Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

D ie hohe Transparenz wird oft als einer der Vorteile von ETFs genannt. „Bis vor einigen Jahren waren alle ETFs reine Indextracker. Dazu gehört, dass man täglich die Fondsbestandteile ansehen konnte“, sagt Stefan Kuhn,Head of Distribution Central Europe and ETF & Index Distribution Europe. „In den letzten Jahren gab es eine Bewegung hin zu Enhanced Indexing. Damit versucht man, in klar abgesteckten Grenzen Alpha zu generieren.“ Unterschiedliche Aktivitätsgrade Nicht jeder ETF-Anbieter muss dabei so weit gehen wie Cathy Wood, die höchst aktive Strategien in einen ETF- Wrapper packt. Beispielsweise bewegt sich auch der Asset Manager Fidelity von Enhanced Indexing nun noch ein Stück weiter in Richtung aktives Management. „Bei einer voll aktiven Strategie haben Sie vielleicht einen Tracking Error von sieben bis neun Prozent gegenüber der Bench- mark. Mit einer Enhanced-Indexing-Strategie liegt die Abweichung eher bei einem bis zwei Prozent. Das ist zwar eine signifikante Abweichung vom Index, aber immer noch nah am Index. Jetzt launchen wir zwei ETF-Strategien, bei denen wir noch deutlicher vom Index abweichen können. Pro Position können wir hier eine Über- oder Untergewichtung von bis zu 2,5 Prozent haben, und ähn- liche Abweichungen gibt es auch bei der Sektor- und Ländergewichtung. Dadurch entsteht insgesamt ein Tracking Error von zwei bis vier Prozent“, erklärt Kuhn und kommt zum Punkt: „Je aktiver eine Strategie ist, desto herausfordernder wird die tägliche Offenlegung des ETF- Portfolios. Dies gilt ganz besonders im Bereich der Small und Mid Caps.“ Insbesondere die Anbieter von ETFs mit aktiven Strate- gien haben Bauchschmerzen, wenn sie täglich ihre voll- ständigen ETF-Portfolios offenlegen müssen. Vor allem in Zielmärkten mit geringer Liquidität befürchten sie Front- running oder den Nachbau ihrer Strategien. Regulatoren weichen Transparenzregeln auf Die Regulatoren nehmen die Bedenken ernst, und als Erster weichte der US-Regulator die Transparenzregeln auf und ermöglichte semitransparente ETFs, die ihr Portfolio statt täglich lediglich quartalsweise veröffentlichen. Inzwischen gibt es in den USA laut ETF Stream 51 semi- transparente ETFs, deren Volumen sich auf insgesamt 19 Milliarden US-Dollar summiert. Sie werden unter ande- ren von Fidelity, T. Rowe Price und American Century ange- Aktives Management bei ETFs spricht für die Lockerung der Transparenzanforderungen. Einige nationale Aufsichten lassen seit Kurzem auch semitransparente ETFs zu. Fidelity Investments ist der erste Anbieter, der die neuen Regelungen der irischen Aufsicht nutzt. Transparenz -Reduktion Äußerst anpassungsfähiges Instrument ETFs stellen die Demokratisierung der Anlagewelt dar, wird gesagt. Tatsächlich passen sich ETFs jeweils der aktuellen Situation an. In Europa gibt es ETFs gerade einmal seit 35 Jahren, und doch erfuhren sie bereits etliche Neuerungen. Hier einige ETF-Meilensteine. • 1990: Mit dem TIP (Toronto Index Participation Unit) wird der erste börsengehandelte Fonds der Welt aufgelegt und an der Toronto Stock Exchange gehandelt. • 22. Januar 1993: Der erste US-amerikanische ETF (SPDR S&P 500) wird aufgelegt und an der American Stock Exchange gehandelt. • 11. April 2000: Merrill Lynch bringt die ersten beiden ETFs auf den europäischen Markt (auf den Euro Stoxx 50 und den Stoxx Europe 50). Gehandelt werden sie an der elektronischen Börse Xetra. • 2001: Indexchange (damals eine HVB-Tochter) legt einen deutschen ETF auf den DAX auf. • 11. April 2005: Fünf Jahre nach dem Start können Anleger in Deutschland bereits 168 ETFs handeln. • Ende 2006 / Anfang 2007: Die Deutsche Bank tritt mit ihrem ETF-Emittenten db X-Trackers in den Markt ein – ein Paukenschlag. • 2007: Die TERs vieler ETFs sinken. Kostenquoten von 0,15 Prozent werden ab 2007 der neue Standard für DAX- und Euro-Stoxx-ETFs. • 2008: In den USA wird der erste aktive ETF aufgelegt: der Guggenheim Multi-Asset Income ETF. Es folgen weitere aktive ETFs, auch in Europa. • 2009/10: Einführung transaktionskostenfreier ETF-Sparpläne in Europa. • 2012: Die Zahl der an deutschen Börsen handelbaren ETFs überschreitet erstmals die 1.000er-Marke. • 2020: In den USA wird der erste semitransparente ETF aufgelegt („ActiveShares ETF“ von Precidian Investments). • Juni 2024: Frankreich lässt semitransparente ETFs zu. • Dezember 2024: Luxemburg lässt semitransparente ETFs zu. • April 2025: Irland lässt semitransparente ETFs zu. • 2025: In Europa erreicht die Produktgattung ETF ein Anlagevolumen von 2,2 Billionen Euro in über 3.500 ETFs, und sie weist eine breite Produktpalette auf. Quelle: xenix.eu , „Investieren in ETFs für Dummies“ 236 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Semitransparente ETFs FOTO: © FIDELITY

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=