Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

es wichtig, dass die Unternehmen sie auch wirklich gut verstehen und dass sie das entsprechende Fachpersonal haben. Das ist uns als Aufsicht wichtig, und darauf wer­ den wir achten – ganz gleich ob Infrastrukturinvestments politisch gewollt sind oder nicht. Sie werden also in Ihrer Aufsicht nicht weicher, bloß weil die Politik an bestimmten Stellen Geld braucht? Julia Wiens: Nein. Wir bleiben bei unseren Anforde­ rungen und sind dabei auch sehr klar. Die meisten Versi­ cherer sind jedoch in der Lage, auch komplexe Anlagen gut zu managen. In Deutschland gibt es relativ viele, auch ziemlich kleine Versicherer. Würden Sie denn eine Marktkonsolidierung begrüßen? Julia Wiens: Industriepolitik ist nicht Aufgabe der Auf­ sicht. Ob es zu einer Marktkonsolidierung kommt, ist eine unternehmerische Entscheidung. Uns ist wichtig, dass alle Versicherer unabhängig von ihrer Größe in der Lage sind, ihre Leistungen ordentlich und dauerhaft zu erfüllen und damit die Versprechen einzuhalten, die sie den Kundinnen und Kunden gegeben haben. Zuletzt wurde öfter über Run-offs berichtet. Wie sehen Sie als Aufsicht solche Bestandsübertragungen? Julia Wiens: Auch die Abwicklung eines Versicherungsbe­ stands, also der sogenannte Run-off, ist in erster Linie eine unternehmerische Entscheidung. Sie sprechen konkret Bestandsübertragungen an. Das kann aus ökonomischer Perspektive durchaus sinnvoll sein. Im Run-off stehen die Unternehmen irgendwann vor dem Problem, dass sie die Verwaltung aufrechterhalten müssen für einen Bestand, der einfach zu klein geworden ist. Dann ist es unter Um­ ständen sinnvoll, den Bestand mit anderen Beständen zu­ sammenzulegen, um Skaleneffekte und Effizienzgewinne zu erzielen, etwa auch in der Kapitalanlage. Aus aufsicht­ licher Perspektive zählt allein, dass dabei die Belange der Versicherten gewahrt bleiben – darauf achten wir. Wie steht es um die Sicherheit der IT-Systeme der Versiche- rer? Wie gut haben die Gesellschaften die DORA-Verord- nung umgesetzt? Julia Wiens: Die DORA-Verordnung ist erst am 17. Januar dieses Jahres in Kraft getreten; die ersten DORA-Prüfun­ gen sind gerade angelaufen. Daher ist es noch zu früh, den Stand der Umsetzung zu beurteilen. Ich bin aber überzeugt, dass insbesondere die Versicherungsunter­ nehmen, die die VAIT umfassend umgesetzt haben, auch bei DORA gut aufgestellt sind. Insgesamt stellen wir fest, dass die Versicherer ihre Bemühungen rund um das The­ ma IT-Sicherheit verstärkt haben. Das Thema bekommt eine immer zentralere Bedeutung. Teilweise gibt es aber noch grundlegende Mängel, etwa beim IKT-Risikoma­ nagement. Hier erwarten wir von den Unternehmen, dass sie dranbleiben und weiter in ihre IT und speziell in die IT-Sicherheit investieren. Vom Thema IT-Systeme zum Thema KI: Die Versicherer müssen sehr große Datenmengen an die BaFin liefern, und Sie müssen diese Daten ja auch lesen und verarbeiten. Set- zen Sie bereits KI ein, um bestimmte Risiken zu erkennen? Julia Wiens: Ja, das tun wir! KI ist eine Schlüsseltechno­ logie des 21. Jahrhunderts. Kein Unternehmen und kei­ ne moderne Behörde kommt daran vorbei, KI zu nut­ zen. Wir haben eine eigene KI-Plattform, die uns die Dokumentenanalyse vereinfacht. Sie hilft uns dabei, gro­ ße Mengen an Dokumenten zu durchsuchen, zu verglei­ chen und zusammenzufassen. Auch kann sie Texte gene­ rieren, umformulieren und übersetzen. Aber eines ist mir wichtig: KI ist ein hilfreiches Instrument, das uns bei der täglichen Arbeit unterstützt, aber menschliches Know- how wird sie nie voll ersetzen. Wir danken für das Gespräch! ANKE DEMBOWSKI STEUER & RECHT | Julia Wiens | BaFin FOTO: © CORNELIS GOLLHARDT | INSTITUTIONAL MONEY 244 N o . 3/2025 | institutional-money.com » Das Thema Liquiditätsmanagement ist für uns relevant, da schauen wir sehr genau hin. « Julia Wiens, Leiterin des Geschäftsbereichs Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, BaFin

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