Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
Capital-Strategien auf 89 Prozent des NAV. Dies entspricht einem Plus von 400 Basispunkten gegenüber 2023 und 800 Basispunkten gegenüber 2022. Doch Geld ist nicht alles, bei einem Deal sind außerdem die Zahlungsmodalitäten, die Übernahme von bestehenden Commitments, die Bonität des übernehmenden Interessenten und etwaige Sicherheiten zu beachten. Professionelles Set-up Der Verkauf einer Beteiligung kann auf mehrerenWegen er- folgen. Einer davon ist der direkte Verkauf der Fondsanteile an einen Investor, entweder aus dem bestehenden Anleger- kreis oder extern. Ein anderer Exit-Kanal ist ein regulierter Zweitmarkt, der als Vermittler zwischen den Parteien agiert. Anbieter in Deutschland, die über die notwendige BaFin-Er- laubnis verfügen, sind beispielsweise die Fondsbörse Deutsch- land, die FHG Hanseatische Fondshandlung und Lagrange. Bei letztgenanntem Unternehmen ist seit August 2025 eine Secondaries-Plattform für institutionelle Spezialfonds online.Hier werden zugangsgeschützt Verkäufer von Fonds- anteilen mit Kaufinteressenten ab zehn Millionen Euro zu- sammengebracht. Lagrange fungiert hier primär als Vermitt- ler, bietet aber auch an, die Transaktion beratend zu beglei- ten. „Es gilt Best Execution.Nur geprüfte und professionelle Investoren haben Zugang“, betont Geschäftsführer Helmer. Für den Erfolg des Zweitmarktes sieht Wibbeke die Not- wendigkeit, dass „das Augenmaß für die Besonderheiten des Marktes“, bezogen auf Vertragswerke, Discounts, Portfolios und Manager, bestehen bleibt. Dadurch könnten „automa- tische Liquidationen von im Zweifel auch erfolgreichen Fonds“vermieden werden, wenn einzelne Investoren ausstei- gen wollen. Neue Spieler, neues Glück Secondaries sind nicht einfach nur ein Rückzugsinstrument. Ein Gesellschafterwechsel ermöglicht die Ausdehnung der Wertschöpfung durch die Verlängerung der Haltedauer attraktiver Assets. Er sorgt auch für Liquidität für aufstiegs- willige Anleger und bringt zum Beispiel für ESG-Maßnah- men, Zukäufe und Repositionierungen wie Marktsegment- wechsel oder eine geänderte Mieterstrategie frisches Kapital. Leiminger betont: „Jede Immobilie muss aktiv gemanagt und gepflegt werden, um ihre Substanz und ihren Wert langfristig zu sichern.“Für eigenkapitalstarke Investoren sind Value-Add-Objekte interessant, zumal der Immobilienmarkt von der Korrektur- in die Konsolidierungsphase überge- gangen ist. Dazu zählen beispielsweise ältere Wohnbestände mit Modernisierungsbedarf, Objekte mit Leerständen oder Immobilien, bei denen energetische Sanierungen anstehen. „Solche Objekte ermöglichen durch gezielte Investitionen langfristig stabile Renditen und nachhaltige Wertsteigerun- gen“, so Leiminger. Das ist allerdings auch mit Risiken ver- bunden, beispielsweise durch Verzögerungen bei Maß- nahmen, höhere Kosten oder temporäre Leerstände. Auch politische Eingriffe in die Vermietung sind nicht (mehr) aus- zuschließen. Der Zweitmarkt ist für den Fondsmanager ein Tool, mit dem er flexibler und im Interesse aller Beteiligten nicht nur reagieren, sondern agieren kann. Anders als bei Kündigun- gen durch Anleger müssen keine Assets verkauft oder Still- halteabkommen vereinbart werden. Der Fonds bleibt hand- lungsfähig. Deshalb haben die GP-led Secondaries in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. „Weitsichtige Asset Manager initiieren Zweitmarkttransaktionen aktiv,weil sie nicht wollen, dass Anteile gekündigt werden. Secondaries sind ein Werkzeug, das es Fondsmanagern ermöglicht, Fonds aktiv und anlegerorientiert weiterzuentwickeln“, fasst Ritschewald zusammen. Letztlich dient dies langfristig auch dem Track Record des Managements. Luft nach oben Für den Zweitmarkt besteht in Deutschland ein enormes Potenzial. Allein im Immobilienbereich verwalten die offe- nen und geschlossenen Spezialfonds nach BVI-Angaben ein Vermögen in Höhe von rund 180 Milliarden Euro. Da sich Vermögensaufteilung der deutschen Spezialfonds So viel Kapital verwalten die Depotbanken für deutsche Spezialfonds. Der Spezialfondsanteil am gesamten verwahrten Vermögen beträgt 75 Prozent. Der Rest entfällt auf Publikumsfonds. Quelle: BVI, Stichtag 30. Juni 2025 1.966.524 Mio. 193.390 Mio. 44.184 Mio. 1521 Mio. 226 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Zweitmarkt Spezialfonds FOTO: © JOST FINK I HANSAINVEST » In der jüngeren Vergangenheit haben die Zinserhöhungen die Liquiditätssituation vieler institutioneller Investoren verändert. « Ludger Wibbeke, Geschäftsführer Hansainvest
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