Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
boten, wobei Fidelity Investments in den USA sieben semi- transparente ETFs mit Assets im Volumen von knapp sechs Milliarden US-Dollar verwaltet. In Europa war es die fran- zösische Regulierungsbehörde, die im Juni 2024 als Erste ihre Haltung zu den Transparenzanforderungen lockerte. Im Dezember 2024 folgte Luxemburg und im April 2025 die Central Bank of Ireland (CBI) für die in Irland domizi- lierten ETFs. Neue Flexibilität Der Asset Manager Fidelity International hat gleich von der jüngsten Lockerung der Offenlegungspflichten für Port- folios durch die irische Aufsichtsbehörde Gebrauch gemacht und Anfang September seinen ersten von der CBI geneh- migten semitransparenten ETF an verschiedenen europäi- schen Börsen listen lassen. „Es handelt sich dabei um den Fidelity US Fundamental Small-Mid Cap UCITS ETF, eine Strategie, die die besten Ideen von Fidelitys US-amerikani- schen Researchanalysten zusammenfasst und daher stärker vom Index abweichen kann und soll“, erklärt Stefan Kuhn. Er verrät,warum bei diesem Fonds die eingeschränkte Trans- parenz wichtig ist: „Weil wir mit dieser Strategie aktiv von der Indexzusammensetzung abweichen und uns außerdem im Small- und Mid-Cap-Bereich bewegen, wollen wir nicht, dass der Markt jeden Tag nachvollziehen kann, wo wir eine Position auf- oder abbauen.“ Der Fonds veröffentlicht sein Portfolio zumQuartalsende – mit einem Monat Zeitverzug – und nutzt dabei die iri- sche Ausgestaltung der semitransparenten Regulierung. „Mit dieser nachgelagerten Transparenz können andere Marktteilnehmer nicht so gut Frontrunning betreiben oder die Strategie nachbilden“,meint Kuhn. Die Transparenz hält er immer noch für ausreichend, insbesondere im Vergleich mit traditionellen UCITS-Fonds, bei denen die Investoren lediglich Halbjahresberichte erhalten – und auch das mit Zeitverzug. „Unsere Market Maker und Authorized Participants (APs) bekommen nach wie vor täglich die vollständigen Portfoliobestände“, sagt Kuhn. Damit können die APs das mit der Schaffung und Rücknahme neuer ETF-Anteile ver- bundene Risiko hedgen, und die Market Maker können am Sekundärmarkt für Liquidität sorgen. Sie unterschrei- ben eine Geheimhaltungsvereinbarung (Non-Disclosure Agreement, NDA), damit der breite Markt diese Informati- on nicht erhält. Fidelity ist froh, dass nun auch Irland semitransparente ETFs genehmigt. „Für unsere europäischen ETFs nutzen wir Irland als Domizil, weil unsere Kunden so von den Quellen- steuervorteilen für US-Aktien profitieren können; aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens beträgt die Steuer auf US-Dividenden hier nur 15 statt 30 Prozent. Und der ETF-Markt ist stark durch US-Underlyings getrieben – nicht nur bei US-Strategien, sondern auch bei globalen Anlagen, da der US-Markt einen sehr großen Anteil am globalen Aktienmarkt ausmacht“, sagt Kuhn. ANKE DEMBOWSKI Die ETF-Welt hat sich seit ihren Anfängen in Teilen schon sehr weit von der Ursprungsidee, einfach billig einen breiten Aktienindex abzubilden, entfernt. Mit den Innovationen muss auch das Reglement für diese Fondsgruppe angepasst werden. N o . 3/2025 | institutional-money.com 237 Semitransparente ETFs | PRODUKTE & STRATEGIEN FOTO: © MAKSYM YEMELYANOV | STOCK.ADOBE.COM » Je aktiver eine Strategie ist, desto herausfordernder wird die tägliche Offenlegung des ETF-Portfolios. « Stefan Kuhn, Head of Distribution Central Europe and ETF & Index Distribution, Europe bei Fidelity International
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=