Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

gezahlt werden, und außerdem arbeitet der Markt mit Spreads, die sich der Risikosituation anpassen.Wenn die Ma- krosituation schwieriger wird, steigen die Spreads; man wird also für das Risiko kompensiert.“ Finanziert wird beispiels- weise der Handel zwischen China und Brasilien oder China und Peru.Meistens handelt es sich dabei um rohstoffbasier- te Geschäfte. Generell sind die Kredite Floating-Rate-basiert. Viel unausgeschöpftes Potenzial Über einen Mangel an Investitionsmöglichkeiten kann er sich nicht beschweren. „Der globale Handel umfasst ein Volumen von etwa 19 Billionen US-Dollar pro Jahr. Vieles davon muss zwischenfinanziert werden, da gibt es eine riesige Finanzierungslücke“, verweist Poepplow auf den enor- men unausgeschöpften Bereich an Finanzierungs- und Geschäftsmöglichkeiten im globalen Handelsbereich. „Wir erwarten, dass die Spreads für Export-Import-Kredite wach- sen, aber wir haben kein Problem, gute Kredite zu finden.“ Außerdem gewinne man als Investor durch solche Finanzie- rungen ein Stück Unabhängigkeit von den Wachstumspro- gnosen für die westliche Hemisphäre. Mit seiner Trade-Finance-Strategie kann Federated Hermes etwa 250 bis 350 Basispunkte mehr erwirtschaften als Staats- anleihen. Das Kreditportfolio ist dabei über verschiedene Kontinente, Länder, Sektoren und Darlehensgeberstrukturen gestreut. „Wir analysieren die Kredite sehr genau. Von rund 660 Krediten, die wir im Schnitt pro Jahr auf den Tisch bekommen, investieren wir vielleicht in zehn Prozent“, so Poepplow. Dafür hat das Haus zwei Fondsportfolios auf- gesetzt, eines in Europa und eines in den USA. Die Fonds haben eine Evergreen-Struktur und bieten eine bedingte Liquidität; Anteile sind quartalsweise handelbar. „Trotzdem machen wir eine tägliche Preisfeststellung. Dafür wenden wir eine Matrixbewertung über die von uns gehaltenen Kredite an“, führt Poepplow aus. In Frage kommt eine Inves- tition insbesondere für Vermögensverwalter, Stiftungen, Pen- sionskassen und Family Offices. Investoren von der Versiche- rungsseite werden das Rating vermissen. „Die Kredite selbst sind nicht geratet. Versicherungsinvestoren müssten unsere Trade-Finance-Strategie daher in ihre Schmutzquote auf- nehmen, aber die ist bei vielen bereits durch High-Yield- Anlagen belegt“, bedauert Poepplow. Für einen Spezialfonds ließe sich zwar ein Rating be- stellen – beispielsweise von einer kleineren bei der EZB akkreditierten Agentur –, aber die Kosten belaufen sich schnell auf 100 Basispunkte insgesamt und dürften viele Investoren abschrecken. Einsatz von Credit Default Swaps (CDS) Eine weitere Strategie, bei der versicherte Kreditrisiken zum Einsatz kommen, hat die Fondsboutique XAIA Investment aus München entwickelt. „Bei unserer Strategie dienen Bond-CDS als Basis für eine isolierte Ertragsquelle“, erklärt Christofer Vogt, stellvertretendes Mitglied der Geschäfts- führung von XAIA. Bei Credit Default Swaps (CDS) han- delt es sich um Kreditderivate, die die Ausfallrisiken von Krediten, Anleihen oder Schuldnern absichern. Suche nach Preisverwerfungen XAIA nutzt auf systematische Weise Preisanomalien, die sich am Markt für solche Derivatestrukturen ergeben. Jede Anleihenposition ist dabei mit einer CDS-Position gleicher Laufzeit gegen Kreditausfall abgesichert. Materialisiert wird die Differenz aus dem Ertrag der Anleihe und den Kosten der Absicherung. „Mithilfe unseres selbst entwickelten Quant-Modells suchen wir Preisverwerfungen, die uns als Ertragsquelle dienen, und zwar bei folgenden Konstella- tionen: Credit versus Credit-Derivat, Credit versus Equity, Senior Credit versus Nachrang sowie Indizes für Credit Derivate versus Singles“, erklärt Vogt. Solche Preisverwer- fungen können entweder systemisch entstehen (Beispiel Covid-Crash) oder ideosynkratischer Natur sein (Beispiel Credit Suisse). Gründe für Preisanomalien Vogt nennt vier Gründe, die zu den gesuchten Preisanoma- lien führen können: ineffiziente Märkte, die Marktsegmen- tierung, Finanzierungskosten und regulatorische Rahmen- bedingungen. XAIA hedgt dabei sowohl Zinsänderungs- risiken als auch FX-Risiken, da diese Risiken nicht Teil der Strategie sind. „Mit unserem Ansatz erreichen wir unkor- relierte absolute Erträge, die unabhängig von den tradi- tionellen Anlageklassen sind. Die Erträge sind planbar und laufen sehr stabil“, sagt Vogt. Sie liegen im Regelfall über dem Geldmarktsatz (3-Monats-Euribor). XAIA vertreibt die Strategie seit Januar 2010 in einemUCITS-Publikumsfonds, dem XAIA Credit Basis II. Dafür beobachten Vogt und sein Team laufend, ob es Veränderungen im Risiko-Ertrags-Profil der CDS gibt und wie liquide die derivaten Instrumente gehandelt werden. Es handelt sich dabei um einen Artikel- 8-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung. So vielversprechend diese innovativen Kreditstrategien auch erscheinen mögen, bei Spread-Aufschlägen von 200 bis 350 Basispunkten gegenüber Staatsanleihen steht fest, dass damit zusätzliche Risiken verbunden sind. Diese Strategien können daher nach strenger Due Diligence durchaus ihren Platz in gut diversifizierten Portfolios haben – mehr als eine interessante Beimischung werden sie hingegen wohl nie werden. ANKE DEMBOWSKI 216 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Insured Credit FOTO: © FOTOSTUDIO SAUTER » Bei unserer Strategie dienen Bond-CDS als Basis für eine isolierte Ertragsquelle. « Christofer Vogt, stellvertretendes Mitglied der Geschäftsführung von XAIA Investment, München

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