Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
Bedeutet Überzeugungstäter dann auch, dass Sie Anlegende vor allem im Eins-zu-eins-Vertriebsmodell gewinnen und nicht über groß angelegte Kampagnen? Christoph Schmitt: Absolut. Wir investieren nicht in TV- Spots oder großflächige Anzeigenkampagnen. Statt über die Masse läuft bei uns enorm viel über die Einzelanspra- che. Das heißt aber auch: Unsere Sichtbarkeit ist geringer. Daher sindwir auf Mund-zu-Mund-Propaganda und inten- sive Beratung regelrecht angewiesen. Das sorgt aber ande- rerseits für eine enorm starke Kundenbindung. Unsere Situation unterscheidet sich in gewisser Weise grundle- gend von der Volksbank oder der Sparkasse, die vor Ort für jeden sozusagen die erste Option sind. Unsere Kunden gelangen über das ThemaWerte undNachhaltigkeit zu uns, das heißt, es hat schon im Vorfeld ein bewusster Auswahl- prozess stattgefunden. Wer mit unserer Art nichts anfan- gen kann, der kommt erst gar nicht zu uns. Das führt uns zurück zum eben angesprochenen Aspekt einer „Pendelbewegung“. Ist Nachhaltigkeit heute wirklich noch strategische Überzeugung oder nicht schon längst so etwas wie Commodity nach dem Motto: Wer sie nicht bietet, hat ohne- hin ausgedient, aber Begeisterung gibt es dafür nicht mehr. Alexander Mozer: Das greift meiner Ansicht nach viel zu kurz, inWahrheit ist es tatsächlich komplex. Deshalbwürde ich Nachhaltigkeit nicht mal so eben als Modethema klas- sifizieren. Es ist vielmehr eine Art grundlegende Schicht unter vielen anderen wirtschaftlichen Entwicklungen. Aus der Finanzwelt kennen wir doch solche Zyklen: Denken wir nur an den Neuen Markt und die Dotcom-Euphorie. Zuerst gilt stets: Wer sich einem vermeintlichen Zukunfts- thema verweigert, ist außen vor. Und nach einer Überbe- wertung folgt dann in der Regel die Ernüchterung. Aber amEnde setzen sich gerade die Standfesten durch. Worauf es ankommt, ist Authentizität. Es genügt nicht, kurzfristig mal eben so eine Art „nachhaltiges Versprechen“ abzuge- ben, wenn die eigentliche Überzeugung fehlt. Gerade der institutionelle Anleger, aber auch der Privatkunde sucht doch Verlässlichkeit, langfristigeWertebindung und damit einen Asset Manager, der diese Vorgaben auch erfüllen kann, und ein Haus, das diese auch kulturell wirklich lebt. Aber niemand braucht Schönfärberei. Auch Sie können aber doch nicht die Augen verschließen vor einem politischen Gegenwind, der insbesondere aus den USA zu uns herüberweht. Demotiviert Sie das nicht? Alexander Mozer: Ärgerlich ist das natürlich schon. Aber Entwicklungen lassen sich nun einmal nicht beliebig auf- halten. Dennoch geben sehr viele Menschen nicht auf und machen langfristig weiter, ganz gleich, was ein Präsident in Übersee entscheidet oder gerade von sich gibt. Deshalb wird es auch künftig neue Schlagzeilen aufgrund des nächs- ten beliebigen Tweets geben, den der US-Präsident gerade Visionär des nachhaltigen Investierens Alexander Mozer, Jahrgang 1971, ist Gründer und CEO von rezooM Capital mit Sitz in Kronberg. Nach seinem Studium zum Diplom- kaufmann und der Qualifikation zum Certified European Financial Analyst (DVFA) begann er seinen beruflichen Werdegang 1998 als Aktienanalyst bei der Deka Investment. Im Anschluss an seine Zeit bei der Deka war Mozer unter anderem für Cominvest Asset Management und Allianz Global Investors tätig. Ab 2011 hat er mehr als elf Jahre für Ökoworld gearbeitet, wo er das Fondsmanagement geleitet hat. Im Jahr 2022 wagte Mozer den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete rezooM Capital, über die er mit seinem Team inzwischen drei Fonds berät. » Ich würde Nachhaltigkeit nicht mal so eben als Modethema klassifizieren. Es ist eine Art grundlegende Schicht unter vielen anderen wirtschaftlichen Entwicklungen. « Alexander Mozer, rezooM Capital 232 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Christoph Schmitt | Steyler Bank + Alexander Mozer | rezooM Capital FOTO: © STEFAN GREGOROWIUS | EXKLUSIV FÜR INSTITUTIONAL MONEY
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