Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
abgesondert hat und auf den der nächste kurzfristige Aus- schlag an der Börse folgen wird. Aber gleichzeitig passiert imKleinen– auf der Ebene von Gemeinden und Kommu- nen – jeden Tag sehr viel Positives im Sinne einer ethisch, sozial und ökologisch geprägten Entwicklung. Deswegen bleibe ich dabei: Je öffentlicher solche extremen Angriffe auf nachhaltiges Investieren ausgesendet werden, desto eher entsteht auchwieder eine Gegenbewegung dazu. AmEnde muss man als Organisation eben Position beziehen und darf sich vor allem nicht von jedem kurzfristigen Wind- stoß umwerfen lassen. Christoph Schmitt: Extrem störend ist schon, wenn über sol- che Tweets versucht wird, ein fakten- und wissenschaftsba- siertes Fundament einzureißen, das eigentlich schon längst als belegt und allgemein anerkannt galt. Aber auch dass die Hälfte der US-Bevölkerung dann auch so schnell bereit ist, sich von nachweislich belegten Fakten mal eben so zu ver- abschieden. Das ist meiner Ansicht nach schon bedenk- lich, weil damit die Gefahr verbunden ist, dass ein nicht unerhebliches Stück an durchaus positiver Entwicklung auch schnell wieder zurückgedreht werden kann. Zurück zur Kooperation selbst: Wie läuft die Entscheidungsfin- dung ab, wer hat den Hut auf, wenn es um Investments geht? Christoph Schmitt: Im Grunde startet der gesamte Prozess bei uns in der Steyler Ethik Bank. Der Ethikausschuss, in dem interne und externe Experten sitzen, darunter auch Ordensleute, legt die Nachhaltigkeitskriterien fest. Diese bilden den Rahmen für unsere Investments. Unterstützt wird der Ausschuss von unseremNachhaltigkeitsteam, also der Abteilung für Ethik und Nachhaltigkeit. Unsere Krite- rien basieren auf denWerten des Steyler Ordens – Frieden, Gerechtigkeit und Schutz von Umwelt und Klima. Diese Werte werden in Positiv- und Negativkriterien übersetzt, die regelmäßig und systematisch überprüft und aktualisiert werden. Auf Basis externer Daten – wir arbeiten mit ISS ESG zusammen – entsteht so unser nachhaltiges Anlage- universum, das wir an rezooMweitergeben. Das konkrete Anlageuniversum wird zudem von unserem Ethikanlage- rat überwacht. Es entsteht also nicht auf Knopfdruck, son- dern ist in der Hand von Experten. Alexander Mozer: Dann liegt es bei uns, aus diesem Uni- versum eine langfristig angelegte Anlagestrategie zu ent wickeln und schlussendlich einmöglichst renditeträchtiges Portfolio zusammenzustellen und entsprechend kontinuier- lich zu monitoren. Ganz wichtig dabei: Wir als der Fonds- berater sind ausschließlich für die Performance zuständig. In die Arbeit des Nachhaltigkeitsteams schalten wir uns nicht ein. Letztlich nehmen wir das von Steyler vorgege- bene Universum, auf demwir dann völlig unabhängig agie- ren können. Aber natürlich besteht ein reger Austausch. Wenn wir ein nach unserer Auffassung spannendes Unter- nehmen finden, schlagen wir es vor und bekommen eine entsprechende Rückmeldung, ob dieses Unternehmen im Sinne der Steyler Kriterien passen könnte. Wichtig für unsere Arbeit ist imÜbrigen eine strikte Verkaufsdisziplin, die wir verfolgen. Auch „dunkelgrüne“ Aktien fliegen aus demPortfolio, wenn sie fundamental nicht mehr überzeu- gen. Wir haben da keinerlei romantische Rücksichten, son- dern handeln knallhart performanceorientiert. Wie steht es um die Einbeziehung der von der UN formulier- ten Sustainable Development Goals (SDGs) und das Thema „doppelte Wesentlichkeit“? Spielt die Grundidee, den Impact in beide Richtungen zu messen, eine Rolle für Sie? Christoph Schmitt: Wir versuchen durchaus, das Portfolio über einen entsprechenden SDG-Filter zu steuern und so » Wir versuchen, das Portfolio über einen entsprechenden SDG-Filter zu steuern und Investments mit möglichen negativen Auswirkungen auf diese Ziele erst gar nicht ins Universum aufzunehmen. « Christoph Schmitt, Steyler Fair Invest N o . 3/2025 | institutional-money.com 233 Christoph Schmitt | Steyler Bank + Alexander Mozer | rezooM Capital | PRODUKTE & STRATEGIEN FOTO: © STEFAN GREGOROWIUS | EXKLUSIV FÜR INSTITUTIONAL MONEY
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