Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

N och immer lösen ABS-Papiere bei einigen Inves- toren ungute Gefühle aus, denn der Schock, den die globale Finanzkrise 2007/2008 auslöste, sitzt tief. Die ursprünglich gute Idee, eine Vielzahl von Krediten gebündelt zu verbriefen – vom Immobilien- über den Stu- denten- und Autokredit bis hin zu Kreditkartenforderungen –, wurde dadurch nachhaltig beschädigt. Bekanntlich waren es vor nunmehr fast 20 Jahren verbriefte Subprime-Kredite auf US-Wohnimmobilien, die, ausgestattet mit unangemessen guten Bonitätsratings, die Krise verursachten.Weltweit saßen Investoren auf vermeintlich soliden Papieren, um am Ende festzustellen, dass sie getäuscht worden sind.Und weil davon auch viele Banken und Versicherungen betroffen waren, mussten Staaten mithilfe von Steuergeld rettend eingreifen, um einen vollständigen Kollaps zu verhindern. Bis heute begegnen Investoren Verbriefungen immer noch mit einer gehörigen Portion Skepsis, zumindest in Europa. Beispielsweise sind die deutschen Versicherer aktuell nur mit etwa einem Prozent ihrer Kapitalanlagen in Verbriefungen investiert, und auch die anderen Investoren – beispielsweise Depot-A-Manager – greifen nur zaghaft zu. Zu zaghaft aus Sicht der EU-Kommission. Sie will Fortschritte im europäi- schen Verbriefungsmarkt sehen und hat daher unlängst einen Legislativvorschlag zur Verbesserung des Verbriefungsrahmen- werks zur Konsultation gestellt,(COM(2023) 261 final). Die wichtigsten Inhaltspunkte des Legislativvorschlags sind: • Erhöhung der Transparenz: Eine umfassendere Offenlegungspflicht für Emittenten von verbrieften Produkten soll eingeführt werden. • Standardisierung: Die Einführung standardisierter Verbriefungsprodukte soll den Marktzugang erleichtern und das Vertrauen der Investoren stärken. • Nachhaltige Finanzierungsziele: Besondere Regelungen für grüne Verbriefungen sollen Anreize bieten, damit mehr in umweltfreundliche Projekte investiert wird. • Verbesserung des Aufsichtsrahmens: Eine Stärkung der nationalen Aufsicht wird angestrebt. Der Legislativvorschlag befindet sich derzeit in der ersten Phase des Gesetzgebungsverfahrens. Ralf Seekatz wurde zum Berichterstatter des Europäischen Parlaments für das euro- päische Verbriefungsrahmenwerk ernannt. Er ist Mitglied des EU-Parlaments und dort stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe. „Ein stabilerer Verbriefungsmarkt wird dabei helfen, die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stär- ken, und dazu beitragen,mehr Investitionen in die Realwirt- schaft zu lenken“, ist Seekatz überzeugt. „Das ist der erste große Legislativvorschlag unter der Agenda der Europäischen Spar- und Investitionsunion, und wir rechnen damit, dass das Gesetz vermutlich 2027 wirksam wird. Eine angemessene Reform des Verbriefungs- marktes könnte in wenigen Jahren gut eine Billion Euro an Investitionsvolumen freisetzen“, ist Taggart Davis opti- mistisch. Er ist Vice President für Government Affairs EMEA beim Asset Manager PGIM und betreibt Lobby- arbeit in Brüssel, um den legislativen Prozess in die aus seiner Sicht richtige Richtung zu lenken. Bisher hält er die Rahmenbedingungen für Verbriefungen in Europa für zu restriktiv. „Sie sind zu sehr auf die Emittenten fokussiert. Es fehlt die Stimme der Investoren. Diese werden infanti- lisiert“, meint Davis. „Ziel der EU-Kommission ist, dass der europäische Ver- briefungsmarkt breiter und tiefer wird und gegenüber dem Markt in den USA aufholt“, sagt Alexander Kleinkauf, Co- Head of Distribution,Germany & Austria bei Insight Invest- ment in Frankfurt. Der Asset Manager investiert nennens- wert in ABS-Papiere, beispielsweise über den Insight High Grade ABS Fund. „Es ist nachvollziehbar, dass der Regulator nach der Finanzkrise 2008 die Standards für ABS-Verbriefun- gen angehoben hat“, meint Kleinkauf. Die Regulatorik hat Verbriefungen sicherer und transparenter gemacht. Gleich- zeitig wurden auch die Kapitalanforderungen der Investoren für ABS-Investments angehoben. „Bevor die Kapitalanfor- derungen für Verbriefungen in der Solvency-II-Richtlinie erhöht wurden, hatten zumindest die Sach- und Schaden- versicherer relevante Allokationen in ABS-Papieren. Nun sind sie kaum mehr darin investiert“, beobachtet Kleinkauf. Die Europäische Kommission hat ihren Legislativvorschlag für eine Verordnung zur Verbesserung der Verbriefungsrahmenwerke vorgestellt. Es geht dabei darum, den europäischen Verbriefungsmarkt wiederzubeleben . Verbriefungs reform 246 N o . 3/2025 | institutional-money.com STEUER & RECHT | Verbriefungen

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=