fordert Noyer einen Umset- zungsplan für folgende Themen: • Senkung der Eigenkapitalanforderungen für Banken und Versicherungen, also Anpassung der Risikogewichte in Basel III und Solvency II • Anpassung der Liquiditätsvorschriften, z.B. durch die Verbesserung der Anerkennungsfähigkeit für die Liquidity Coverage Ratio (LCR) für Banken • Deutlicher Bürokratieabbau, z.B. Vereinfachung der Offenlegungspflichten • Ausweitung der regulatorischen Erleichterungen, auch für Verbriefungen, die nicht als STS („simple, transparent and standardised“) ausgewiesen werden Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass Investo- ren vermehrt in Verbriefungen investieren. Um einen höhe- ren Standardisierungsgrad zu erreichen, schlägt Noyer eine europäische Verbriefungsplattform vor, insbesondere für risi- koarme Anlageklassen wie RMBS. Die Plattform soll unter anderem durch nationale Garantien gestützt werden. Fokus auf europäische Verbriefungen Man könnte auf die Idee kommen, dass europäische Inves- toren einfach auf außereuropäische Produkte zurückgreifen könnten, solange der europäische Markt nicht breit genug ist, aber das ist nicht ohne Weiteres möglich. „Es gibt viele Barrieren, warum Investoren aus Europa und Großbritan- nien davon abgehalten werden, in ABS-Papiere zu investie- ren, speziell in US-amerikanische ABS. Europäische Inves- toren dürfen nicht in Securitisation-Produkte investieren, deren Emittent nicht über das ESMA-Template verfügt. Aber längst nicht alle Emittenten erstellen diese Templates. Auf diese Weise sind europäische Investoren von etwa 70 Prozent des globalen Verbriefungsmarktes ausgeschlossen“, sagt Davis. „Die EU ist die einzige Rechtsordnung weltweit, die von Anlegern verlangt, dass sie überprüfen, ob Emitten- ten von Verbriefungen die exakten Vorgaben des lokalen Rechts erfüllen. Außerdem sind die Eigenmittelanforderun- gen für ABS-Investments in Europa sehr hoch. Das Stan- dardmodell in Solvency II straft sie ab, was aus Risikosicht nicht gerechtfertigt ist“, meint Davis und fordert Erleich- terungen, zumindest bei den gut gerateten Tranchen. Er verweist darauf, dass die Eigenmittelanforderungen für Verbriefungen in den USA pari passu sind mit den in der Verbriefung enthaltenen Darlehen, und wünscht sich das auch für Europa. Verbriefungen (ABS) gibt es mit verschiedenen Schwerpunkten, je nachdem, welche Kredite als Sicherheiten verwendet werden. Asset Backed Securities (ABS) Sicherungsportfolio Asset Backed Securities im engeren Sinn Autokredite, Bankkredite, Kreditkartenforderungen, Leasingforderungen Mortgage Backed Securities (MBS) Hypothekenbesichertes Wertpapier, Wohnimmobilien (RMBS), Gewerbeimmobilien (CMBS), Collateralized Mortgage Obligations (CMO) Collateralized Debt Obligations (CDO) Collateralized Loan Obligations (CLO) Collateralized Bond Obligations (CBO) Asset Backed Securities im weiteren Sinn Besichertes Geldmarktpapier (ABCP) Asset Backed Securities (ABS) sind strukturierte Finanzprodukte, die durch Pooling von unterschiedlichen Krediten entstehen und an Investoren weiterverkauft werden. Quelle: Andreas Jobst, Collateralized Loan Obligations (CLOs): A Primer CFS Working Paper, 2003, S. 11 248 N o . 3/2025 | institutional-money.com STEUER & RECHT | Verbriefungen FOTO: © PGIM » Die Eigenmittelanforderungen für ABS- Investments in Europa sind sehr hoch. Das Standardmodell in Solvency II straft sie ab. « Taggart Davis, Vice President für Government Affairs EMEA beim Asset Manager PGIM

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