Institutional Money, Ausgabe 3 | 2025
D es einen Leid, des anderen Freud. Dieses Sprich- wort kommt einem in den Sinn, wenn man den anhaltenden Rückgang des US-Dollars und die gleichzeitige Stimmungsverbesserung gegenüber den Schwellenländern betrachtet. „Aktien aus Schwellenländern haben sich aufgrund attraktiver Bewertungen und einer jah- relangen Untergewichtung durch die Anleger überdurch- schnittlich gut entwickelt“, schreibt das Analyse- und Fonds- datenhaus Morningstar. Die jüngste Rallye stellt eine Um- kehrung der lang anhaltenden Underperformance gegen- über den Industrieländern dar. Morningstar verweist hier insbesondere auf die Underperformance gegenüber US- Aktien, bei denen ein KI-getriebener Technologieschub für beeindruckende Gewinne gesorgt hat. Das scheint sich nun wieder zu normalisieren. Geringere Schuldenlast Aber nicht nur Aktien aus den Schwellenländern sehen ein Revival. „Insgesamt rücken Emerging Markets bei vielen Investoren wieder stärker in den Fokus, und zwar sowohl das Aktien- als auch das Fixed-Income-Segment“, beobachtet Wouter Van Overfelt. Er ist Portfoliomanager und Head of Emerging Markets Bonds bei Vontobel in Zürich und geht davon aus, dass die Schwäche des US-Dollars mittelfristig anhalten wird: „Die Dollarschwäche hat verschiedene Ursachen. Eine davon ist die hohe Schuldenquote der USA. Jetzt lohnt sich der Blick in die Emerging Markets. Die Staa- ten dieser Region haben eine geringere Schuldenlast als die USA und andere westliche Industrieländer. Sehen Sie sich Frankreich an, das 2025 eine Schuldenquote von etwa 116 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat. Italien und Grie- chenland stehen sogar noch schlechter da. Emerging Mar- kets haben eine deutlich niedrigere Schuldenquote; sie liegt im Schnitt bei etwa 65 Prozent. Die Länder sind außerdem in der Lage, schneller aus der Verschuldung herauszuwach- sen als die G7-Länder.“ Beim Bewältigen der Schuldenlast dürfte neben dem politischen Fokus auf Wachstum auch die oft günstigere demografische Entwicklung unterstützend wirken, die viele Schwellenländer aufweisen. Geld fließt zurück Der schwächere Dollar und die vergleichsweise geringe Ver- schuldung verbessern das Renditeprofil insbesondere von Lo- kalwährungsanleihen und sorgen für breitere Kapitalzuflüsse in Nicht-Dollar-Anlagen.Diese sind zuvor – angesichts der ag- gressiven Straffung der Geldpolitik durch die Fed im Jahr 2022 – aus den Schwellenländern in die USA abgeflossen. 2023 und 2024 sowie besonders seit Jahresbeginn 2025 floss dann viel Geld in die Schwellenländer zurück, vornehmlich in Lokalwährungsanleihen. „Entscheidend ist, dass ein Groß- teil dieses Kapitals strategischer und institutioneller Natur ist“, sagt Cathy Hepworth, Bereichschefin Emerging Market Debt bei PGIM. Sie führt die überschaubaren Leistungsbilanzdefi- zite, die viele Schwellenländer aufweisen, glaubwürdige Infla- tionsziele und starke lokale Märkte ins Feld. Diese Verbesse- rungen verringerten das Risiko starker negativer Reaktionen selbst bei externen Schocks.„Emerging-Markets-Anleihen sind heute längst nicht mehr so fragil wie früher“, sagt Hepworth. „Anleger,die bereit sind,über die Schlagzeilen hinauszuschau- en und sichmit den Fundamentaldaten auseinanderzusetzen, können attraktive und nachhaltige Chancen nutzen.“ Mit ihren Fonds investiert sie daher in Schwellenländer- währungen, soweit zulässig, und erwartet, dass diese Posi- tionen mit höheren Carry-Erträgen eine Quelle für positive Alpha-Renditen sind, wie es sich bereits in der Vergangen- heit gezeigt hat. Schwellenländeranleihen profitieren von attraktiven Zinsen, starken Fundamental- daten und der Rückkehr der Investoren. Das macht das Segment Emerging Market Debt aktuell interessant. Investoren kehren zurück 206 N o . 3/2025 | institutional-money.com PRODUKTE & STRATEGIEN | Emerging Market Debt FOTO: © VONTOBEL » Die Emerging Markets haben eine geringere Schuldenlast als die USA und andere westliche Industrieländer. « Wouter Van Overfelt, Head of Emerging Markets Bonds, Vontobel
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