Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025

Rohstoffvorkommen, Handelsaktivitäten und politischen Ausrichtungen. Insbesondere Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern hätten bei strategischen Allokationen in der Vergangenheit keine wesentliche Rolle gespielt. „Wir sind jedoch der Ansicht, dass diese Anlageklasse derzeit potenziell attraktive Chancen bietet. Dank eines vielfältigen Universums, das mehrere Wirtschaftsmodelle umfasst, kön- nen Anleger von diesem sich wandelnden Wirtschaftspara- digma profitieren. Darüber hinaus lassen sich idiosynkrati- sche Risikoprämien wie beispielsweise politische Risiken durch Diversifizierung erfassen und steuern, wodurch ihre Auswirkungen auf die Gesamtvolatilität des Portfolios be- grenzt werden“, so Verchere.Natürlich sei eine sorgfältige Bo- nitätsanalyse unerlässlich, um das Ausfallrisiko zu reduzieren. „Doch die hochwertigeren Segmente des Universums der Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern profitieren auch von den gestiegenen Realzinsen im US-Dollar. Diese Dynamik bietet einen gewissen Schutz vor Verlusten im Fall eines wirtschaftlichen Abschwungs“, meint Verchere. Insbe- sondere in Zeiten, in denen die Ausnahmestellung der USA abnimmt, rücken Emerging Markets Bonds in den Fokus. „Die Leistungsbilanzüberschüsse und Devisenreserven stei- gen, der Schuldenstand und das BIP sind relativ stabil, es gibt aktuell keine Staatspleiten, und die Schwellenländer sor- gen global für Wachstumsimpulse. Für Investoren signali- siert das: Worauf warten wir?“, meint Patnaik enthusiastisch. ANKE DEMBOWSKI Ist China ein Emerging Market? Hightech und boomende Megacitys lassen das Reich der Mitte als hoch entwickelt erscheinen. Trotzdem ist China noch in den bekannten Emerging-Markets-Indizes enthalten. A uf der Weltbühne definiert sich China als Entwicklungsland, und einige fragen sich, ob das noch gerecht- fertigt ist. So mancher europäische Pe- king-Besucher hat das Gefühl, er käme aus einem rückständigen Land und nicht umgekehrt. In verschiedenen Technolo- giebereichen ist China längst Weltmarkt- führer: beispielsweise in der Batterie- technik, bei der Entwicklung von E-Autos sowie in der Solartechnologie. In China fährt der Transrapid, den sich Deutsch- land nicht leistet; dort stehen in einer Stadt mehr Wolkenkratzer als in West- europa zusammen, und autonome Luft- Taxis vom Hersteller EHang fliegen dort bereits im Praxisbetrieb Menschen an ihr Ziel. Hoher Machtanspruch Auch politisch und militärisch ist das Land selbstbewusst und unterstreicht seinen Machtanspruch auf der Weltbüh- ne. So traf sich kürzlich die Shanghai Cooperation Organisation (SCO) im chi- nesischen Tianjin. Zu dem von China ini- tiierten Sicherheitsforum gehören ne- ben China auch Russland, Iran, Indien und Pakistan – und neuerdings auch Be- larus. Auf der Militärparade zeigte die Atommacht China modernste Waffen- technik: von Hyperschallraketen über Unterwasserdrohnen bis hin zu mobilen Laserwaffen und unbemannten Kampf- jets. Vorteile durch EM-Status Das steht im Kontrast dazu, dass viele in- ternationale Organisationen China bis heute als Entwicklungs- oder Schwellen- land einstufen; beispielsweise die Verein- ten Nationen, der Internationale Wäh- rungsfonds IWF und die Welthandelsor- ganisation WTO. Mit dem Status eines Entwicklungslandes stehen China beim Welthandel und beim Klimaschutz vor- teilhafte Sonderbehandlungen zu. Schon allein die Tatsache, dass China sich mehr Zeit lassen darf für seine Klimaziele, spart dem Land viel Geld. Mittlerweile hat China sogar die USA überholt und ist nun der größte CO 2 -Emittent der Welt. Bei der WTO profitiert China von den besonderen Normen, die Entwicklungs- ländern vorbehalten sind. Dazu zählen etwa längere Fristen für die Umsetzung von Abkommen, die typischerweise auf den Abbau staatlicher Unterstützung für bestimmte Wirtschaftszweige abzie- len. Chinas zentral geführte Politik stützt gezielt einzelne Wirtschaftszwei- ge, was zu Belastungen ebendieser Branchen in den Industrieländern führt. Ein prägnantes Beispiel dafür ist der Niedergang der deutschen Photovol- taikhersteller Mitte der 2010er-Jahre. EM-Indizes sind dynamisch „Barclays und J.P. Morgan sind die größ- ten Anbieter für Emerging-Markets-Bond- Indizes. Die Zusammensetzung solcher Indizes wird laufend angepasst“, erklärt Uday Patnaik, Head of Emerging Market Debt bei L&G. Er erwähnt Katar, das jetzt aus dem Emerging-Markets-Index von J.P. Morgan entfernt wird. „Südkorea und China sind beide noch drin. Das Pro-Kopf- Einkommen in diesen beiden Ländern entspricht noch nicht dem von den Industrieländern“, erklärt Patnaik. „Es gibt über 150 Emerging Markets, aber im Sovereign Index sind nur rund 75 enthalten. Davon sind aktuell zwei im Default: Libanon und Venezuela. Hier wei- ten sich die Spreads natürlich aus“, er- klärt Patnaik. Wenn die Länder ihre Schul- den restrukturiert haben, werden sich die Spreads wieder verringern, kennt er das Auf und Ab bei Schwellenländern. Zumindest eines ist sicher: Sobald einer der großen Indexprovider China aus den Emerging-Markets-Indizes ent- fernt, wird es zu großen Umschichtungen durch die Investoren kommen. Das Aus- maß der Marktreaktionen auf einen sol- chen Schritt ist schwer abschätzbar. 210 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Emerging Market Debt FOTO: © PGIM » Emerging-Markets-Anleihen sind heute längst nicht mehr so fragil wie früher. « Cathy Hepworth, Bereichschefin Emerging Market Debt bei PGIM

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