Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

dere das Reporting. So wird beispielsweise die Frequenz des narrativen Berichtswesens reduziert. Und was tut sich im Bereich Nachhaltigkeit? Julia Wiens: Das Nachhaltigkeitsthema ist generell sehr politisch. In der jetzigen Ausgestaltung sind die Vorga- ben im Bereich Nachhaltigkeit zu komplex und wirken daher zu wenig. Daher setzen wir uns für Vereinfachun- gen ein. Mit dem Omnibus-Paket hat die EU-Kommis- sion Vorschläge für einfachere und effizientere Berichts- und Sorgfaltspflichten vorgelegt. Das begrüßen wir. Als BaFin sehen wir aber Bedarf für mehr Konsistenz und weitere Klarstellungen, etwa in Bezug auf mögliche Datenabfragen. Regulierung muss wirksam und effizient sein, auch im Bereich Nachhaltigkeit! Müssen Lebensversicherer und Pensionskassen eigentlich künftig Vermögensbestände an das geplante europäische Vermögensregister (EU Asset Register) melden? Wenn ich Versicherungshäuser dazu frage, sagen die, dass sie noch gar nichts davon gehört haben. Dabei handelt es sich immer- hin um eine EU-Verordnung, die 2027 scharf wird. Julia Wiens: Das EU Asset Register wird aktuell auf poli- tischer Ebene diskutiert. Daher kann ich zu dem Thema nichts sagen. Reden wir über die Resilienz der Branche. Die geopoliti- schen und wirtschaftlichen Krisen weiten sich aus – Stich- wort Handelskrieg EU-USA. Wie gut sind die deutschen Lebensversicherer dabei für die Zukunft aufgestellt? Julia Wiens: Die Lebensversicherer sind im Moment sehr robust aufgestellt, wobei der Zinsanstieg der letzten Jahre geholfen hat. Die Solvabilitätsanforderungen sind mitt- lerweile auch ohne Übergangsmaßnahmen auskömm- lich. Das ist eine solide Basis, und wir möchten, dass das so bleibt. Daher setzen wir uns dafür ein, dass es durch den Solvency II Review nicht zu Aufweichungen bei den Kapitalanforderungen kommt. Denn das jetzige Si- cherheitsniveau hat dafür gesorgt, dass die Versicherer so resilient sind. Die Zinswende hat den Markt verändert. Was bedeutet das für die Kapitalanlagestrategien von Lebensversiche- rern und Pensionskassen? Julia Wiens: Versicherer sind traditionell sehr stark in festverzinsliche Anleihen investiert. Durch den Zins­ anstieg sind die stillen Lasten gestiegen. Solange die Versicherer die Papiere bis zur Endfälligkeit halten, sind die stillen Lasten unproblematisch. Wenn sie die Papiere aber vorzeitig verkaufen möchten oder müs- sen, kann es theoretisch zu Liquiditätsengpässen kom- men. Deswegen ist das Thema Liquiditätsmanagement für uns so relevant, da schauen wir sehr genau hin. Die Versicherer haben ihre Kapitalanlagestrategien ver­ ändert. Im Niedrigzinsumfeld haben sie stärker in alter­ native Kapitalanlagen wie Private Equity und Private Debt investiert, da mit festverzinslichen Anlagen keine adäquate Rendite zu erzielen war. Ich denke, dass alter­ native Anlagen ein fester Bestandteil in den Portfolios der Lebensversicherer bleiben werden. Die Bundesregierung plant ein neues Infrastruktur-Inves- titionspaket in Höhe von 500 Milliarden Euro. Welche Rolle könnten oder sollten Investoren bei der Finanzie- rung solcher Projekte spielen? Und wie bewerten Sie mögli- che Zielkonflikte zwischen langfristiger Stabilität und po- litisch gewollter Kapitallenkung? Julia Wiens: Grundsätzlich passen Infrastrukturinvest­ ments gut zu den versicherungstechnischen Rückstel­ lungen der Lebensversicherer und Pensionskassen – allein schon aufgrund ihrer langen Laufzeiten. Sie bieten außerdem eine akzeptable Rendite und dienen der Diversifikation des Kapitalanlageportfolios. Die Ge- sellschaften müssen dabei aber die Liquidität im Blick haben. Und dann wären wir wieder beim Risikomanage- ment und der Risikotragfähigkeit. Solche Investments sind komplexer als normale Staatsanleihen. Daher ist Julia Wiens | BaFin | STEUER & RECHT N o . 3/2025 | institutional-money.com 243 » Bürokratieabbau bleibt auf unserer Agenda. « Julia Wiens, Leiterin des Geschäftsbereichs Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, BaFin

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=