Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
Investments mit möglichen negativen Auswirkungen auf diese Ziele erst gar nicht ins Universum aufzunehmen. Und bei einigen SDGs möchten wir dediziert positive Bei- träge erkennen. Ein Unternehmen kann nur in die Steyler- Fair-Invest-Fonds aufgenommen werden, wenn sein Bei- trag über alle 17 Ziele mindestens neutral ist. Außerdem darf es bei den einzelnen Nachhaltigkeitszielen keine sehr groben Ausreißer nach unten geben. Ähnlich wie in der Schule gilt: Werte unter minus 5 bei einem einzelnen Ziel können nicht mehr durch positiveWerte in anderen Berei- chen ausgeglichen werden. Sie führen also zu einem Aus- schluss. Den Aspekt der doppeltenWesentlichkeit, also die Frage, wie einerseits die Aktivität eines Unternehmens nach außen hin wirkt und wie andererseits bestimmte Entwick- lungen von außerhalb auf das Unternehmen einwirken, wird durchaus diskutiert. Aber es gibt hier unserer Ansicht nach kein Patentrezept. Und wie gehen Sie mit dem Thema Engagement um? Schaf- fen Sie es als relativ kleines Haus überhaupt, bis auf die Ent- scheiderebene eines Unternehmens vorzudringen? Christoph Schmitt: Mitunter schaffen wir es selbst bei größe- ren deutschen Unternehmen bis zumCEO. Ein Highlight imZusammenhangmit demAspekt Engagement ist unsere Kooperation mit der Alanus Hochschule in Alfter nahe Bonn. Das gibt uns die Möglichkeit, Studentinnen und Studenten zu Hauptversammlungen zu entsenden. Wir erarbeiten vorher gemeinsam einen entsprechenden The- menkatalog, den die Studierenden dann vor Ort adressieren können. Gerade bei deutschen Unternehmen der zweiten Reihe sorgt das regelmäßig für Aufmerksamkeit. Und die Unternehmen sind oftmals sogar dankbar für zielgerichtete Fragen und einen konstruktiven Dialog. Der Impact dieser Art von Engagement ist durchaus spürbar. Zum Teil stim- men wir inzwischen auch über das Schweizer Haus Ethos ab, das verläuft sehr viel individueller und bringt uns vor allemmehr Einfluss und Mitsprache, als das zuvor bei den großen US-Anbietern der Fall war. Zum Schluss noch die Frage: Wie gehen Sie mit dem Thema „Transition“ um, also Unternehmen, die vielleicht heute noch nicht den von Ihnen gesetzten Standards entsprechen, vielleicht aber schon auf dem Weg dorthin sind? Christoph Schmitt: Wir nennen es „Unternehmenmit Poten- zial“. Gemeint sind damit Firmen, die Stand heute noch nicht alle unsere Kriterien erfüllen, bei denen wir aber den Willen und die Perspektive erkennen, dass sie sich innerhalb von drei Jahren gewissermaßen in unser Anlageuniversum hinein entwickeln können. Mit einigen dieser Kandidaten arbeiten wir durchaus eng zusammen und begleiten sie unter Umständen sogar gezielt. Ein Ziel dabei ist, nicht den schon heute „grünen“ Unternehmen noch ein zusätzliches Sahnehäubchen aufzusetzen, sondern „braune“ Unterneh- men auf ihremWeg der Transformation bewusst zu unter- stützen. Da sind wir wirklich nicht dogmatisch und schaf- fen entsprechende Freiräume, solange keine roten Linien überschritten werden. Alexander Mozer: Das Einhalten dieser roten Linien und die Verlässlichkeit hinsichtlich des Wertegerüsts sind entschei- dende Parameter für unsere Investoren. Auf der anderen Seite sind aber auch Offenheit und Zukunftsorientierung wesentliche Aspekte unserer Zusammenarbeit. Das konti- nuierliche „Am-Ball-Bleiben“ macht klar, dass im Grunde alles, was gestern vielleicht noch ein „No-Go“ war, sich morgen schon verändert haben kann. Oder anders ausge- drückt: Mit Vergangenheitsorientierung und irregeleitetem Ökodogmatismus verliert man imFondsgeschäft auch gern einmal das Hauptziel aus den Augen: eine angemessene Rendite für das investierte Kapital. Vielen Dank für das Gespräch. HANS HEUSER » Mit Vergangenheitsorientierung und irregeleite- tem Ökodogmatismus verliert man im Fondsgeschäft auch gern einmal das Hauptziel aus den Augen: eine angemessene Rendite für das investierte Kapital. « Alexander Mozer, rezooM Capital 234 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Christoph Schmitt | Steyler Bank + Alexander Mozer | rezooM Capital FOTO: © STEFAN GREGOROWIUS | EXKLUSIV FÜR INSTITUTIONAL MONEY
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