Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
Thema in den Unternehmen ist die Governance, die gute Unternehmensführung, und die wird letztlich von den Führungspersönlichkeiten in den Unternehmen geprägt. Welche neuen regulatorischen Anforderungen erwarten die Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren? Julia Wiens: Ich möchte hier zwei Themen herausgreifen, mit denen wir uns im Moment intensiv beschäfti- gen, nämlich den Solvency II Review und die IRRD, also die Insurance Recovery and Resolution Directive. Durch den Solvency II Review wird es zu einigen Verän- derungen bei den Kapitalanforderungen kommen. Da- bei ist uns wichtig, dass die quantitativen Anforderun- gen weiterhin das jeweilige Risiko adäquat abbilden; es darf nicht zu einer Aufweichung der Kapitalanforde- rungen kommen. Denn das könnte dazu führen, dass die Unternehmen die tatsächlichen Risiken unterschät- zen, was den Schutz der Versicherungsnehmer gefährden würde. Die IRRD schafft einen europaweit einheitlichen Rechtsrahmen für die Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen und ermöglicht damit ein schnelles Eingreifen in Stress- und Krisensituationen. Die Sanierungsplanung soll sicherstellen, dass Aufsicht und Unternehmen auf mögliche Krisen vorbereitet sind; die Abwicklungsplanung soll den „worst case“ eines Abwick- lungsfalls vorbereiten. Beides ist wichtig für den Schutz der Versicherungsnehmerinnen und -nehmer. Durch den Solvency II Review wird es auch zu Vereinfa- chungen für kleinere Unternehmen kommen. Julia Wiens: Das begrüßen wir ausdrücklich, denn das ist im Sinne der Proportionalität. Kleinere Unternehmen können die Vereinfachungen automatisch anwenden, alle anderen Unternehmen können Vereinfachungen beantragen – und werden eine entsprechende Genehmi- gung erhalten, sofern ihr Risikoprofil das zulässt. Über Bürokratieabbau wird viel gesprochen, aber wenn man mit den Versicherern redet, sagen die, dass sie davon nichts merken. Ist da noch was in der Pipeline, was Büro- kratieabbau und Erleichterung bei den Reporting-Anfor- derungen betrifft? Julia Wiens: Bürokratieabbau ist wichtig, aber eine ver- nünftige Umsetzung ist nicht einfach. Die Balance muss stimmen zwischen der erforderlichen Regulatorik, et- wa auch für neue Risiken, und aufsichtlichen Anforde- rungen, über die man sagt: „Okay, hier haben wir in der Vergangenheit womöglich zu viel gemacht.“ Das ist ein Spagat, an dem wir arbeiten. Ganz klar: Bürokratieabbau bleibt auf unserer Agenda. Wo gibt es denn bereits Bürokratieabbau? Julia Wiens: Beim Solvency II Review gibt es schon die eine oder andere Erleichterung.Diese betreffen insbeson- Diplom-Mathematikerin mit scharfem Blick auf Versicherungen Julia Wiens ist seit Januar 2024 Exekutivdirektorin für den Geschäfts bereich Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Zuvor war sie in verschiedenen Funktionen bei Baloise (ehemals Basler Versicherungen) tätig, zuletzt von 2017 bis 2023 als Vorständin für das Ressort Finanzen/Kapital anlagen und seit 2021 zusätzlich für das Ressort Lebensversicherung. Ihre berufliche Laufbahn begann Wiens 1994 bei der Securitas Gilde in der Lebensversicherung, wo sie zuletzt als Grup penleiterin Finanzen im Aktuariat Leben tätig war. 2006 wechselte sie zum Deutschen Ring als Abteilungsleiterin für Aktuarielle Analysen Nichtleben. Von 2009 bis 2017 besetzte sie verschiedene Führungsrollen bei Baloise in Deutschland, z.B. als Leiterin Aktuariat Nichtleben und Industriekundenservice sowie Leiterin Risikosteuerung. Wiens hat an der Universität Bremen studiert mit Abschluss Diplom-Mathematikerin. STEUER & RECHT | Julia Wiens | BaFin FOTO: © CORNELIS GOLLHARDT | INSTITUTIONAL MONEY 242 N o . 3/2025 | institutional-money.com » Die Lebensversicherer sind im Moment sehr robust aufgestellt. Dabei hat auch der Zinsanstieg der letzten Jahre geholfen. « Julia Wiens, Leiterin des Geschäftsbereichs Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, BaFin
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