Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

diesem Bereich aktuell nicht – und das obwohl die Ver­ sicherer inzwischen relativ stark in alternative Kapital­ anlagen investiert sind – solche Anlagen machen rund 20 Prozent der gesamten Kapitalanlage aus, wenn man wie wir auch Immobilien dazu zählt. Gleichzeitig erhöht sich durch die Diversifikation der Kapitalanlagen die Resilienz der Versicherer. So sind die Unternehmen beispielsweise gut durch die jüngsten Marktturbulenzen gekommen. Alternatives sind ja etwas komplexer, gerade was Bewer­ tung und Liquidität betrifft. Erwarten Sie, dass es hier kon­ krete Leitplanken geben wird? Julia Wiens: Nein. Wie die Versicherer ihr Risikomanage­ ment im Einzelnen ausgestalten, bleibt ihnen selbst über­ lassen. Wir werden die prinzipienbasierten Ansätze von Solvency II weiter stärken, auch bei alternativen Kapital­ anlagen. Eine Sache, die nichts mit Alternatives oder der Kapital­ anlage zu tun hatte: Anfang 2025 kam es zu Insolvenzen. Der Digitalversicherer Element Insurance AG ist pleite. Wie konnte es so weit kommen? Haben die Vorwarnsys­ teme der BaFin versagt? Julia Wiens: Bei Element trat die Überschuldung ein, nachdem dem Versicherer der Rückversicherungsschutz gekündigt worden war. Als wir darüber informiert wurden, haben wir unverzüglich reagiert und veranlasst, dass Element kein Neugeschäft mehr schreiben darf. Denn ohne Rückversicherungsschutz darf kein Schaden­ versicherer tätig sein. Gab es im Vorfeld nicht schon Anzeichen, dass etwas im Argen liegt? Julia Wiens: Wir haben Element schon im Vorfeld eng begleitet. Das Thema Rückversicherungsschutz liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung der Versiche­ rer. Der Vorstand muss dafür sorgen, dass immer aus­ reichend Rückversicherungsschutz besteht. Gibt es keine Berichtspflicht über Rückversicherungsschutz? Julia Wiens: Nein, die Unternehmen müssen uns nicht über laufende Verhandlungen informieren. Die Nach­ richt, dass Element der Rückversicherungsschutz gekün­ digt worden war, kam daher auch für uns überraschend. Werden Sie demnächst genauer auf den Rückversiche­ rungsschutz achten? Julia Wiens: Wir ziehen unsere Schlüsse aus der Insolvenz von Element. Gesellschaften, die von einem einzelnen Rückversicherer abhängig sind, müssen dies künftig in den Berichten zur unternehmenseigenen Risiko- und Sol­ vabilitätsbeurteilung (Own Risk and Solvency Assessment – ORSA) thematisieren. Sie müssen auch Stressszenarien berücksichtigen, etwa was passiert, wenn der Rückver­ sicherungsschutz wegfallen oder sich die Prämie mas­ siv erhöhen sollte. Damit haben sowohl wir als auch die Unternehmen selbst einen besseren Blick auf das Thema. Sie sagten, dass das Kapitalanlagerisikomanagement im­ mer wichtiger wird. Dazu brauchen die Versicherungen aber die entsprechenden Mitarbeiter. Macht Ihnen da der Fachkräftemangel Sorgen? Julia Wiens: Der Fachkräftemangel ist ein relevantes The­ ma. Das betrifft den gesamten Arbeitsmarkt und damit natürlich auch die Versicherer und Pensionskassen. Wir sensibilisieren die von uns beaufsichtigten Unternehmen dafür, dieses Thema sehr ernst zu nehmen. Manche sagen, die BaFin trage selbst zum Personalengpass bei, weil sie die Anforderungen sehr hoch setzt – beispiels­ weise bei der Genehmigung von Geschäftsführern. Julia Wiens: Uns ist wichtig, dass die handelnden Perso­ nen in den Versicherungsunternehmen „fit and proper“ sind, auf Deutsch: fachlich geeignet und zuverlässig. Das ist unser Auftrag, und das prüfen wir auch. Ein zentrales Julia Wiens | BaFin | STEUER & RECHT N o . 3/2025 | institutional-money.com 241 » Uns als Aufsicht ist wichtig, dass die Unternehmen ein leistungsstarkes Kapitalanlagerisikomanagement haben. « Julia Wiens, Leiterin des Geschäftsbereichs Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht, BaFin

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