Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
mit der Offenlegungsverordnung kamdie Unterscheidung auf zwischen Fonds, die nach Artikel 6, 8 oder 9 der SFDR- Richtlinie aufgelegt wurden. Viele haben in dieser Zeit den Durchblick verloren, weil sie sich von einer Vielzahl von Abkürzungen und Regularien überzogen sahen. Hinzu kamdie unsinnigerweise extremkonträr diskutierte Frage, ob Anlegen mit gutem Gewissen wohl Rendite kosten werde. Als dann die Performance nachhaltiger Produkte tatsächlich nachließ, standen die damit verbundenenWerte wie soziale Gerechtigkeit, Frieden oder ökologische Verant- wortung schon gar nicht mehr im Vordergrund. Alexander Mozer: Aber wenn man heute Menschen direkt fragt, behaupten immer noch fast alle, dass ihnen genau solcheWerte besonders wichtig sind. Die Herausforderung besteht darin, diese Werte glaubhaft, sinnvoll und mög- lichst gewinnbringend mit der Finanzanlage zu verknüp- fen. Nur schwenkt das gesellschaftliche Pendel nun einmal regelmäßig von einer Extremposition zur anderen. Momen- tan erleben wir daher ein gewisses Überdrussgefühl gegen- über dem ESG-Aspekt. Mein Szenario wäre allerdings: Sobald die Performance wieder anzieht und der Fokus von Themen wie Rüstung und Verteidigung wieder weg wan- dert, wird Nachhaltigkeit von selbst wieder in den Blick- punkt rücken. Fühlen Sie sich da in einer Art Dilemma, Herr Schmitt? Weil Sie im Endeffekt gar nicht anders können, als ethisch und nachhaltig zu investieren? Christoph Schmitt: Als Dilemma habe ich das noch nie betrachtet. DennNachhaltigkeit und das Verfolgen sozialer Ziele waren schon Teil unseres Selbstverständnisses, lange bevorModebegriffe wie ESG aufkamen. Der Steyler Orden finanziert mit den Gewinnen der Bank soziale Projekte weltweit in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Infrastruk- tur und vieles mehr. Diese Mission prägt alles, was wir tun – eben auch bis hin zur Auswahl der Investments, die wir dafür einsetzen. Schon deshalb wäre es für uns undenkbar, von diesemWeg abzuweichen, nur weil der Zeitgeist gerade den Fokus ändert. Aber auch die Steyler Ethik Bank wird doch die Abkühlung, die das Thema gerade erfährt, zu spüren bekommen. Sei es, dass Sie Kunden verlieren oder Ihr verwaltetes Vermögen schrumpft. Christoph Schmitt: Ich muss Sie enttäuschen. Und es erscheint uns manchmal selbst wie ein Paradoxon: Im Hype sind wir kaum überproportional gewachsen, weil sich unsere Kunden in aller Regel sehr bewusst für uns entscheiden. Und das gilt genauso umgekehrt: Anders als andere Institute erleben wir keine „Flucht“ aus unseren Anlagen und auch keinen dramatischen Rückgang der von uns verwalteten Assets. Daher kannman tatsächlich sagen, dass unsere Klientel vor allem aus „Überzeugungstätern“ besteht. Wer uns gezielt ausgewählt hat, bleibt in der Regel auch trotzmöglicher temporärer Performanceeinbußen bei seiner Entscheidung, mit seinemGeld langfristig imSinne unserer Sache zu wirken. Wegbereiter mit institutioneller Expertise Christoph Schmitt ist seit August 2023 Bereichsleiter von Steyler Fair Invest, der Investmentmarke der Steyler Ethik Bank, wo er ein Team von drei Mitarbeitern leitet. Schon seit 2019 arbeitet er für die Bank in Sankt Augustin und hat zunächst institutionelle Kunden betreut. Schon in dieser Zeit spielte er eine zentrale Rolle bei der Neuaus- richtung der Steyler-Fair-Invest-Fonds. Schmitt ist gelernter Bank- kaufmann und Diplombetriebswirt. Seinen Karriereweg begann er 2002 als Fondsmanager bei Deka Investment, wo er sechs Jahre tätig war. Anschließend wechselte er zu Sal. Oppenheim und war zehn Jahre als Portfoliomanager tätig. In dieser Zeit übernahm er auch die Verantwortung für das Nachhaltigkeitsmanagement. Auch bei Steyler liegt sein Fokus auf der zukunftsgerichteten Ausrichtung der nachhaltigen Anlagesparte der Bank. » Man kann tatsächlich sagen, dass unsere Klientel vor allem aus > Überzeugungstätern < besteht. « Christoph Schmitt, Steyler Fair Invest N o . 3/2025 | institutional-money.com 231 Christoph Schmitt | Steyler Bank + Alexander Mozer | rezooM Capital | PRODUKTE & STRATEGIEN FOTO: © STEFAN GREGOROWIUS | EXKLUSIV FÜR INSTITUTIONAL MONEY
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